Der Wächter der Winde

Erschienen: August 2019

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Marcel Scharrenbroich
Vom Winde verweht

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Sep 2019

„Und kannst du auch den Sturm nicht brechen, so brich nur selbst nicht, und du siegst.“
- Otto Alexander Banck (deutscher Publizist und Schriftsteller; 1824 – 1916)

Antonia Perrault befindet sich mit ihrem Assistenten Francis auf dem Rückweg von einer Beerdigung. Ein plötzlicher aufziehender Sturm und ein umherfliegender Windpumpenflügel, der mit einem lauten Knall die Windschutzscheibe sprengt, hindern sie an ihrer Weiterfahrt. Als Retter in der Not erweist sich ausgerechnet der reiche Geschäftsmann Alexander King. King und sein Sohn Bastian kommen ebenfalls von einer Trauerfeier. Die, seiner eigenen Tochter Bella. Man kennt sich und vor langer, langer Zeit mochte man sich sogar. Antonias Ehemann Ross und Alexander King waren sogar mal Geschäftspartner… das war bevor Ross krank wurde. Bevor er plötzlich verschwand… und ihre gemeinsame Tochter Mira mitnahm.

Auf derselben Straße reitet der junge Fernando durch den Sturm. Verletzt und geschwächt hält er sich tapfer auf seinem Schimmel Moonchild. Vollkommen auf sich allein gestellt und nur mit einer Gitarre auf dem Rücken und einer Kette mit einem Kreuz um den Hals, die ihn an seine verstorbenen Eltern und gleichzeitig an seine Wurzeln erinnern. Seine Kräfte schwinden zusehends und der Sturm nimmt an Intensität zu… 144 Jahre bevor die Chauffeurin Swaine die schwarze Limousine von Alexander King durch den peitschenden Wind lenkt.

Stephanie und Rince, ein Gaunerpärchen, steuern ebenfalls auf ein Unwetter zu. Am Steuer eines Kleinlasters, den Rince eigentlich in Reno abliefern sollte, aber ganz andere Pläne verfolgt. Der geladene Whiskey soll der erfolgreiche Start in ein eigenes Business werden. Sich zwar als kleines Licht, welches in der Rangordnung weit, weit hinter den eigentlichen Handlangern von Al Capone rangiert, jetzt schon für eine große Nummer haltend, wittert der Daumen des Gangsterbosses seine große Chance. Schließlich herrscht die Prohibition und Whiskey ist in diesen Zeiten flüssiges Gold…

Der gigantische Sturm, der über die amerikanische Westküste fegt, verschlägt diese illustre Schar an einen Ort, der jegliche Vorstellung sprengt. Über die Grenzen der Zeit hinweg und aus ihren bisherigen Leben gerissen, gelangen sie in die Welt unter dem Winde. Geschaffen von Ross Perrault, der hier seit 12 Jahren mit strenger Hand regiert und ein Königreich mit ganz eigenen Gesetzen beherrscht. Nur seine Tochter Mira, mittlerweile fast erwachsen, sehnt sich nach der Welt, die sie als Kleinkind ungewollt verlassen musste. Und im Gegensatz zu ihrem Vater, ist Mira in heller Aufregung über den ungewohnten Besuch. Denn sie wünscht sich nichts sehnlicher, als der Welt unter dem Winde den Rücken zu kehren…

Auf Shakespeares Spuren

Zeitgenössisch und mit viel urbaner Fantasie, adaptiert der Autor Oliver Plaschka hier das Theaterstück „Der Sturm“ von William Shakespeare. Dieses handelt von Prospero, dem ehemaligen Herzog von Mailand, der der Magie zugetan war und von seinem machtgierigen Bruder gestürzt wurde. Prospero und seiner Tochter Miranda gelang die Flucht und sie strandeten auf einer einsamen Insel, auf der er von nun an herrschte. Der Luftgeist Ariel, der Prospero zu Diensten war, sorgte dafür, dass das vorbeisegelnde Schiff des Königs von Neapel (man kam hier von einer Hochzeit, anstelle einer Beerdigung) in einen Sturm geriet und die Besatzung - darunter der Bruder des Königs, Sebastian, der Königssohn Ferdinand und Prosperos verhasster Bruder – auf der entlegenen Insel strandete.

Die Parallelen zu „Der Wächter der Winde“ sind also unübersehbar und wurden von Plaschka stimmig für ein neues Publikum aufbereitet. Aus Prospero wird Ross Perrault (nicht zu verwechseln mit dem US-Unternehmer und Politiker Ross Perot), aus Miranda wird kurz Mira, Ferdinand = Fernando und Sebastian kommt als Bastian, Sohn von Alexander King, unter. Lediglich der Geist Ariel und Caliban, Ziehsohn von Prospero/Ross, behalten ihre ursprünglichen Namen. Angereichert mit einigen modernen Elementen und frischen Ideen, ergibt sich so eine nette Anlehnung an das ursprüngliche Werk, die zwar mit reichlich Verweisen aufwarten kann, aber auch mit Schwächen zu kämpfen hat…

Open-World-Kammerspiel

Wiederspricht sich irgendwie, nicht wahr? Mag sein, kommt einer treffenden Beschreibung von „Der Wächter der Winde“ aber sehr nahe. Oliver Plaschka liefert eine tolle Beschreibung der imposanten Welt unter dem Winde. Er schildert die fast unberührte Natur dermaßen genau, dass man meint, die frische Luft spüren, das Wasser rauschen und das grüne Gras riechen zu können. So weit, so gut… nur hätte ich mir gewünscht, mehr von dieser Welt zu erleben. In den einzelnen Kapiteln wird die Handlung abwechselnd aus der Sicht der verschiedenen Charaktere gezeigt, ohne aber in die Ich-Perspektive zu wechseln. Dabei befinden wir uns zwar meist an unterschiedlichen Orten (sofern die Akteure sich getrennt, oder noch nicht zusammengefunden haben), treten dort aber meist auf der Stelle. Der Handlungsradius erscheint so arg limitiert und eingegrenzt. Fast wie ein Open-World-Game, das uns grenzenlose Begehbarkeit und unendliche Weitsicht vorgaukelt, dann aber unserer „Freiheit“ mit einer unsichtbaren Mauer an der nächsten Pixel-Hecke schnell den Wind aus den Segeln nimmt.

Auch ist das Voranschreiten der Geschichte etwas unausgewogen geraten. So mancher Handlungsstrang wird zu lange außer Acht gelassen, sodass man in den jeweiligen Part nach längerer Unterbrechung nur schwer wieder einsteigen kann. Die unterschiedlichen Charaktere, die zum Teil eine gemeinsame Vergangenheit haben, hätten deutlich mehr Konfliktpotential zu bieten gehabt, als dass dies ausgeschöpft wurde. Gerade das hätte der Story noch den nötigen Drive geben können, um sie speziell im Mittelteil etwas knackiger und auch spannender zu gestalten. Auf manche Charaktere, speziell Stephanie und Rince, hätte ich gänzlich verzichten können, da ihr Erzählstrang das Ganze nicht wirklich voranbringt und eher ausbremst.

Im letzten Drittel hat mich „Der Wächter der Winde“ aber doch noch gut gepackt und die Auflösung ist toll durchdacht… und vor allem mitreißend geschrieben. Dieses Tempo hätte ich mir durchgängig gewünscht, da Plaschka hier zu Höchstform aufzulaufen scheint.

Fazit:

Unterm Strich bleibt ein tolles Worldbuilding von Oliver Plaschka, interessante Charaktere, die ihr Konflikt-Potential nur bedingt ausspielen, einige Längen und eine unrunde Erzählweise, gelungene Verweise auf William Shakespeares „Der Sturm“, eine verpasste Chance, die Welt unter dem Winde genauer zu erkunden, und ein Finale, das zufriedenstellt und ordentlich an Tempo zulegt. Gut lesbar und speziell für Fantasy-Freunde einen Blick wert… wenn man denn genug Sitzfleisch hat, um zu erfahren, wo die Reise letztendlich hingeht.

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