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Marcel Scharrenbroich
Ofelia und der Wolf

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Aug 2019

Es geht auch andersrum

Dass erfolgreiche Romane aller Genre regelmäßig fürs Kino oder als TV-Filme adaptiert werden, ist keine Seltenheit. Hollywood bedient sich gerne und reichlich an den gedruckten Vorlagen, die vornehmlich die Bestseller-Listen oder auch die Abteilung „Weltliteratur“ füllen, um im Idealfall ein neues Milliarden-Franchise an den Start zu bringen, welches Jahr für Jahr einen neuen filmischen Ableger in die Welt spuckt. Manchmal hat man sogar das Gefühl, dass ein bestimmter Roman schon mit diesem Hintergedanken geschrieben wurde. Nicht selten geht dieses Konzept auf, wie „Harry Potter“, „Die Tribute von Panem“, „Maze Runner“, „Die Chroniken von Narnia“, „Twilight“, „Fifty Shades of Peitschmichdurch“ oder natürlich „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ mit jeweils mindestens drei Teilen bewiesen haben. Selbstverständlich darf man auch bei erfolgreichen Literatur-Vorlagen keinen Selbstläufer erwarten, denn dass die funkelnden Dollar-Zeichen in den Augen der Studiobosse schnell mal hämisch grinsenden, kleinen Scheißhaufen weichen, zeigen Produktionen wie „Mortal Engines: Krieg der Städte“ (konnte bei einem geschätzten Budget von 100 Millionen $ weltweit noch nicht einmal seine Kosten wieder einspielen), „Chroniken der Unterwelt – City of Bones“ (nach den enttäuschenden ersten Teil erfolgte eine Neuinterpretation unter dem Namen „Shadowhunters“… als TV-Serie), die „Die Bestimmung“-Reihe (welche mit ihrem ersten Ableger noch erfolgreich gestartet ist, aber nach und nach Zuschauer verlor, was dazu führte, dass die Roman-Trilogie bisher unvollendet blieb. Es existieren zwar drei Filme, von denen der dritte aber nur die Hälfte des finalen Buches erzählt. Ein geplanter Abschluss als TV-Film, sowie eine angedachte TV-Serie liegen derzeit auf Eis.) und „Der Goldene Kompass“ (erster Teil der „His Dark Materials“-Trilogie, die zwar erfolgreich in den weltweiten Kinos lief, in den USA aber floppte, weswegen auch hier jahrelange Eiszeit herrschte. Ende 2019 geht „His Dark Materials“ als Ko-Produktion von der BBC und HBO als hochkaratig besetzte und effektgeladene TV-Serie auf Sendung.).

Den umgekehrten Fall, also den „Roman zum Film“, gibt es ebenfalls sehr häufig im Bücherregal zu finden. Viele Schriftsteller haben sich darauf spezialisiert, diese Stoffe nachzuerzählen, können aber den bereits bestehenden Geschichten in den seltensten Fällen neue Aspekte abgewinnen, beziehungsweise einen Mehrwert zum adaptierten Film liefern. Dass es nun rund 13 Jahre gedauert hat, bis Guillermo del Toros düsteres Fantasy-Märchen „Pans Labyrinth“ (deutscher Kinostart: 22. Februar 2007) diese Ehre zuteilwird, ist da schon eine Überraschung. In der Regel erfolgt eine Buch-Veröffentlichung zeitnah zu Kinostart, um den Hype auszunutzen und nicht, wenn kein Hahn mehr danach kräht. Dass zudem nicht Schreiber XY für die Roman-Umsetzung verantwortlich war, sondern mit Cornelia Funke sich eine namhafte Schriftstellerin des Stoffes annahm, machte dann noch neugieriger. Der Klappentext verrät, dass folgende Erzählung „Inspiriert von Guillermo del Toros grandiosem oscarprämierten Meisterwerk „Pans Labyrinth“…“ wurde, was mich nach den ersten Seiten eher stutzig machte, da ich dort eine fast 1:1 Umsetzung von del Toros Film vorfand… aber da lag ich im Nachhinein gesehen falsch…

Drei Aufgaben

Die junge Ofelia ist gemeinsam mit ihrer schwangeren Mutter auf dem Weg zu ihrem neuen „Vater“: dem größten Dreckschwein, das man sich nur vorstellen kann…

Es herrschen raue Zeiten und wir schreiben das Jahr 1944. Wir befinden uns im Norden Spaniens. Der Bürgerkrieg ist vorüber, aber der Zweite Weltkrieg ist noch in vollem Gange. In einer alten, verlassen Mühle hat Capitán Ernesto Vidal mit seinen Männern sein Hauptquartier aufgeschlagen. Von hier aus bekämpfen sie eine Truppe von Partisanen, die sich in den nahegelegenen Bergregionen aufhalten. Vidal, der „Wolf“, macht seinem Beinamen alle Ehre und ist als gnadenlos und grausam verschrien, was sich in seiner Anwesenheit aber niemand offen zu äußern wagt. Diesen Mann ehelichte Carmen, Ofelias Mutter, sehr zum Missfallen ihrer Tochter, die noch immer den schmerzlichen Verlust ihres leiblichen Vaters, einem Schneider, betrauert. Trotz der schwierig verlaufenden Schwangerschaft, nimmt Carmen die Strapazen der langen Reise auf sich, um dem „Wunsch“ des Capitáns nachzukommen. Dieser möchte die werdende Mutter seines Kindes in der Nähe wissen, damit der einzig männliche Vidal-Nachkomme in sicherer Obhut das Licht der Welt erblickt und seinen Namen stolz weiterführt. Nur auf das verhasste Anhängsel namens Ofelia könnte der Hauptmann gut und gerne verzichten.

Schon auf der Fahrt zur Mühle macht Ofelia die Bekanntschaft eines mysteriösen, kleinen Wesens, welches einer Fee aus einem von Ofelias Märchenbüchern ähnelt. Diese Fee folgt dem Mädchen auch bis zu ihrer neuen, unfreiwilligen Heimat und führt sie eines Nachts durch ein steinernes Labyrinth, das in seiner Mitte über eine Wendeltreppe ins Unterirdische führt. Dort erblickt Ofelia zum ersten Mal eine mystische Skulptur, die vor ihren Augen zum Leben erwacht. Der Faun, als der er sich seinem jungen Gast vorstellt, sieht in dem Mädchen die Wiedergeburt der Prinzessin Moanna, die einst ihr unterirdisches Königreich verließ, um die Oberwelt zu erkunden. Sie kehrte niemals dorthin zurück. Der Faun erklärt, dass die Prinzessin sich wohl zu lange unter den Menschen aufgehalten hat und deswegen ihre Herkunft vergaß. Seine Feen suchen seit ewigen Zeiten nach Moanna, um sie ins Königreich zurückzuführen und dieses in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Um zu beweisen, dass es sich bei Ofelia tatsächlich um die verschollene Prinzessin Moanna handelt, soll sie drei Prüfungen absolvieren. Diese sind nicht einfach zu bestehen, doch das mutige Mädchen willigt ein, will sie doch der Hölle auf Erden, und somit dem verachtungswürdigen „Wolf“, ein für alle Mal entfliehen. Ofelia nimmt ein großes Buch von dem Faun entgegen, welches sie mit ihren Aufgaben vertraut machen soll. Während sich der Zustand ihrer Mutter zusehends verschlechtert, die Partisanen-Angriffe näherkommen und Vidals blutrünstiges Handeln keine Grenzen mehr zu kennen scheint, begibt sich Ofelia in Lebensgefahr…

Aufgabe 4: Schreiben Sie ein Buch, das besser ist als die filmische Vorlage

Und… BESTANDEN! Gilt der Film „Pans Labyrinth“ (Originaltitel: „El laberinto del fauno“) allgemeinhin als Meisterwerk, welches seinen mexikanischen Regisseur und Drehbuchautor Guillermo del Toro nach seinen Filmen „Mimic - Angriff der Killerinsekten“, „The Devil’s Backbone“, „Blade II“ und „Hellboy“ endgültig in Hollywoods A-Liga katapultierte, kann die Roman-Umsetzung von Cornelia Funke, die das Buch in Englisch verfasste, um besser mit dem ursprünglichen Ideengeber zusammenarbeiten zu können, der Film-Vorlage nicht nur auf Augenhöhe entgegentreten. Sie übertrifft sie sogar noch. Ein wichtiger Punkt ist dabei natürlich die eigene Vorstellungskraft, die sich am besten entfalten kann, wenn man nicht die Bilder aus „Pans Labyrinth“ vor dem geistigen Auge abspielt. Funkes lebendiger Schreibstil erschafft nämlich seine ganz eigenen Bilder. Und das, obwohl del Toros Ursprungsgeschichte in allen wichtigen Punkten sehr genau nacherzählt wird.

Cornelia Funke unterbricht die kurzen Kapitel aber immer wieder, um eigene Erzählungen einzustreuen, die die Geschichte um märchenhafte Episoden ergänzt. Diese kleinen, phantastischen Ausflüge werden jeweils durch stimmige Illustrationen von Allen Williams begleitet, was den Märchen-Charakter nur noch unterstreicht.

Obwohl Cornelia Funke bereits für ihre zahlreichen und mehrfach ausgezeichneten Jugendbücher („Die wilden Hühner“, die „Tintenwelt“-Trilogie, „Herr der Diebe“, „Reckless“) bekannt ist, ist es ihr hoch anzurechnen, wie gut sie sich in diesem „Neuland“ geschlagen hat. „Das Labyrinth des Fauns“ ist ein Märchen, ja. Was aber nicht bedeutet, dass die Geschichte ein strahlendes Happy End voraussetzt und alle glücklich und von Vogelzwitschern begleitet in den Sonnenuntergang tänzeln. Beileibe nicht. An Grausamkeiten, Folter und Mord wird nicht gespart, was im Buch die Grenzen zwischen Gut und Böse, Menschlich und Unmenschlich, Wahrheit und Fiktion noch klarer absteckt, als es der Film tut. Sind diese im Film noch fließend, beziehungsweise vom Zuschauer interpretierbar, schlägt sich Funke mehr und mehr auf die Phantastik-Seite, was man aber nicht negativ auslegen sollte. Anderes Medium, andere Sichtweise, andere Regeln.

Guillermo del Toro tat gut daran, Cornelia Funke höchstpersönlich für die Umsetzung auszuwählen, da er bereits Fan ihrer Arbeit war und die Schriftstellerin ihrerseits nachhaltig begeistert von „Pans Labyrinth“ zurückblieb, was man dem liebevoll und höchstdramatisch geschriebenen Werk „Das Labyrinth des Fauns“ auf jeder der 318 Seiten anmerken kann.

Das i-Tüpfelchen ist die tolle Gestaltung des gebundenen Buches aus dem S. Fischer Verlag. Ist das atmosphärische Cover-Motiv noch mit Silberschrift und geprägten Spotlack-Applikationen versehen, fällt der Blick nach Entfernen des Umschlages auf ein gezeichnetes Motiv, welches Ofelia und den Faun in inniger Umarmung zeigt.

Fazit:

Nachdem ich „Das Labyrinth des Fauns“ zum Anlass genommen habe, „Pans Labyrinth“ erneut zu sichten, bin ich für mich zu der abschließenden Meinung gekommen, dass Cornelia Funkes Roman mir mehr zu geben hatte, als Guillermo del Toros Film. Vielleicht ist es aber erst die Kombination aus beiden Medien, die die Geschichte zu einem komplett runden Erlebnis verschmelzen lässt.

Das Labyrinth des Fauns

Das Labyrinth des Fauns

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