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Michael Drewniok
Böse Überraschungen für überforderte Pechvögel

Buch-Rezension von Michael Drewniok Nov 2019

Fünf Gruselgeschichten mit ironischem (bzw. zynischem) Unterton:

- Die Ghule (The Ghouls), S. 7-34: Da immer mehr Bürger keine Lust mehr haben, gehorsam und unterbezahlt vor ihrer Regierung und den Großkonzernen zu kuschen, beginnt man sie gegen Arbeitskräfte auszutauschen, denen solche Regungen - und Gefühle überhaupt - gänzlich fremd sind.

- Etwas kommt vom Garten rein (Something Comes in from the Garden), S. 35-62: Die Miete ist niedrig, denn im Haus soll es spuken. Leider bemerken die Bewohner zu spät, dass nicht der berüchtigte Geist gefährlich ist, sondern sein angebliches Opfer.

- Heiliger Abend (Christmas Eve), S. 63-76: In dieser Nacht leistet ein hilfsbereiter junger Mann nicht dem Messias, sondern einem zwar ebenfalls überirdischen, aber ganz und gar nicht himmlischen Wesen Geburtshilfe.

- Die winselnde Waise von Battersea (The Wailing Waif of Battersea), S. 77-119: Allzu selbstbewusst versucht der parapsychologisch kundige Francis St. Clair ein Spukhaus zu ‚reinigen‘, doch dort lauern mehr Bewohner ‚von drüben‘, als er erwartet hatte - und sie wollen weder ihn noch seine Assistentin wieder gehen lassen.

- Der Holstein-Horror (The Holstein Horror), S. 120-145: Um seine zahlungskräftigen Kunden zu beeindrucken, präsentiert ihnen Möchtegern-Spiritist „Louis de Rohan“ (alias Arthur Watkins) gern ‚magische‘ Objekte, die er auf dem Trödelmarkt erwirbt. Der Zufall will es, dass seine letzte Erwerbung es dämonisch in sich hat, was den unseligen Käufer dramatisch überfordert.

Unwissenheit schützt keineswegs vor (tödlicher) Strafe

Die Bevölkerung der Geisterwelt unterscheidet zwei Gruppen. Da sind zum einen jene, die den Tod durch einen Unfall, einen Fluch oder ein Verbrechen fanden. Ihre Lebensfäden wurden abrupt gekappt, weshalb diese Seelen nicht den vorgesehenen Kurs ins Jenseits einschlagen konnten. Stattdessen bleiben sie an den Ort ihres Verderbens gebunden und sind gezwungen, den Tod regelmäßig - meist um 0 Uhr nachts, dem Beginn der offiziellen Geisterstunde - zu ‚erleben‘, wobei sie nicht unbedingt gewollt Angst und Schrecken unter den Lebenden verbreiten, die solches übernatürliches Treiben weder begreifen können noch billigen wollen.

Daneben gibt es die Geister derer, die völlig zu Recht zwischen Leben und Tod kleben, weil sie zu Lebzeiten Schreckliches getan haben, womit sie die Mächtigen über den Wolken verärgerten bzw. in den feurigen Tiefen der Erde erfreuten, worauf hohe Spuk-Strafen stehen. Da vorzeitige Erlösung nicht vorgesehen ist und es für sie sowieso nicht mehr schlimmer kommen kann, sind die solchermaßen betroffenen Geister noch übler gelaunt als zu ihrem Menschentagen sowie bemüht, Frust und Zorn an Pechvögeln auszulassen, die ihnen in die Quere kommen.

Ronald Chetwynd-Hayes favorisiert die zweite Gruppe, weshalb es in den hier vorgestellten Geschichten trotz des oft leichten, manchmal sogar frivolen Untertons ziemlich gewalttätig zugeht. Das betrifft keineswegs nur jene Zeitgenossen, die sich freiwillig mit bösen Geistern einlassen, weil sie sich ihnen gewachsen fühlen und (finanziellen) Nutzen aus ihrer Unterwerfung oder Austreibung ziehen wollen. Für Chetwynd-Hayes gilt, dass Unwissenheit keineswegs vor Strafe schützt. So hat sich der arme Mr. Goldsmith rein gar nichts zuschulden kommen lassen, wird aber trotzdem ins Totenreich verschleppt („Die Ghule“). Noch übler trifft es den hilfsbereiten, aber naiven Familienvorstand in „Etwas kommt vom Garten rein“: Der Gegner weiß sich nicht nur zu tarnen, sondern hat sein böses Spiel in vielen toten Jahrzehnten perfektioniert.

Wer sich mit dem Teufel an einen Tisch setzt …

… sollte einen möglichst langen Löffel benutzen. So lautet ein altes Sprichwort, das natürlich von denen ignoriert wird, die das Jenseits als potenzielle Goldgrube betrachten. Dessen Bewohner kennen diese menschliche Charakterschwäche, was sie trotz allerlei Bannflüche dazu befähigt, gar zu freche Ausbeuter aus dem Diesseits zu packen. Die Folgen sind schrecklich („Die winselnde Waise von Battersea“, „Der Holstein-Horror“), wobei sich das Mitleid mit den Betroffenen freilich in Grenzen hält: Chetwynd-Hayes scheint es darauf anzulegen, primär höchstens bedingt sympathischen Zeitgenossen eine „Horror-Zeit“ zu bescheren.

Das schließt die eigentlich hilfreichen Exorzisten Francis und Fred ein. Sie geraten zwar in Lebensgefahr, können aber nicht auf das Mitleid der Leser rechnen: Chetwynd-Hayes war jederzeit bereit, die Glaubwürdigkeit einer Horrorstory dem ‚Überraschungseffekt‘ zu opfern. Der Begriff wird hier in Anführungsstriche gesetzt, weil dieser Schuss nicht selten nach hinten losging. Als diese Erzählungen vor Jahrzehnten entstanden, mögen die von Chetwynd-Hayes bemühten (Final-) Scherze frischer und wirksam gewesen sein. Heute sind sie schal und lau, wie unfreiwillig vor allem „Der Holstein-Horror“ belegt.

„Heiliger Abend“ präsentiert vorgeblich einen Plot, der frei von bösen Geistern ist. Stattdessen scheint Chetwynd-Hayes - der auch Science-Fiction-Storys schrieb - das ‚Übernatürliche‘ dieses Mal als Nische zu beschreiben, die der Wissenschaft bisher verschlossen blieb. Wer sich in der Phantastik auskennt, erinnert sich allerdings sofort an H. P. Lovecraft (1890-1937), der immer wieder ‚normale‘ Erdmenschen schilderte, die schaurig feststellen mussten, dass ihr Stammbaum in gänzlich planetenfremder Erde wurzelte. Lovecraft war der bessere Autor, auch wenn Chetwynd-Hayes dieses Mal jeglichen Ulk unterlässt. Dass er gleichzeitig eine Anspielung auf die christliche Weihnachtsgeschichte versucht, ist ein weiterer Minuspunkt = gehört zu jenen Aha!-Effekten, deren Wirkung sich erledigt hat, weil sie (und das Gesamtwerk des Verfassers) kräftig unter den Zahn der Zeit geraten sind.

Anmerkung

Die Phantastik wurde in Sachen Originaltreue hierzulande lange sehr rüde misshandelt. Vor allem die Seitennormierung sorgte dafür, dass Texte notfalls ‚passend gemacht‘ = gekürzt wurden. Storys kamen meist glimpflicher davon; überschritt die Vorlagen-Zahl die vorgesehene Seitenzahl - die für ein „Vampir-Taschenbuch“ bei 146 Seiten lag -, wurde nicht direkt gekürzt. Stattdessen entfielen Erzählungen gänzlich.

In unserem Fall fehlen diese Storys:

- The Ghost Who Limped

- The Man Who Stayed Behind

- Building Site Manuscript

- Danger In Numbers

- No Need For Words

Zumindest die ersten drei Titel dieser traurigen Liste tauchten im später veröffentlichten Sammelband „6 x Panische Nächte“ (Vampir-TB 57) auf.

Fazit:

Fünf Storys des fleißigen Autors Ronald Chetwynd-Hayes belegen erzählerisches Talent, zeigen aber auch Grenzen auf. Nie originell und vordergründig (und in den ‚witzigen‘ Passagen heute oft hölzern), aber lebhaft bedient sich der Autor einschlägiger Genre-Plots bzw. Klischees, um sie einerseits zu bedienen und andererseits gegen den Strich zu bürsten: weiterhin leidlich unterhaltsames Grusel-Futter.

Horror-Zeit

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