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Michael Drewniok
Kleinigkeiten haben auch in der Zukunft große Folgen

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jun 2019

- Kleinarbeit (Legwork; 1956), S. 5-66: Ein außerirdischer Spion soll die Erde auf ihre Tauglichkeit als Sklavenplanet untersuchen. Zwar mischt er sich erfolgreich unter die Menschen, begeht jedoch diverse kleine Fehler, die schließlich die Aufmerksamkeit erfahrener Ermittler erregen.

- Der Offund (Allamagoosa; 1955), S. 67-83: Was auf der Inventarliste eines Raumschiffs verzeichnet steht, sollte bei einer Überprüfung vorhanden sein; notfalls muss man es erfinden.

- Die Warteinweiler (The Waitabits; 1955), S. 84-122: Wie soll man die Angehörigen eines außerirdischen Volkes in den Dienst des Erd-Imperiums zwingen, wenn für sie die Zeit tausendfach langsamer abläuft?

- Postscriptum (P. S.; 1953), S. 123-136: Erst im Alter erfährt Dr. Corlett, mit wem er seit mehr als einem halben Jahrhundert eine innige interplanetarische Brieffreundschaft pflegt.

- Die Zeitlosen (The Timeless Ones; 1952), S. 137-160: Sie sind friedlich und freundlich, sie kennen keine Waffen, aber trotzdem übernehmen sie einen Planeten nach dem anderen.

- Diabologik (Diabologic; 1955), S. 161-188: Fremde Intelligenzen werden nicht mit Waffengewalt unter Druck gesetzt, sondern durch logische Hinterlist aus dem Gleichgewicht gebracht, bis sie sich freiwillig dem irdischen Weltraum-Imperium anschließen.

Der Traum von Utopia

Viele Jahre kennzeichnete die Grandezza des „Goldenen Zeitalters“ die Science Fiction. Raum und Zeit stellten höchstens Herausforderungen an eine Super-Technik dar, deren Produkte geniale Wissenschaftler wie am Fließband aus ihren Hüten zogen. Langwierige (und langweilige) Forschung ersetzte man durch beherztes Befolgen des wesentlich simpleren (und leichtverständlichen) Prinzips „Versuch und Irrtum“.

Dummköpfe? Geizige Bürokraten? Fortschrittsfeindliche Opposition? Solche Spielverderber wurden entweder völlig ignoriert oder an den Pranger gestellt = durch buchstäblich fantastische Entwicklungen lächerlich gemacht. Es ging voran, und der Weltraum stellte den Spielplatz dar, auf dem sich abenteuerlustige Entdecker (bzw. Eroberer) austobten.

Umweltzerstörung? Ressourcenverschwendung? Neo-Kolonialismus? Daran dachte erst recht niemand, als die Rohstoffvorräte der Erde noch unerschöpflich schienen. Der naturwissenschaftlich-technische Fortschritt wurde zum Maß aller Dinge. Was ‚daheim‘ in Gang gesetzt wurde, sollte sich in (nicht gar zu ferner) Zukunft auch im All auszahlen; so versprachen es schließlich die zeitgenössischen Fachleute, während jenseits des Eisernen Vorhang Sowjets und Chinesen tückisch darauf lauerten, dass der Westen nachließ im Streben um die technische Vorherrschaft!

Die Tücke des Objekts ist zeitlos

Kritiker (und Spötter) waren schlimmstenfalls Agenten des kommunistischen Ostblocks und bestenfalls Nervensägen, die den Apfel einfach nicht ohne Wurm sehen wollten. Die elementare Frage der Skeptiker lautete: Warum sollte die Zukunft besser funktionieren als die Gegenwart? Diese ist das Produkt einer Vergangenheit, aus der man lernen könnte, aber nie gelernt hat. Stattdessen geht es auf jeder gegenwärtigen Welt so wirr wie immer zu.

Eric Frank Russell war kein Mahner & Warner im klassischen Sinn. Er war auch kein Eiferer, weshalb er seine Zweifel lieber in sachte Ironie kleidete. Dennoch durchaus deutlich legte er dar, wo es aus seiner Sicht auch in einer ansonsten ‚glorreichen‘ Zukunft haken könnte - und haken würde. Er griff dabei auf einen einmaligen Erfahrungsschatz zurück: Russell war das Kind einer Soldatenfamilie und leistete im Zweiten Weltkrieg seinen Wehrdienst für die Royal Navy ab. Was er in Sachen militärischer ‚Logik‘ er- und überlebte, vergaß er nie, sondern nutzte es, um als Schriftsteller Bürokratismus, Überheblichkeit, Denkfäule und andere ‚Tugenden‘ - die er gern auf Politiker übertrug - lächerlich zu machen.

Damit traf er durchaus auf Zustimmung. „Allamagoosa“ - in der hier vorgestellten Sammlung als „Der Offund“ übersetzt - wurde 1956 mit einem „Hugo Gernsback Award“  als beste Kurzgeschichte des Jahres ausgezeichnet. Aus heutiger Sicht mag der Humor ein wenig platt wirken, was jedoch durch der „Vintage-Faktor“ ausgleicht: Raumflug wird in U-Booten mit Heckflossen betrieben. Innen geht es technisch denkbar übersichtlich (und selbstverständlich absolut analog) zu. Russell hatte anderes im Sinn als „Technobabbel“. In „Der Offund“ geht es ihm um die Sinnlosigkeit einer Vorschriftsgläubigkeit, die dem Begriff „Fortschritt“ Hohn spricht.

Vorschrift ist Vorschrift - gnadenlos

In diese Kerbe haut Russell auch mit „Die Warteinweiler“. Die Story gehört zu einem Zyklus, dem der Autor 1962 einige Erzählungen für den Episodenroman „The Great Explosion“ (dt. „Die große Explosion“) entnahm. Er stellt darin ein zukünftiges Menschen-Imperium vor, das tief im All nicht auf die üblichen Probleme stößt, die mit Waffengewalt zu ‚lösen‘ sind - feindselige Außerirdische, Planetenmonster, Piraten etc. -, sondern mit Herausforderungen konfrontiert wird, die eine Abkehr von Vorschriften oder wenigstens eine freigeistige Auslegung erforderlich machen. Die mächtigen Erdlinge sind überfordert und müssen schamvoll den Rückzug antreten, während sie bereits daran arbeiten, die Niederlage wenigstens propagandistisch in einen Sieg umzudeuten: Holzköpfe sind lernresistent, so Russells Schlussfolgerung.

Dass dies auch für nur scheinbar überlegene Außerirdische gelten kann, belegt der Autor mit zwei Storys. „Kleinarbeit“ ist auf den ersten Blick eine typische Invasionsgeschichte. Russell beschreibt (betont realitätsfern, möchte man beinahe meinen) einen Außerirdischen, der die Erde mit unguten Motiven ausspioniert. Dabei unterlaufen ihm Fehler - Kleinigkeiten, die in jedem ‚richtigen‘ Invasions-Garn keine Rolle spielen würden. Doch Russell hakt hier ein: Dank mühsamer, laufreicher, konzentrierter Detailarbeit kommen gar nicht schlaue Provinzler dem Eindringling auf die Schliche: Falsches Überlegenheitsdenken fördert galaxisweit fatale Fehler!

„Diabologik“ ist eine ungewöhnliche Methode, außerirdischen Völkern, mit denen die Erde Kontakt aufnehmen will, Sand in die (falls vorhanden) Augen zu streuen. Man erkundet die politischen, gesellschaftlichen und sozialen Strukturen der ‚Anderen‘, um dort entdeckte Lücken auszunutzen. Entsprechend geschulte ‚Botschafter‘ sorgen für semantische Verwirrung und gaukeln eine imperiale Allmacht vor, die realiter gar nicht existiert. Vorsichtshalber knicken die Aliens ein und wechseln auf die Seite der Erdlinge. In „Die Zeitlosen“ geht Russell einen Schritt weiter: Die ‚Invasoren‘ verdrängen ihre ‚Gastgeber‘ absolut gewaltfrei, weil sie einfach ‚da‘ sind und sich vermehren; eine Quintessenz, die politisch nicht mehr korrekt ist und heute, wo die wohlhabenden Staaten dieser Welt verzweifelt nach ‚menschenwürdigen‘ Methoden suchen, ‚Wohlstands-Immigranten‘ grenzfern zu halten, in der Tat irritiert.

„Postscriptum“ zeigt einen ‚leisen‘ Russell. Als sich seine nie persönliche getroffene, aber geschätzte „Brieffreundin“ - in dieser Zukunft schickt man Papierbotschaften durch das All - als hässlicher, übelriechender Pilz entpuppt, muss sich ein alter Mann der Entscheidung stellen: Fühlt er sich verraten und angeekelt, oder kann er über seinen Schatten springen und Freundschaft über Fremdenangst stellen? Russell favorisiert die Versöhnlichkeit, fügt dem einen hübschen Schlusseffekt zu und komplettiert den positiven Eindruck einer Story-Sammlung, die auch heute unterhalten kann, ohne dass der Verfasser dafür Galaxien zerschmettern muss.

Fazit:

In sechs Kurzgeschichten richtet Autor Russell den Fokus auf das unbedeutende, tatsächlich aber entscheidende Detail, das auch in einer hochtechnisierten Zukunft zum Stolperstein oder zum Denkanstoß werden kann. Die Folgen beschreibt der Autor mit manchmal bissigem, aber nie verletzendem Humor. Das SF-Element mag verblasst sein, während der ‚menschliche Faktor‘ sich erhalten hat.

Ferne Sterne

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