Das neunte Haus

Erschienen: Februar 2020

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Lisa Reim-Benke
In Yale wird gehext und gemordet

Buch-Rezension von Lisa Reim-Benke Mär 2020

Von Skull and Bones hat wohl jeder schon mal etwas gehört. Die berühmte Studentenverbindung der Yale University in den USA hat schon einige Staatsmänner und einflussreiche Persönlichkeiten hervorgebracht, wobei die genauen Machenschaften und Traditionen dieser Gruppe im Verborgenen bleiben. Viele Mythen ranken sich um die Verbindung, weshalb sie schon des Öfteren Vorlage für literarische Stoffe war. Kein Wunder, dass sich Bestseller-Autorin Leigh Bardugo, selbst Yale-Absolventin, die Verbindung vorknöpft und ihre ganz eigene Version von dem unergründlichen Treiben der Organisation entwirft.

Neben Skull an Bones gibt es noch 6 weitere Verbindungen in Yale, „Häuser“ genannt, deren Clubhäuser bezeichnenderweise „Grüfte“ genannt werden. In Bardugos Geschichte haben diese Häuser eines gemeinsam: Sie widmen sich dem Okkulten, alter Magie und gefährlichen Riten. Jedes Haus verfolgt dabei seine ganz eigene Lehre, von Eingeweidenschau über Portalmagie bis hin zu Elementarmagie. Selbstverständlich darf nicht jeder Mitglied eines dieser mächtigen Häuser werden. Umso überraschter ist Alex Stern, dass sie von nun an Teil des neunten Hauses „Lethe“ sein soll, ein Haus, das sich dem Überwachen der magischen Aktivitäten der anderen verschrieben hat. Alex passt mit ihrer Drogenvergangenheit, ihren ärmlichen Verhältnissen und ihrem Schulabbruch jedoch so gar nicht in das Schema der Vorzeige-Mitglieder. Das findet auch Darlington, Alex’ Mentor. Doch Alex besitzt eine ganz besondere Gabe: Sie kann Geister sehen, ohne Tränke oder sonstigen Schnickschnack, den die anderen Häuser für die Interaktion mit Geistern benötigen. Als eines Tages eine junge Frau in Yale ermordet wird, liegt es an Alex, die Vorkommnisse aufzuklären. Denn Darlington ist verschwunden – und Alex ist auf sich allein gestellt.

Die faszinierende Welt der Alex Stern

Wo Leigh Bardugo drauf steht, ist Welterfolg drin. Das haben alle Verantwortlichen der Buchbranche verstanden. Es überrascht deshalb wenig, dass auch ihr neuester Streich bereits als Bestseller gehandelt und auch entsprechend in den Läden präsentiert wird. Tatsächlich kann Bardugos Idee, Magie und geheimnisvolle Studentenverbindungen zu kombinieren, überzeugen. Dabei weisen ihre Einfälle eine enorme Komplexität auf; bis zum Schluss kann man immer wieder Neues entdecken und wird überrascht von den Möglichkeiten des Magiesystems. Leicht wird es einem jedoch nicht gemacht, viele Erklärungen finden sich nämlich nicht zu den ganzen Vorkommnissen. Zart besaitet sollte man auch nicht sein, denn schon auf den ersten Seiten darf man einer Wahrsage-Session beiwohnen, bei der ein armes Opfer auf dem Seziertisch detailgetreu auseinandergenommen wird (keine Sorge, es wird wieder zugenäht und kommt zurück ins Krankenhaus).

Auch bei der Protagonistin merkt man Bardugos Gespür für Details. Alex ist eine junge Frau, die aus dem Raster fällt. Sie hat eine schwere Vergangenheit hinter sich und leidet enorm unter ihrer Gabe, denn die Geister verhalten sich oft nicht besonders nett. Nicht auf den Mund gefallen und mit vielen seelischen Verletzungen folgt man dieser charakterstarken Figur gerne durch die Handlung. Ob man sie dabei sympathisch findet oder von ihrer Einstellung und ihrem Verhalten eher abgeschreckt wird, ist eine andere Frage. Interessant bleibt sie trotzdem.

Gehypt und nichts dahinter?

Die Voraussetzungen für den prophezeiten Erfolg sind also gegeben. Doch genau diese werden der Geschichte letztendlich zum Verhängnis. Zu lange wird die Handlung zugunsten der Zurschaustellung magischer Praktiken pausiert, zu häufig wird den Lesern lang und breit Alex’ Vergangenheit präsentiert, obwohl man nach 100 Seiten doch langsam verstanden haben sollte, dass man es mit einer gemarterten Figur zu tun hat. Stattdessen muss man sich durch einen Haufen Rückblenden kämpfen, bevor man endlich mit der Mörder-Suche fortfahren kann. Deshalb hängt auch der Spannungsbogen oft durch, und man fragt sich, ob man gerade eine Charakterstudie inklusive Magie-Almanach liest, oder doch ein Buch mit Handlung. Wer sich von den ganzen Namen, Informationen und Zeitsprüngen nicht überwältigen lässt, wird belohnt: Je weiter man liest, desto spannender wird es.

Fazit:

„Das neunte Haus“ ist ein sehr durchwachsenes Leseerlebnis: Es gibt tolle Ideen mit einer spannenden Protagonistin, die sich jedoch zu oft hartnäckig gegen den Handlungsverlauf stellen.

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