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Michael Drewniok
Vergebliche Flucht vor allgegenwärtiger Apokalypse

Buch-Rezension von Michael Drewniok Sep 2019

David Arlen ist auf der Flucht. Mit ihm im Wagen sitzt Tochter Ellie, 8 Jahre ‚alt‘ und Objekt der Begierde einer US-Regierungsbehörde, die in höchster Not glaubt elementare Menschenrechte ignorieren zu dürfen bzw. müssen: Schon vor Monaten hat sich die Katastrophe angekündigt. Der „Wandernde Wahnsinn“, eine mysteriöse Seuche befällt ihre Opfer, die sich zusehend irrational verhalten, nicht selten gefährlich werden und schließlich sterben.

Zu den wenigen Menschen, die gegen die Krankheit immun sind, gehörte Kathy Arlen, Davids Ehefrau und Ellies Mutter. In ihrem Blut musste sich ein Impfstoff verbergen; so glaubte und hoffte jedenfalls eine regierungseigene Forschergruppe, die Kathy zum medizinischen Versuchskaninchen erklärte. Die immer rigoroser werdenden Bemühungen, dem Geheimnis ihrer Immunität auf die Spur zu kommen, hat Kathy nicht überlebt.

Das Interesse der Wissenschaftler richtete sich umgehend auf Ellie, die ebenfalls die Krankheit nicht fürchten muss. Da David zu Recht fürchtete, dass seine Tochter das Schicksal der Mutter teilen würde, machte er sich mit ihr davon und hofft, irgendwo in den USA so lange unterzutauchen, bis man ihn und Ellie nicht mehr verfolgt.

Die Chancen stehen gar nicht schlecht, denn die US-Gesellschaft bricht zusammen. Ganze Städte und Landstriche werden evakuiert oder aufgegeben. Das Misstrauen wächst, zumal Nationalgarde und Militär zusehends offensiver und brutaler vorgehen. Die Lunte des Pulverfasses brennt, und sie ist kurz. David und Ellie durchqueren ein Land im Ausnahmezustand. Gesetz und Moral schwinden, während Angst und Gewalt regieren. Die Fahrt konfrontiert Vater und Tochter mit den Folgen. Irgendwann steht auch David vor der Entscheidung zu kapitulieren oder zu kämpfen - und schließlich erwischt die Krankheit auch ihn …

Blues statt Kakophonie

Wieder einmal geht die Welt unter. Die Menschheit stirbt - nicht mit einem Knall, sondern mit einem Wimmern. Eine Pandemie erfasst u. a. Nordamerika und sorgt nicht nur für Opferzahlen im achtstelligen Bereich, sondern auch für den Zusammenbruch sämtlicher Organisationsstrukturen, deren Vertreter der Katastrophe einerseits hilflos gegenüberstehen, während sie andererseits immer rücksichtsloser vorgehen, um zu retten, was faktisch längst verloren ist.

Einschlägige Schilderungen sind der Stoff für unzählige Trivial-Romane (oder Filme), denn chaotisches Gewusel, in dem sich einzelne Gutmenschen zu behaupten versuchen, garantiert innovationsarmes, aber spannendes Geschehen. Da es meist gegen Zombies oder ähnliche = nur (noch) entfernt menschenähnliche Gegner geht, dürfen diese unter Einsatz sämtlicher Waffengattungen attackiert, in Stücke geschnetzelt und ausgetilgt werden, ohne dass die Zensur allzu früh einschreitet.

„Nachtparade“ bietet zwar das bekannte Setting, folgt den gerade skizzierten Vorgaben nicht gar zu penetrant. Die Hauptfiguren sind keine Schmiede ihres Schicksals und oft Opfer. Während um sie herum nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Welt auseinanderfällt, will zumindest David eine Nische finden, in der er und seine Tochter die Katastrophe aussitzen bzw. einfach überleben können.

Keine Chance gegen wilde Entschlossenheit

Um die Dramatik der Handlung zu erhöhen, stellt Autor Malfi Personen in den Mittelpunkt, die für die Anforderungen einer Krise dieses Ausmaßes denkbar schlecht gerüstet sind. Ellie ist ein Kind, David ein Dozent, dessen denkbar friedliche Existenz bisher höchstens durch Hypotheken oder lehrunwillige Studenten in Frage gestellt wurde. So ist er von Anfang an überfordert und handelt planlos, was zu einer Kette stetig verhängnisvollerer Zwischenfälle führt.

Gewahrt bleiben typische Klischees: Da David ein Vater ist, mutiert er ungeachtet seiner Schwächen zur Kampfmaschine, sobald Ellie bedroht wird. Feuerwaffen sind in den USA bekanntlich allgegenwärtig, und ihre Bedienung ist simpel, wie David rasch herausfindet bzw. herausfinden muss, denn wie in beinahe jedem Post-Doomsday-Thriller ist der Zerfall der Zivilisation identisch mit dem augenblicklichen Aufstieg religiöser Mord-Spinner und schwerbewaffneter Warlords, die umgehend Sekten bzw. Banden formieren, um über weniger unternehmungslustigen Mitmenschen herzufallen oder sie unter ihre Fundamentalisten-Knute zu zwingen.

Auch Malfi mag auf dieses Szenario nicht verzichten. Allerdings gibt es kaum Alternativen: Jede Apokalypse verliert automatisch ihre gruselige Anziehungskraft, sobald wir Leser (oder Zuschauer) vertraut mit den Untoten, Mutanten oder Unholden sind, die sie hervorbringt. Diese sind in ihrem Verhalten recht limitiert, weshalb sich die Erzähler entsprechender Geschichten auf die Menschen konzentrieren. Sie müssen sich gesellschaftlich neu strukturieren - und dies im Schatten der Bedrohung, aber ohne deren permanente Präsenz, da bekanntlich niemand so talentiert ist wie der Mensch selbst, wenn es gilt, die Hölle auf Erden zu entfesseln: Die daraus resultierenden Probleme füllen u. a. die Sendezeiten dreier „Walking-Dead“-Serien.

Der Mensch ist schwach/schlecht/menschlich

Malfi gibt sich große Mühe, seine Figuren klischeefern zu halten. David weckt als ebenso verzweifelter wie entschlossener Vater Verständnis, ist aber kein sympathischer Zeitgenosse. Ausgerechnet seine Tochter führt ihm mehrfach vor Augen, dass er vor allem als Egoist handelt, wenn er sie, die gegen die Krankheit immun ist, für sich beansprucht, weil er den Tod seiner Frau = das Ende seiner Familie nicht verkraftet. Nach und nach enthüllt Malfi in Rückblicken, was vor Antritt jener Flucht geschah, mit der die Handlung unvermittelt einsetzt. Es wird deutlich, dass Davids Erinnerung an Kathys Ende nicht objektiv, sondern von Trauer, Wut und den ersten Symptomen der Seuche geprägt ist.

Ellie gerät dem Verfasser ein wenig zu altklug, obwohl sie sich buchstäblich zum Wunderkind mausert, das schließlich die (mögliche) Zukunft der Menschheit in die Händchen nimmt. Während der Flucht übernimmt sie die Rolle des Lesers, der (oder die) wissen möchte, was eigentlich vorgeht, indem sie den Vater mit Fragen löchert, die dieser nicht beantworten kann oder mag, weil er innerlich zu aufgewühlt ist - ein Verhalten, die nicht wie vom Verfasser für Mitgefühl sorgt, sondern Verdruss hervorruft, weil Malfi es David übertreiben lässt.

Die Menschen, denen Vater und Tochter während der Flucht begegnen, fallen auch dann in bekannte Typenkategorien, wenn sie nicht zu den weiter oben erwähnten Untergangspropheten und Survivalmeuchlern zählen. Malfi reitet jedoch nie zu lange auf entsprechenden Szenen herum, sodass man sie verkraftet. Außerdem ist er zwar in der Darstellung ‚normaler‘ (US-) Bürger nicht so versiert wie beispielsweise Stephen King, vermag aber durchaus Menschen so zu schildern, dass sie nicht zu Karikaturen verkommen.

Wie man sich denken kann, endet die Odyssee tragisch; dies ist kein Spoiler, da früh feststeht, dass David tatsächlich infiziert ist. Ein Happy-end wäre angesichts des elegischen Tonfalls ohnehin kontraproduktiv. So kommt es (ein wenig anders), wie es kommen muss, obwohl Malfi zumindest ein Hintertürchen offenlässt - nicht für eine Fortsetzung, sondern für Davids ‚Heimkehr‘.

Fazit:

Die Flucht durch ein Land im Zusammenbruch konfrontiert einen Vater und seine Tochter mit den in diesem Zusammenhang (= aus themengleichen Geschichten, Filmen und TV-Serien) bekannten Schrecken, die dem Menschen als eigentlicher Quelle entspringen. Obwohl die Story inhaltlich nichts Neues bietet, gewinnt sie durch einen Stil, der emotional, aber selten sentimental ist, während auf Splatter verzichtet wird bzw. verzichtet werden kann.

Nachtparade

Nachtparade

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