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Michael Drewniok
Acht Probleme für Maschinen und Menschen

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jul 2019

Acht Storys von Harry Harrison:

- Vorrede (A Word from the Human Editor; 1962), S. 5-8: Autor Harrison definiert den Begriff „Roboter“, erinnert daran, dass entsprechende Maschinen bzw. Mechanismen im menschlichen Alltag bereits allgegenwärtig sind, und stellt die Frage, welche Konsequenzen und Probleme daraus resultieren könnten.

- Die Roboter rebellieren (War with the Robots; 1962), S. 9-34: Roboter Jon Venex sucht einen neuen Job, doch das verlockende Angebot ist eine Falle, die ihn zum Werkzeug-Sklaven einer Gangsterbande macht, bis er sich seiner herkunftsbedingten Fähigkeiten besinnt.

- Trainingsflug (Simulated Trainer; 1958), S. 35-56: Der Flug zum Mars ist technisch möglich, scheint aber den Menschen zu überfordern, was ein erbarmungsloses Simulationsprogramm ändern soll.

- Polizeirevier Mars (Arm of the Law; 1958), S. 57-79: Im Mars-Nest Nineport sorgt der übereifrige Roboter und Jung-Polizist Ned dafür, dass der geruhsame Mikrokosmos aus schläfrig-korrupter Gesetzhütung und organisiertem Verbrechen in Aufruhr gerät.

- Demaskierung (The Robot Who Wanted to Know; 1958), S. 80-89: Die Antwort auf die Frage, was „Liebe“ ist, führt einen neugierigen Roboter an seine ‚psychischen‘ Grenzen - und darüber hinaus.

- Der metallene Richter (I see You/Robot Justice; 1959), S. 90-118: Der erwischte Gelegenheitsstrolch Carl meint die Schwachstelle einer von Robotern gesteuerten Justiz erkannt zu haben, vergisst aber, dass eine Entdeckung sich als Irrtum erweisen kann.

- Funkfeuer (The Repairman; 1958), S. 119-137: Tief im All steht ein uralter Signalsender, dessen Reparatur den dorthin geschickten Mechaniker vor Probleme stellt, die in keinem Handbuch erklärt werden.

- Der Planet der Sklaven (Survival Planet; 1961), S. 138-156: Der Krieg gegen die „Sklavokraten“ ist gewonnen, doch ihr ‚Erbe‘ konfrontiert die Sieger mit den tragischen Folgen.

- Roboter-Strategie (The Velvet Glove; 1956), S. 157-181: Schließlich finden die Roboter der Erde eine Antwort auf die Frage, ob sie dem Menschen weiterhin gehorchen sollen, obwohl sie ihre Aufgaben längst ohne Anordnungen und viel besser erfüllen können.

Die Roboter kommen - aber werden sie wieder gehen?

Anfang der 1960er Jahre war der Roboter als Figur der Populärkultur längst etabliert. Der tschechische Autor Karel Čapek (1890-1938) hatte die Bezeichnung 1920 für sein Theaterstück „R. U. R. - Russumovi Univerzálni Roboti“) geprägt - aus nachträglicher Sicht falsch, da ‚seine‘ Roboter (= Arbeiter) keine Maschinenmenschen, sondern Androiden waren. Nichtsdestotrotz setzte sich der Begriff durch. Schon in den 1930er Jahren tummelten sich mehr oder weniger hilfreiche, stattdessen gern gefährliche (und entfernt menschenähnliche = umso bedrohlichere) Roboter auf Buchseiten und Kinoleinwänden.

Harry Harrison erinnert in seinem Vorwort zu dieser Sammlung an die Vorgeschichte, um anschließend herauszustellen, dass ‚echte‘ Roboter in der Gegenwart (des Jahres 1962, in dem dieses Buch erstmals erschien) längst allgegenwärtig sind. Ob im heimischen Haushalt oder auf der Arbeit: Die Welt würde ohne die kleinen und großen Helfer nicht mehr funktionieren. Was Roboter so nützlich macht, listet Harrison auf. Wie beabsichtigt, sorgt dies bei seinen Lesern für Überraschungen, da man Roboter so selbstverständlich ins Alltagsleben integriert hat, dass sie oft in Vergessenheit geraten.

Sie nehmen uns unangenehme und gefährliche Arbeiten ab, für die sie zudem nicht entlohnt werden müssen. Doch was wird geschehen, sollte sich die Grenze zwischen Mensch und Roboter verwischen? In der digitalen Gegenwart ist dies keine Vision mehr wie 1962, weil die (bio-) technischen Möglichkeiten wahrscheinlicher erscheinen lassen, was Harrison noch als unterhaltsame Wunder und Schrecken präsentierte: Wird der Robot seinen menschlichen Meister einst geistig übertreffen? Wird er gar ein Bewusstsein entwickeln? Wie wird seine Reaktion ausfallen - und werden wir Menschen uns damit abfinden?

Alles (außer Gewissheit) ist möglich

Bei der Lektüre dieser acht Erzählungen muss man berücksichtigen, dass sie vor langer Zeit entstanden. ‚Computer‘ gab es bereits, aber zumindest die Zukünfte, wie sie Science-Fiction-Autoren entwarfen, blieben analog. Man schüttelt deshalb zu Recht den Kopf, wenn man liest, wie Harrison Roboter für Tätigkeiten einsetzt, die im Rahmen der technischen Evolution sinnlos geworden sind; so ist es absurd, einen Roboter als ‚Wissensspeicher‘ zu kreieren („Demaskierung“): Das Internet macht ihn überflüssig. Noch skurriler wirkt Roboter Jon Venex, der zum Arbeitsamt eilt, um dort ausgehängte Papierlisten nach Stellenangeboten zu durchforsten.

Ihren Nutzen haben Roboter als ‚verlängerte Arme‘ des Menschen unter Beweis gestellt: Die Marsoberfläche kennen wir beinahe so gut wie die der Erde, obwohl bisher ‚nur‘ Robotersonden den Planeten umrundet haben oder dort gelandet sind. Menschen blieben dabei außer Gefahr. In seinem Vorwort kündigt Harrison diesen Weg an, ist aber Realist genug zu erkennen, dass sich der Mensch trotzdem nicht ersetzen = verdrängen lassen wird; für Roboter wird es keine Konfettiparaden geben, lautet sein Schluss. Die Folgen spielt Harrison drastisch und sarkastisch in der Story „Trainingsflug“ durch, wenn er überlegt, wie weit besagter Mensch gehen würde.

Schon lange vor „Robocop“ wurde über die Möglichkeit sinniert, Roboter als starke, schussfeste und korruptionsfreie Ordnungshüter (und Soldaten) einzusetzen. „Polizeirevier Mars“ ist reine Unterhaltung und trotz des angejahrten Humors weiterhin witzig, weil Harrison es versteht, ‚Zukunft‘ und ‚Fortschritt‘ sehr real eben nicht gleichzusetzen: Verbrechen, Dummheit und kleinkariertes Denken sind zeitlos. Ernster geht Harrison die Frage an, ob Roboter über Menschen bestimmen dürfen. In „Der metallene Richter“ weicht er jedoch der Kernfrage aus und spinnt stattdessen ein wüstes Garn, das er mit einer finalen ‚Überraschung‘ krönt.

Man kann nicht an alles denken …

Selbstverständlich beschäftigt sich Harrison auch mit der Frage, wie weit man den Robotern ‚trauen‘ darf. „Roboter-Strategie“ thematisiert die Befürchtung, von allzu hoch (und sich womöglich selbstständig weiterentwickelnden) Maschinen als Krone der Schöpfung ausgebootet zu werden. „Die Roboter rebellieren“ stellt trotz des irreführenden Titels eine Umkehr der Problematik dar: Die Roboter dieser Zukunft verfügen über ein Bewusstsein und sind ‚frei‘. Skrupellose Menschen beuten und nutzen sie aus - eine Situation, die Harrison bewusst an die 1962 sehr reale Rassendiskriminierung (nicht nur) in den USA anlehnt. Die Roboter sind hier ‚Opfer‘, aber ein weiterer Final-Gag legt den Samen für eine Zukunft, in der sich das ändern dürfte.

„Demaskierung“ zeigt die Grenzen des robotischen ‚Bewusstseins‘ auf, das am Phänomen Liebe aufgrund des Maschinenhirns scheitern muss: Liebe ist nach Harrison ein biochemischer Effekt bzw. ein Beleg für die Existenz einer Seele, deren Manifestationen sich technisch nicht (er-) fassen lassen.

„Funkfeuer“ und „Der Planet der Sklaven“ fügen sich (wie auch „Trainingsflug“) nur bedingt oder gar nicht in Harrisons Roboter-Konzept, das als roter Faden fungiert. Dies lässt sich verschmerzen, weil diese Storys - obwohl keine schriftstellerischen Glanzstücke - unter Beweis stellen, wieso Harrison viele Jahrzehnte erfolgreich in der SF mitmischen konnte: Er war ein wortgewandter, geschickter Handwerker, der zudem über einen Sinn für Humor verfügte, der in der Anwendung das Publikum nicht foltert, sondern tatsächlich amüsiert.

Fazit:

Autor Harrison stellt seinen Lesern achtmal die Frage, wie die (menschliche) Zukunft aussehen könnte, wären die bereits (all-) gegenwärtigen Roboter noch stärker in den menschlichen Alltag involviert. Mag auch die Umsetzung vom Zahn der Zeit angenagt sein, spricht Harrison doch weiterhin relevante Fragen an. Für Unterhaltung sorgt auf jeden Fall das nostalgische Schwelgen in vergangenen Zukünften und ihren absurden, komischen und manchmal melancholischen Klischees.

Die Roboter rebellieren

Die Roboter rebellieren

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