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Michael Drewniok
Rückkehr in eine radioaktiv verseuchte ‚Heimat‘

Buch-Rezension von Michael Drewniok Sep 2019

Im Jahre 2399 lebt die Menschheit auf der Venus. Ein restriktives Regime sorgt dafür, dass die einst durch „künstliche Amnesie“ gelöschte Erinnerung an die alte Heimat unbekannt bleibt: Vor genau 400 Jahren flüchteten Kolonisten von der Erde, auf der gerade ein dritter und dieses Mal endgültiger Atomkrieg wütete. Nie wieder soll der Mensch die Atomkraft wiederentdecken, weil dies womöglich zur Folge hätte, dass sie erneut für den Krieg missbraucht wird. Deshalb ist auf der Venus auch die Raumfahrt verboten - sie könnte die Lüge aufdecken, die nur das herrschende Triumvirat kennt und hütet.

Allerdings regt sich Widerstand. Wissbegierige Systemkritiker sehnen sich danach, durch die ewige Wolkendecke der Venus zu den Sternen vorzudringen. Mike Woolf und sein Freund Kerry Maxwell gehören zu ihnen. Woolf weiß von verbotenen Büchern irgendwo im Keller der Bibliothek, in der er arbeitet. Als er sie findet, stiehlt und liest, enthüllt sich ihm die wahre Geschichte der Menschheit.

Mike und der ins Vertrauen gezogene Kerry lernen den Wissenschaftler Rennig kennen, der ihnen sein Geheimnis anvertraut: Seit Jahren baut er an einem Raumschiff, das bald startklar ist! Natürlich wollen die Freunde mitfliegen. Das Unternehmen droht aufzufliegen, als Mike bei einem neuerlichen Bücherdiebstahl erwischt, eingesperrt und zum Tode verurteilt wird. Kerry und Rennig können ihn befreien. Anschließend startet das Trio die Rakete. Der Kurs steht fest: Zur Erde soll es gehen! Allerdings muss Mike feststellen, dass Kerry dort als Eroberer auftreten will, während er vor allem wissen möchte, ob es Menschen gibt, die den Atomkrieg überlebt haben.

Das Raumschiff landet auf einem Planeten, der sich nur langsam von den Zerstörungen erholt. Tatsächlich gibt es noch Menschen, doch sie stellen nicht mehr die Krone der Schöpfung dar. Wer an ihre Stelle getreten ist, stellt sich den Neuankömmlingen rasch und lebensbedrohlich in den Weg …

Im Schatten der Bombe

Hiroshima und Nagasaki hatten der Welt 1945 gezeigt, welche Urgewalt die Atombombe entfesselte. Die USA sahen sie als Garanten des Friedens, da sich die „Roten“ - China und vor allem die UdSSR - vor ihr fürchten und den „freien Westen“ lieber nicht angreifen sollten. Freilich dauerte es nur wenige Jahre, bis die „Commies“ gleichzogen. Als sie ebenfalls über die Atom- und dann über die Wasserstoffbombe verfügten, pendelte sich ein labiles „Gleichgewicht des Schreckens“ ein: Wenn du mich angreifst, bleibt mir immer noch die Zeit, meine Atomraketen zu zünden; anschließend sind wir alle tot.

Das Konzept funktionierte, besaß jedoch gravierende Schwachstellen. Tatsächlich hätten banale Zufälle mehrfach beinahe den Dritten Weltkrieg ausgelöst. Den Menschen war die permanente Gefahr durchaus bewusst. Die daraus resultierende Furcht schlug sich auch im kulturellen Alltag nieder. Fiktiv spielten u. a. Schriftsteller durch, was geschehen könnte, sollte der „kalte“ Krieg „heiß“ werden. Es entstand ein eigenes Genre, das freilich in den Fußstapfen bewährter Vorbilder wandelte: Die Bombe wurde bewährten Schreckgestalten wie dem Werwolf oder dem Frankenstein-Monster an die Seite gestellt, wo es sich problemlos behauptete und unterhaltsamen Grusel verbreitete, der gern (und verkaufsförderlich) als ‚Mahnung‘ verbrämt wurde.

Bryan Berry sprang auf diesen Zug auf. Er gehörte zum Heer jener Schreiberlinge, die Masse vor Klasse stellten, d. h. für wenig Geld schrieben und deshalb möglichst viele beschriebene Seiten produzieren mussten, um finanziell einigermaßen über die Runden zu kommen. „Return to Earth“ bzw. „Der dritte Planet“ ist das typische Ergebnis dieser Praxis. Der Kurzroman erschien bei Hamilton & Co., ein Verlag, der seine Leser viele Jahre mit britischem Phantastik-Trash versorgte.

Wenig Science, groteske Fiktion

Hier war dieses Garn gut aufgehoben! Liest man „Der dritte Planet“ viele Jahrzehnte nach seinem Erscheinen liest, kommt man nicht umhin zu erkennen, dass ‚alte‘ Science Fiction nicht identisch mit ‚guter‘ SF ist. Nur wenige Fachleute, die sich in der Geschichte des Genres auskennen, wissen noch, wer Bryan Berry war: ein überaus fleißiger Autor, der ausschließlich Triviales produzierte, das gelesen bzw. ‚verbraucht‘, dann entsorgt und vergessen wurde.

Diese Unkenntnis entzieht den SF-Freunden keine Juwelen, nach denen sie nun graben sollten; dieses Bild wird mit Bedacht gewählt, da die deutsche Ausgabe nicht gerade einfach zu fassen ist. „Der dritte Planet“ erschien in der eher obskuren Reihe der „Utopia-Großbände, die zwischen 1954 und 1963 in 204 Ausgaben erschienen. Der Pabel-Verlag zeigte keine Berührungsängste, wenn es darum ging, auch schauerlich schlechter SF eine Chance zu geben (um es positiv auszudrücken).

Bryan Berry gehört nicht zu den wirklich miesen Tastenquälern seiner Zeit. Dennoch ist es erforderlich, die Lektüre von „Der dritte Planet“ mit hellwachem Sinn für absurde Phantastik anzugehen. Dazu gehört das Vergnügen an offensichtlicher Unkenntnis oder Ignoranz jener naturwissenschaftlichen Fakten, die für die SF angeblich elementar sind. Also ist es auf Berrys Venus - einem wahren Höllenplaneten mit giftiger, säurehaltiger Atmosphäre, mörderischem Luftdruck und einer Durchschnittstemperatur im höheren dreistelligen Bereich - zwar neblig, aber die flüchtende Menschheit konnte sich dort problemlos niederlassen, denn die Luft lässt sich atmen, und das Klima ist zumindest regional erträglich.

Alles andere als Musketiere

Die Figuren sind in ihrer Flachzeichnung faktisch TV-serientauglich. Berry sorgt für klar umrissene Charaktere. Da haben wir den Idealisten (Mike Woolf), den der reine Wissenshunger ins All treibt; später wird er zum Mentor der irdischen Restmenschheit. Den Gegenpol bildet Kerry Maxwell, Saufbold, Großmaul und Feigling, der sich zum Möchtegern-Eroberer aufschwingt und den Erdenfrauen nachstellt. Zwischen den beiden steht Rennig, scheinbar ein faktennüchterner Wissenschaftler, bis er sich mit seinen Zukunftsplänen für die Erde als wahrer Dr. Mengele entpuppt und zum eigentlichen Schurken mutiert.

Auch inhaltlich bleibt Berry bei bewährten Klischees, die er immerhin schwungvoll präsentiert. Die Schilderung der Venus-Gesellschaft ist vage bzw. beschränkt sich auf die für das Geschehen erforderlichen ‚Fakten‘. Mit „Science“ verschont Berry sein Publikum: Die Technik des Raumschiffs ist nach Rennigs Aussage „zu kompliziert“, um näher erläutert zu werden. Nichtsdestotrotz konnte es in Heimarbeit gebastelt werden und funktioniert auch ohne Pläne, Tests oder Kenntnisse über das Weltall tadellos.

Auf der Erde geht erst recht simpel zu. Freilich gibt Berry der zeitgenössischen Atombombennot erkennbar breiten Raum. Das realoffiziell propagierte „Gleichgewicht des Schreckens“ konnte nicht funktionieren - und Berry nimmt sich die Zeit, dies glaubhaft zu begründen. Seine Version des ‚Überlebens‘ unterscheidet sich stark von den verlogenen Prognosen atomwaffenstapelnder Regierungen, nach denen sich ein Atomkrieg überstehen ließ, wenn man sich im rechten Moment duckte oder im Garten einen Bunker aushob. Schwer erträglich ist dem gegenüber die brutale Sicht auf radioaktiv verseuchte Mutanten, die ebenso hässlich wie bösartig sind und deshalb ohne Reue (oder Nachdenken) ausgerottet werden dürfen: Hier reckt der triviale Zeitgeist sein hässliches Haupt.

Fazit:

Während die Handlung primär „Post-Doomsday“-Klischees wiederkäut, die Figuren ausschließlich Handlungsschablonen bleiben und manche Wendung bzw. Wertung heute nur schwer (oder gar nicht) erträglich ist, fasst der Autor dieses vergessenen SF-Romans zeitgenössische Zweifel an einer von Atomwaffen ‚gestützten‘ Weltpolitik zusammen; ansonsten ist die nostalgische Freude am wahrhaftig Trivialen lektürenotwendig.

Der dritte Planet

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