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Michael Drewniok
Musik, hinter der (womöglich) der Teufel steckt

Buch-Rezension von Michael Drewniok Aug 2019

Als sich der talentierte, aber notorisch erfolglose Rockmusiker Billy Moon das Leben nehmen will, hält ihn der ebenso charismatische wie mysteriöse und allseits gefürchtete Produzent Trevor Rail zurück. Er sieht das Potenzial in dem jungen Mann und will ihn fördern. Der Preis ist hoch: Billy muss sich von seiner Familie, seiner Lebensgefährtin,  seiner Band, und seinen Freunden lossagen. Rail beansprucht ihn buchstäblich mit Haut und Haar für sich.

Billy bekommt, was er begehrte. Er wird ein Star, ist reich und berühmt - aber nicht glücklich. Rail sitzt ihm im Nacken, steuert ihn und seine Musik. Als Billy aufbegehrt, sein zweites Album mit eigenen Stücken jedoch erfolglos ist, bleibt ihm keine Wahl, als sich wieder in Rails Hände zu begeben. Der Produzent mietet die einsam in den Catskill-Bergen des US-Staates New York gelegenen Echo Lake Studios. Hier soll Billy fern jeder Ablenkung an einem neuen Album arbeiten, hier hat ihn Rail völlig unter Kontrolle.

Schon seit längerer Zeit stellt sich Billy die Frage, ob er seine Seele womöglich dem Teufel verkauft hat, der als Trevor Rail auftritt. Seine mentale Labilität steigert sich, als Billy feststellt, dass es im Studio - und hier in einer ehemaligen Kirche - umgeht. Der junge Tontechniker Jake Campbell, mit dem sich Billy anfreundet, macht ähnliche Erfahrungen. Er kennt die Legende von Olivia Heron, die vor langer Zeit nahe der alten Kirche als Hexe gehängt und verbrannt wurde. Seither wird sie immer wieder dort gesehen, wo sie so grausam zu Tode kam.

Ist Olivias Geist Rails Dienerin, die ihn zusätzlich piesacken soll? Der zunehmend paranoide Billy steigert sich in diese Vorstellung hinein, während er Nachforschungen anstellt. Sie führen ihn tief in den Wald und an einen Tümpel, aus dessen Tiefe ein Wesen emporsteigt, das durchaus bereit ist, Billy in seiner Rache zu helfen. Eile ist geboten, denn Rail hegt eigene Mordpläne. Außerdem bleibt fraglich, ob Billy seinem übernatürlichen ‚Freund‘ trauen kann …

„Music was my first love …“

“… and it will be my last”: Während John Miles 1976 mit der gleichnamigen Ballade in erster Linie Schmalz verbreitete, ist es anderen, die musizieren oder sich mit der Musik beschäftigen, bitterernst mit dieser Aussage. Hinzu kommt, dass Musik keineswegs immer als hehre Kunst bzw. harmlose Unterhaltung gehört, sondern von selbsternannten Tugendwächtern mit Misstrauen gehört und ‚gedeutet‘ wurde. Dies geschah keineswegs erst, als Hardrock-Musiker angeblich satanische Botschaften in ihren Songs versteckten, sondern war schon früher ein Schreckgespenst schmalspurhirniger Kritik-Fundamentalisten; so galt der ebenso talentierte wie exzentrische Niccolò Paganini (1782-1840) abergläubischen/dummen und neidischen Zeitgenossen als „Teufelsgeiger“.

Natürlich erlebten genannte Fundamentalisten einen Dauerorgasmus, sobald das Motto „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“ scheinbar allgegenwärtig mit Leben gefüllt wurde. Douglas Wynne ist keineswegs der erste Autor, der die ‚satanische‘ Herkunft vor allem harter Rockmusik als Realität voraussetzt, um daraus ein spannendes Gruselgarn zu spinnen. Bevor er Weltruhm als Schöpfer der Vorlage zum TV-Sensationserfolg „Game of Thrones“ erlangte, schrieb George R. R. Martin den Mystery-Thriller „The Armageddon Rag“ (1983; dt. „Armageddon Rock“). Stephen Kings Sohn Joe Hill publizierte 2007 „Heart-Shaped Box“ (dt. „Blind“); dies sind nur zwei Beispiele für ‚leichten‘ musikalischen Horror, während Thomas Mann den Plot 1947 mit „Dr. Faustus“ für die Hochliteratur umsetzte.

Grundsätzlich geht es darum, dass ein begabter, aber erfolgloser Komponist oder Musiker vom Teufel besucht wird, der ihn mit der Aussicht auf künstlerische Kreativität, Ruhm und Reichtum lockt, wofür er sich mit der Seele des der Versuchung erliegenden Künstlers bezahlen lässt. Anschließend folgt die versprochene Karriere, die für nicht das Glück des Erfolgreichen sorgt. Zudem trauert der übernatürlich gepushte Star  seiner Seele nach, weshalb es irgendwann zum Kampf mit dem Versucher kommt, der sein Opfer natürlich nicht freigeben will.

Als Musik noch Handarbeit war

Auf diese Weise = vorlagenkonform charakterisiert Autor Douglas Wynne das Verhältnis zwischen Trevor Rail - dem Teufel - und Billy Moon, seinem Opfer. In einem separaten Handlungsstrang schildert er, wie Moon seinem Mephisto ins Netz ging und zumindest im übertragenen Sinn ausgesaugt wird, weil Rail ihn nicht nur instrumentalisiert, sondern in sein Geschöpf verwandeln und schließlich vernichten will. Lange lässt Wynne offen, ob Rail tatsächlich der Teufel ist, für den ihn Moon hält. Bis zur Auflösung streut der Verfasser Hinweise, die diese Vermutung einerseits unterstreichen, während sie andererseits die Zweifel über Moons geistige Verfassung verstärken.

So ist es von Wynne beabsichtigt, der gleichzeitig eine zweite übernatürliche Bühne öffnet: In den Echo Lake Studios spukt es tatsächlich. Wiederum vergeht viel Zeit, bis der Autor sich dahingehend festlegt, ob Rail dahintersteckt. Die Zusammenführung der beiden Handlungsstränge ist nicht optimal gelungen. Womöglich lässt Wynne die Katze zu früh aus dem Sack. Das Finale ist zwar konventionell, aber durchaus spannend, während der Weg dorthin manche unnötige Kurve schlägt.

Wynne kennt das Musikgeschäft, hinter dessen Kulissen er selbst tätig war. Seine Geschichte verlegt er nicht grundlos zurück in das Jahr 1998, das für ihn in der Endzeit der klassischen Musikproduktion liegt. Produzenten und Labels standen ‚ihren‘ Künstlern nicht unbedingt unterstützend zur Seite, sondern bestimmten die Musik und das Bild in der Öffentlichkeit, wobei ihnen eine beinahe allmächtige, ähnlich dominante Musikpresse zur Seite stand. Die Ära endete, als die Musik digital und damit zu einem Gut wurde, dessen Eigentumsrechte sich nicht länger monopolisieren ließen. Wynne deutet den Umbruch immer wieder an, blendet ihn aber für diese Geschichte aus, die besser in der ‚alten‘ Musik-Welt funktioniert.

Überraschung für den Teufel

Der Autor zeichnet das nur vorgeblich simple „Musikmachen“ als harten, von Inspiration und Transpiration gleichermaßen geprägten Prozess - und als Geschäft. Der Kunst bleiben nur Nischen, aus denen sie sich hin und wieder bemerkbar machen kann. Diese Passagen sind stimmig und spannend, werden vom kundigen Wynne jedoch so intensiv formuliert, dass sie die eigentliche Story vom Kampf zwischen Faust und Mephisto - in den sich eine dritte Macht einschaltet - oft ins Abseits drängen. Der Verfasser nimmt den Begriff „Hintergrundwissen“ allzu wörtlich.

Wer sich da in die Wälder der nordöstlichen USA verirrt hat, soll an dieser Stelle spoilerfrei und ungenannt bleiben. Allerdings kann der Rezensent nicht verhehlen, dass die ‚Erklärung‘ fußlahm wirkt. Überhaupt löst sich das große Rätsel ohne Raffinesse auf. Die Idee ist tauglich, die Umsetzung eher schwach, nachdem Wynne ihr eine außerordentlich aufwändige Handlung vorausschickte, die das Finale zu erschlagen droht.

Trotz solcher Einschränkungen erzählt Douglas Wynne eine solide Gruselgeschichte. Die deutsche Übersetzung markiert einen der zuletzt raren Glanzpunkte des Festa-Programms, das mehr und mehr zur Vertriebsstätte pseudo-provokativer Blut-&-Sperma-Sudeleien bzw. „Kopfschuss-für-Terrormullahs“-Metzelthriller mutiert - dies auch deshalb, weil Titel wie „Der Teufel von Echo Lake“ = (leidlich) niveau- und stimmungsvolle Phantastik offenbar kein (buchkaufwilliges) Publikum mehr locken können.

Fazit:

Die bewährte Geschichte vom bitter bereuten Pakt mit dem Teufel spielt hier im Rockmusik-Milieu und erfährt (etwas ungelenk) eine unerwartete Wende. Der Autor sorgt für Längen, indem er sein Fachwissen ein wenig zu ausführlich ausbreitet. Nichtsdestotrotz entsteht eine stimmungsvolle Geistergeschichte, die ohne Dumm-Dumm-Splatter auskommt.

Der Teufel von Echo Lake

Der Teufel von Echo Lake

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