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Michael Drewniok
Zwar unsichtbar, doch keineswegs verschwunden

Buch-Rezension von Michael Drewniok Nov 2019

Als hochrangiger Mitarbeiter des Nachrichtendienstes der US-Marine führt Fregattenkapitän Nicholas Hammond ein zufriedenes Leben. Die gescheiterte Ehe mit der insgeheim noch immer geliebten Jan hat er verdrängt, bis sie sich bei ihm meldet - als verheiratete Frau, was Hammond in seiner Eitelkeit trifft, die bald von beruflichem Interesse verdrängt wird, denn Harold Fletcher, Jans Gatte, erzählt eine ebenso bizarre wie faszinierende Geschichte.

Seit Jahren wird er von Albträumen geplagt, die ihn an Bord der „USS Sturman“ ‚zurückbringen‘, die mit ihrer Besatzung Teil eines unglaublichen Experiments war: Offenbar hat die Marine vor einem Vierteljahrhundert versucht, Objekte und Menschen mit Hilfe magnetischer Strahlung buchstäblich unsichtbar zu machen! Allerdings ging der Versuch schief bzw. endete in einer Katastrophe, die einige Besatzungsmitglieder das Leben kostete und den Rest für immer zeichnete.

Was Hammond zunächst für eine Schauermär hält, interessiert ihn stark genug, um eigene Nachforschungen zu starten. Sie überzeugen ihn bald davon, dass Fletcher kein Spinner ist - im Gegenteil: Offenbar hat das Experiment nicht nur stattgefunden, es wird bis in die Gegenwart fortgesetzt! Die Überlebenden werden überwacht und manipuliert. Geraten sie außer Kontrolle, ‚sterben‘ sie plötzlich; ein Schicksal, das auch Fletcher ereilt.

Hammond will die wahre Geschichte erfahren und gleichzeitig ein Komplott aufdecken: Welche geheime Gruppe kontrolliert die Überlebenden der „Sturman“? Wer ist der mysteriöse „Dr. McCarthy“, der sie seit Jahrzehnten ‚psychologisch‘ betreut? Wie kann er binnen kürzester Zeit stets dort präsent sein, wo ihn seine ‚Patienten‘ benötigen? Warum können diese ihn nicht beschreiben, obwohl sie ihn regelmäßig sehen?

Die Antworten auf diese Fragen enthüllen ein Geschehen, dass die diesbezüglich Eingeweihten unbedingt geheim halten wollen. Sie sind nicht nur bereit, dafür über Leichen zu gehen, sondern verfügen auch über Fähigkeiten, die eine Gegenwehr scheinbar unmöglich machen …

Mythen der ‚Wissenschaft‘

Nachdem das Internet schon mehrere Jahrzehnte den Alltag prägt, fällt es vor allem den jüngeren Zeitgenossen schwer zu glauben, dass Verschwörungsfanatiker u. a. Betrüger bzw. Spinner schon vorher sehr präsent waren, obwohl sie sich analog austauschen und ihren Schwachsinn verspritzen mussten. In gewisser Weise war dies trotzdem einfacher, denn diese ‚Spezialisten‘, die hinter die Kulissen der ‚offiziellen‘ Politik und Weltgeschichten zu blicken glaubten, konnten eine starke Deutungshoheit beanspruchen: Sie allein verfügten über die entsprechenden ‚Beweise‘, was enorm hilfreich war, weil man diese selbst fabrizierte.

In den 1970er Jahren mussten wir Europäer ‚Grenzwissenschaftler‘ wie Erich ‚von‘ Däniken ertragen, während die USA mit Charles Berlitz (1914-2003) geschlagen waren. Der eine faselten von ‚Göttern‘, die einst aus dem All gekommen und die Urmenschen aus ihren Höhlen gelockt hatten, während der andere wesentlich flexibler eine ganze Serie von Schauermärchen kreierte, von denen die vom „Bermuda-Dreieck“ und vom „Roswell-Zwischenfall“ ihm wie erhofft Ruhm und Reichtum bescherte.

Zusammen mit dem ähnlich gepolten William L. Moore ersann Berlitz 1979 eine weitere Spukgeschichte. Demnach hatte die US-Marine in den frühen 1940er Jahren mit einer Tarn-Technologie experimentiert, die nicht nur Schiffe, sondern auch deren Besatzungen unsichtbar machen konnte. Da es zu unerfreulichen Zwischenfällen und Opfern kam, wurde das Projekt begraben, bis angeblich 1955 ein Insider - natürlich stets verfolgt und diffamiert vom Geheimdienst - einschlägige Informationen durchstach: reiner Humbug, für den nie echte, d. h. einer Überprüfung standhaltende Beweise gefunden wurden.

Häng‘ dich rein!

Dazu passt, dass sich Berlitz und Moore für ihr (Mach-) Werk eindeutig aus dem hier vorgestellten Roman bedienten, den das Autorenduo Simpson & Burger im Dezember 1977 veröffentlicht hatten. Da die Welt der notorischen Wissenschafts-Zweifler ein Mikrokosmos der Ringschlüsse ist, wurde aus einem Roman eine ‚Quelle‘, die - von genug im eigenen Skepsis-Sud schmorenden Möchtegern-Forschern zitiert - zum Fakt mutierte.

Man sollte den Roman möglichst unabhängig von diesem einst hysterisch gehypten Unfug so lesen, wie er geschrieben wurde - als clever geplottetes, gut geschriebenes Science-Fiction-Garn, das in der ‚Gegenwart‘ spielt (die inzwischen mehrere Jahrzehnte zurückliegt.) Es wird deutlich, dass Simpson & Burger aus dem Hollywood-Umfeld stammen, wo sie für Film und Fernsehen gearbeitet haben. Sie wissen, wie man eine Geschichte aufbaut, erzählt und zu einem spektakulären Höhepunkt treibt. Dass diese Hightech-Story absolut digitalfrei abläuft, fällt kaum auf, weil die Autoren ihr Garn fest im Griff haben und sich zeitloser Spannungselemente bedienen, die auch heute ihren Zweck erfüllen.

Man verzeiht den Autoren deshalb die Schwächen der zahlreich auftretenden Figuren, die vor allem Klischees verkörpern - dies immerhin so offen und unaufdringlich, dass es den Spaß am turbulenten Geschehen nicht schmälert. (Einziger echter Minus-Punkt ist wie so oft die der Handlung aufgedrückte Love-Story, deren Überflüssigkeit allzu offensichtlich wird.) Auch hier macht sich die Kino-Routine der Autoren bemerkbar: So spricht der Oberschurke selbst an, dass es ‚üblich‘ sei, den Übel-Plan ausführlich zu enthüllen, bevor die zwischenzeitlich gefangenen und angeblich atemlos = in Vertretung der Leser lauschenden Helden über die Klinge springen; ein Vorhaben, das selbstverständlich misslingt, wofür die Autoren sorgen.

Der (inoffizielle) Film zum Buch

1984 schloss sich der Kreis: Phantastik-Guru John Carpenter produzierte den Spielfilm „The Philadelphia Experiment“ (dt. „Das Philadelphia-Experiment“). Das Drehbuch basierte nicht bzw. nur lose auf dem Roman von Simpson & Burger, sondern bediente sich des Märchens von Berlitz & Moore, indem es die Handlung 1943 mit dem verhängnisvollen Tarn-Versuch startet, der zwei Matrosen durch ein Zeitloch in die Gegenwart (des Jahres 1984) befördert. B-Movie-Routinier Steward Raffill inszenierte eher einfallsarm einen auf Schauwerte zentrierten Streifen, dessen Effekte heute dürftig wirken.

Obwohl der Film die Kritiker nur bedingt begeistern konnte, war er einträglich genug, um den Stoff 1993 aufzuwärmen. „Philadelphia Experiment II“ spielt neun Jahre nach dem Erstling und wirft endgültig jegliche Logik über Bord, ohne dabei jenen Trash zu produzieren, der ein entsprechend gepoltes Publikum lockt: Der von Stephen Cornwell in Szene gesetzte Film wurde höchstens für sein völliges Versagen an den Kinokassen bekannt.

Fazit:

Obgleich vor vielen Jahrzehnten entstanden, kann dieser Mystery-Thriller aufgrund seiner routinierten Machart noch heute unterhalten. Das Autoren-Duo will glücklicherweise nur selten mehr, weil entsprechende Ansätze zuverlässig scheitern, sondern treibt vor allem die Handlung voran: Wieder einmal zeigt sich, dass solides Handwerk die Zeit besser überstehen kann als ‚richtige‘ Literatur.

Spurlos verschwunden

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