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Michael Drewniok
Gefangen in Amerikas (tückischem) Herzland

Buch-Rezension von Michael Drewniok Nov 2019

Mit dem Kollegen Stallings wird Secret-Service-Agent Ethan Burke in die Kleinstadt Wayward Pines geschickt, die abgelegen und von hohen Bergen umgeben im Hinterland des US-Staates Idaho liegt. Dort sind zwei Agenten verschwunden. Burke und Stallings sollen sie suchen sowie herausfinden, was geschehen ist. Vor allem Burke ist eifrig, denn Agentin Kate Hewson war einst seine Geliebte; beinahe wäre Burkes Ehe an dieser Liaison gescheitert.

Die beiden Beamten erreichen zwar das Städtchen, werden aber in ihrem Dienstwagen von einem Lastwagen angefahren. Stallings stirbt, während Burke verletzt am Unfallort erwacht - ohne Brieftasche, Ausweis und Handy. Er irrt durch die Straßen, bricht zusammen und landet im örtlichen Krankenhaus. Dort stellt der erfahrene Agent schnell fest, dass man ihn hinhält. Seine Papiere tauchen nicht mehr auf, man lässt ihn weder seine Dienststelle noch Gattin Theresa anrufen.

Burke verlässt heimlich das Krankenhaus, um eigene Nachforschungen anzustellen. Wayward Pines wirkt wie eine Kulisse. Die Bürger sprechen nicht über die Außenwelt. Als Burke ein Auto stiehlt, kommt er nicht weit: Die Straße führt immer wieder nach Wayward Pines zurück. In einem verlassenen Haus findet er die grausig zugerichtete Leiche des verschwundenen Agenten Bill Evans. Kate lebt noch, aber sie ist um Jahrzehnte gealtert, weigert sich dies aufzuklären und rät Burke, sich in sein Schicksal als neuer Bürger von Wayward Pines zu fügen.

Der sträubt sich - und verstößt damit gegen die elementare Regel dieser seltsamen Gemeinschaft. Wer nicht spurt, wird von den Einwohnern gejagt und buchstäblich in Stücke gerissen. Auch Burke soll dieses Schicksal erleiden. Der gelungenen Flucht folgt die Erkenntnis: Wayward Pines ist nicht nur ein gefährlicher, sondern auch ein gefährdeter Ort, wobei die Wahrheit Burke stärker schockiert als die bisherige Ungewissheit …

Rätsel, Spannung, Lösung - aus!

Was soll das jetzt noch, womit die Neuveröffentlichung der „Wayward-Pines“-Trilogie gemeint ist? Die auf diesen Romanen basierende TV-Serie ist 2015/16 in 20 Episoden gelaufen. Vor allem die zweite Staffel war so erfolglos, dass besagte Serie eingestellt wurde und ohne Abschluss blieb. Wer sich für „Wayward Pines“ interessiert, kennt die Auflösung des Rätsels, vor das sich Agent Burke gestellt sieht. Da der Aha!-Effekt sich ohnehin in Grenzen hielt, ist eigentlich nicht damit zu rechnen, dass die Trilogie - die 2013/14 erstmals hierzulande erschien - auf ein neugieriges Publikum stößt, denn die Qualität lässt zu wünschen übrig.

Dabei stößt Autor Blake Crouch tüchtig ins Horn, wenn er in einem Nachwort von klassischen Mystery-Serien schwärmt, in deren Zentrum eine US-amerikanische Kleinstadt steht, deren vorgebliche Bewahrung ‚alter Werte‘ eine düstere Wahrheit enthüllt, die nach und nach aufgedeckt wird. Mehrfach nennt Crouch „Twin Peaks“; für diese Serie schrieb der noch jugendliche Blake sogar eine Fan-Fiction-Fortsetzung. Allerdings legt er mit diesem Vergleich selbst die Messlatte so hoch, dass es peinlich ist, wie deutlich er sie mit „Wayward Pines“ reißt.

Crouch ist ein eher fleißiger als talentierter Schriftsteller. Dies belegt sein betont simpler, handlungsbetonter Stil. Entlarvender ist die Eindimensionalität des Plots. Eine gewisse Grundspannung bleibt gewährleistet, solange wir das Geheimnis von Wayward Pines nicht kennen. Dies resultiert weniger aus dem Geschick des Verfassers, der kein Rätsel schildert, sondern uns mit einer Serie seltsamer Ereignisse konfrontiert, die man jedoch erklärt sehen möchte, so hölzern dies auch präsentiert werden mag.

Subtilität ist doch nur Schwäche!

Faktisch bedient sich Crouch ausschließlich bekannten Stil- und Spannungsmethoden, wobei er inhaltlich primär aus TV-Serie saugt. Doch Wayward Pines bleibt eine denkbar uninteressante Gemeinde. Was dort geschieht, wirkt zu bekannt. Crouch schafft es nicht eine eigene Geschichte oder nur eine eigene Stimme zu entwickeln. Viele Seiten fügt er wie gesagt Seltsamkeit an Seltsamkeit, um irgendwann - das Buchende naht - eine Erklärung eher vom Zaun zu brechen.

An dieser Stelle soll verschwiegen werden, worauf das Ganze hinausläuft; womöglich gibt es ja Leser, die sich angesprochen fühlen oder ihre ‚Spannungsliteratur‘ gut abgehangen und nicht gar zu aufregend mögen. An der Durchschnittlichkeit des Erzählten ändern die regelmäßig eingesprengten Splatter-Szenen nichts. Köpfe mögen platzen oder Bäuche aufgeschlitzt werden, doch spannender wird das Geschehen dadurch nicht.

Dazu passen monoton-flache Figurenzeichnungen, die Agent Burke ausdrücklich einschließen. Er ist kein Mensch, sondern ein Bündel zum Teil hirnerweichender Klischees, die ihn nicht zum ‚guten Kerl‘ = Ehemann, Vater, Patriot, Held aufwerten, sondern seine Stereotypien im Denken und Handeln unfreiwillig unterstreichen. (Siehe da: Burke ist auch ein im Iran gefangener und gefolterter Muster-Soldat, der sein Land trotz erlittener Qualen nie verraten hat.) „Psychose“ schildert vielhundertseitig den Versuch, Burke aufwändig und umständlich „zu brechen“, um ihn ins Wayward-Gefüge einzupassen. Das gelingt nie, wird aber unverdrossen fortgesetzt - und spielt keinerlei Rolle mehr, sobald Burke herausgefunden hat, was tatsächlich läuft.

Das Warten auf die (Er-) Lösung

Er kommt, steckt neugierig seine Nase überall hinein und muss flüchten, während ihm die Meute entfesselter „Wayward-Pine“-Bürger auf den Fersen ist: Auf diese Weise füllt Autor Crouch viele Seiten. Er hat Zeit, denn schließlich ist „Psychose“ nur der erste Teil einer Trilogie, weshalb er Mysterien und Verwicklungen für die Fortsetzungen in petto halten muss. Die Leser sind weniger duldsam. Trotz der geradlinigen Darstellung wirkt die Story wie Leim. „Wayward Pines“ bietet keinen Plot für eine Trilogie. Das Ende mag ‚offen‘ sein, doch erfahrene (bzw. erfahrungsgebeutelte) Leser wissen, was folgen wird: die sacht ereignismodulierte Variation des Bekannten.

Als die Katze aus dem Sack ist, verflacht die Story endgültig zur beliebigen TV-Mystery. Die Weichen sind gestellt. Es gibt einen Bösewicht, der sowohl wahnsinnig als auch genial sowie notorisch misstrauisch im Hintergrund tückt, während vor den Toren der belagerten Stadt das enttarnte Böse lauert. Die Handlung wird sich auf Streitigkeiten und Intrigen unter den Bürgern von Wayward Pines konzentrieren. Auch das kennen wir aus TV-Serien, die - siehe „Under the Dome“ oder „The Walking Dead“ - spannend starteten, um immer mehr in uninteressanten internen Konflikten und Schwafeleien zu versacken: Wozu führt man Monster ein, wenn man nicht sie ins Zentrum der Ereignisse stellt?

Die Hoffnung auf eine Geschichte mit Substanz ist schon nach wenigen Buchseiten gestorben. Was bleibt, könnte problemlos und zum Nutzen der Story zusammengedampft und mit den übrigen beiden Bänden verschmolzen werden. Stattdessen schlägt Crouch weiterhin kräftig Schaum, obwohl er die „Wayward-Pines“-Kuh schon mit „Psychose“ leergemolken hat.

Fazit:

Das zäh in die Länge gezogene, eigentlich simple Mystery-Geschehen wird ohne Sinn für echten „suspense“, sondern unter Nutzung einschlägiger Genre- und TV-Klischees weniger erzählt, sondern den Lesern vor die Füße geworfen. Eindimensionale Figuren mimen gefühlsduselig Emotionen. Als der Autor blank zieht und das zentrale Geheimnis enthüllt, bleibt echte Überraschung peinlich aus: Dies ist erst der Auftakt; es folgen zwei weitere Bände, auf man nicht (mehr) neugierig ist.

Psychose: Ein Wayward-Pines-Thriller 1

Psychose: Ein Wayward-Pines-Thriller 1

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