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Michael Drewniok
"Sense of Wonder" & Triumph der Unlogik

Buch-Rezension von Michael Drewniok Dez 2019

Fünf Abenteuer des Millionen Jahr in die Zukunft gereisten Erdmenschen Professor Jameson:

- Der Jameson-Satellit (The Jameson Satellite; 1931), S. 6-34: Sein Forscherleben verbringt Professor Jameson auf der Suche nach einer Möglichkeit, seinen toten Körper für die Ewigkeit zu konservieren. Seine Leiche kreist um die Erde, wo sie 40 Millionen Jahre später Aliens entdecken - und wiederbeleben.

- Planet unter der Doppelsonne (The Planet of the Double Sun; 1932), S. 35-75: Mit seinen neuen Gefährten (und mit einem neuen Stahlkörper) erforscht Jameson einen Planeten, der in zwei Dimensionen gleichzeitig existiert, wobei die ‚andere‘ Welt bösartige Kreaturen beherbergt, die Verderben und Tod über die Expedition bringen.

- Die Rückkehr der Dreibeiner (The Return of the Tripods; 1932), S. 76-120: Nach Jahrhunderten der Einsamkeit wird der schiffbrüchige Jameson von dreibeinigen Raumfahrern geborgen, die zum ‚doppelten‘ Planeten reisen wollen, um die Kreaturen auszurotten; Jameson gehört zu denen, die sich in die ‚andere‘ Dimension wagen.

- Hinein in die Hydrosphäre (Into the Hydrosphere; 1933), S. 121-182: Professor Jameson besucht einen Wasserplaneten, dessen Bewohner von bösen Invasoren geknechtet werden, und setzt sich an die Spitze einer Revolte, die dem ein Ende machen soll.

- Das Zeitmausoleum (Time‘s Mausoleum, 1933), S. 183-218: Mit einer Zeitmaschine kehrt Professor Jameson ins 20. Jahrhundert zurück, um anschließend den Weg der Menschheit durch die Jahrtausende und schließlich Jahrmillionen zu verfolgen.

- Nachwort (von Hans-Joachim Alpers), S. 219-221

Auch die Reise der SF begann mit einem Schritt

In der Geschichte der Science Fiction stellt 1926 ein wichtiges Datum dar: In diesem Jahr kam mit „Amazing Stories“ das erste ‚richtige‘ SF-Magazin auf den Markt. Es präsentierte Storys, Fortsetzungsromane und ‚Fachartikel‘ und wurde Wegbereiter einer wahren Flut ähnlicher „Pulps“: Diese Magazine waren auf billiges, holzhaltiges Papier gedruckt, was ihre Fans aber nicht abschreckte.

Die „Pulps“ wurden zur Wiege jener SF, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Niederungen hinter sich ließ und sich zur ‚richtigen‘ Literatur entwickelte. Bis es soweit war, tummelten sich jene, die dafür mitverantwortlich waren, in einem Umfeld, das primär von anspruchsloser Abenteuer-SF geprägt war. Die „Science“ war dürftig, die „Fiktion“ schlicht oder gar reine Behauptung. Viele Autoren, die sich in den „Pulps“ einen Namen machten, sind heute vergessen, weil sie inhaltlich und stilistisch den Absprung nicht schafften, als nach dem Krieg die Ära dieser Magazine endete.

Zu denen, die quasi auf der Strecke blieben, gehört Neal R. Jones. Zwischen 1930 und 1951 veröffentlichte er ausschließlich Storys, um schließlich buchstäblich zu verstummen: Er konnte oder wollte sich nicht mit der ‚modernen‘ Science Fiction anfreunden.

Fortschritt ohne Kater = Umweltweltzerstörung

Die Erzählungen um Professor Jameson sind typisch für Jones und für jenen naiven, aber unwiderstehlichen „sense of wonder“, der mit der SF der 1930er Jahre verbunden wird. Kluge Männer - Frauen wurden höchstens gerettet und geheiratet - erfanden in besenkammergroßen Laboren himmelstürmende Hightech, mit denen sie fremde Planeten, Galaxien, Dimensionen bereisten, um dort unglaubliche Abenteuer zu erleben.

Höchstens rudimentär angekränkelt von naturgesetzlichen (= spielverderbenden) Fakten entstanden Garne, die ob ihrer Negierung der Tatsache, dass Fortschritt ein von Versuch und Irrtum geprägter und eher langwieriger Prozess ist, von einer Zeit künden, in der die Menschheit mehrheitlich davon überzeugt war, an der Schwelle naturwissenschaftlich und technisch bedingter Wunder zu stehen. An negative Nebenwirkungen verschwendete man keine Gedanken. Voran sollte es gehen - und das möglichst schnell!

Folgerichtig bastelt Professor Jameson offenbar im Alleingang (und in seinem Gartenschuppen) ein Raumschiff, das freilich eher ein weltraumtaugliches Mausoleum ist. Logik gehörte nicht zwingend zum Darstellungsinventar der „Pulp“-Autoren. Deshalb bleibt ungeklärt, was Jameson dazu treibt, seinen (wohlgemerkt toten) Körper für die Ewigkeit zu konservieren. Dass man ihn 40 Millionen Jahre später wiederbelebt, ist in seiner Planung keineswegs vorgesehen. Nein: Dieser Forscher will einfach tot um die Erde kreisen, bis das Universum untergeht!

Köpfchen im Stahlschädel, Knarre in Tentakelhand

Man wundert sich nicht, dass Jameson seine bizarre ‚Wiederauferstehung‘ mit Fassung nimmt: „Pulp“-Wissenschaftler sind rationale Beobachter und Praktiker, die den profanen Aspekten des Menschenlebens - besonders dem weiblichen - keine Aufmerksamkeit schenken. Jamesons Hirn wird stabil eingedost, und er geht mit seinen ähnlich neugierigen Forscherkollegen vom Planeten Zor auf große Weltraum-Reise.

Sobald Jameson an Bord ist, werden deren Expeditionen offensichtlich schlagartig gefährlicher. Die fast unsterblichen Zoromer rafft es jedenfalls rapide dahin, während sie sich erstaunlich planlos auf potenziell gefährlichen Planeten tummeln. Die schildert Jones mit auch heute beachtlichem Einfallsreichtum, wobei eine in zwei Dimensionen gleichzeitig existierende Welt besonders positiv auffällt.

In diesen Kulissen ereignet sich allerdings eher Einfallsarmes. In der Regel stößt man entweder auf abgrundtief böse Finsterlinge oder auf wehrlos geknechtete Außerirdische (oder auf beide). Die Handlung konzentriert sich darauf, erstere zu bekämpfen und letztere zu befreien. Dabei geht es nicht zimperlich zu; meist können sich die Finsterlinge final glücklich schätzen, nicht gänzlich ausgetilgt worden zu sein. Immerhin bevölkert Jones ‚sein‘ Universum nicht ausschließlich mit „bug-eyed monsters“, sondern auch mit friedlichen Fremdvölkern, denen kein kühner Erdling Mores lehren muss (auch wenn er sich gern und wie selbstverständlich an ihre Spitze setzt, wenn es erforderlich scheint).

Welten, Zeiten, Dimensionen: Zukunft ohne Fesseln

Was ‚erforschen‘ die Zoromer (plus Jameson) eigentlich? Sie geraten immer wieder in brenzlige Situationen, die gewaltsam aufgelöst werden müssen. „Pulp“-SF ist Abenteuer-SF. Obwohl Jones sich nie aus dem Magazin-Umfeld lösten konnte, war er nicht ohne Ehrgeiz. Ihm schwebte die Darstellung einer  Universalgeschichte vor, die der Menschheit in die Zukunft folgte. Damit wurde Jones womöglich zum ersten SF-Autor, der sich an einer „future history“ versuchte, wie sie spätere Schriftsteller - so Isaac Asimov oder Robert A. Heinlein (die sich oft ausdrücklich auf Jones beriefen) - zur Vollendung brachten. Was Jones 1933 im Zeitreise-Garn „Das Zeitmausoleum“ beschrieb, führte er in zahlreichen Storys näher aus.

Dass Jones nicht gänzlich in Vergessenheit versank, verdankte er auch der Bewunderung späterer SF-Autoren, die sich an die Faszination erinnerten, mit der er die Zukunft vor ihren jugendlichen Leseraugen entfalten konnte. Er profitierte davon unter denen zu sein, die das SF-Feld als erste beackerten. Viele nur rudimentär und grob angerissene Ideen wurden Inhalte jenes Baukastens, aus dem sich Genre-Autoren noch heute fleißig bedienen. Während Jones seine Einfälle geradezu inflationär verbriet, walzen seine Nachfahren gern lichtschwächste Geistesblitze zu bandstarken Endlos-Serien aus. Auch wenn sie wendiger mit ihren vielen Worten sind, war Neil R. Jones ihnen in dieser Hinsicht voraus!

Fazit:

Fünf SF-Storys aus der Frühzeit der „Pulp“-Ära zeigen das Genre als Wundertüte technischer und astronomischer Wunder, während ansonsten zeitgenössisch (und natürlich inzwischen politisch unkorrekt) die Faust des Tatmenschen regiert, d. h. ‚böse Mächte‘ schlicht ausgelöscht werden. Stilistisch eher steif, inhaltlich eindimensional, aber in der Beschreibung außerirdisch-exotischer Welten durchaus einfallsreich: SF für beinharte Genre-Nostalgiker.

Professor Jamesons Weltraum-Abenteuer 1: Das Zeitmausoleum

Professor Jamesons Weltraum-Abenteuer 1: Das Zeitmausoleum

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