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Michael Drewniok
Familie mit Problemen (und Monstern)

Buch-Rezension von Michael Drewniok Aug 2020

Vandergriff ist eine Kleinstadt im Norden des US-Bundesstaates Texas. Hier lebt seit den 1970er Jahren Familie Turner. Ursprünglich waren sie zu fünft: Vater Harry, Mutter Margaret und die Kinder Sydney, Eunice und Noah. Das Alltagsleben war stets turbulent, denn Harry folgte konsequent einer seltsamen Vision, was für seine Familie ein Dasein in dauerhafter Finanznot bedeutete: Er (alb-) träumte von einer Stadt, die jenseits von Zeit und Raum existiert und von einer zentralen, menschenfeindlichen Macht beherrscht wird, die ihre Schergen auf die Erde schickt. Dort fangen und verschleppen sie Menschen, die besagter Macht als Sklaven zu Diensten sein müssen.

Bis zu seinem frühen Tod wurde Harry von dieser Vision verfolgt. Quasi als Echo schuf er zwanghaft ein ‚Spukhaus‘, das immer größer wurde und schließlich die Familie ernährte: Margaret entwickelte mit ihren Kindern daraus eine Art ‚Event-Theater‘, in dem Schauspieler, die sich als jenseitige Schreckensgestalten verkleiden, zahlenden Gäste unterhaltsam Angst einjagen.

Die Turners sind keine harmonische Familie. Streit, psychische Störungen und Tragödien prägen ihre Geschichte. Noah kann nach und nach das Geheimnis lüften: Harrys überirdische Stadt und ihre unheimlichen Bewohner sind real. Die Turner-Frauen ahnen ihre Anwesenheit nur, während Noah sie besuchen und sehen kann. Er lernt sogar eines der ‚jenseitigen‘ Wesen kennen: Leannon ist eine Gestaltwandlerin, die für die Stadt ‚arbeitet‘. Die Turners stellen eine besonders lohnende Beute dar. Allerdings verliebt sich Leannon in Noah. Um ihn nicht ausliefern zu müssen, intensiviert sie stattdessen die Verfolgung der Turner-Frauen.

Erst Jahre später begreift Noah, was vor sich geht. Er bricht sowohl mit Leannon als auch mit seiner Familie und versucht ein ‚normales‘ Leben zu führen. Doch die Stadt hat die Turners nicht vergessen. Es kommt der Tag der Entscheidung: Soll Noah sich ihrem Willen beugen oder sich ihr entgegenstellen …?

Kein Monster füllt diese Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung

Klingt diese Geschichte originell? Nicht in den Ohren regelmäßiger Leser phantastischer Literatur; so viel steht fest! Wenig hilfreich ist auch eine verlagsseitige Inhaltsskizze, die ein gänzlich anderes Buch zu beschreiben scheint. Uns schwant bereits nach einigen Lektüreseiten, dass dieser Grusel-Thriller, sich (wie der deutsche Titel es suggeriert) nicht um ein Spukhaus drehen wird. „A Cosmology of Monsters“, so der O-Titel, fasst den Inhalt besser in Wort. Das „Haus der finsteren Träume“ ist nur ein Schauplatz dieser Geschichte, und es ist nicht einmal der wichtigste.

In seinem Roman-Debüt versucht Autor Shaun Hamill ein wahrlich großes Rad zu drehen. „Das Haus …“ soll nicht nur eine spannende Geschichte erzählen, sondern auch eine Interpretation des „lovecraftian horror“ sein, den der Schriftsteller Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) zwar schuf, aber niemals so nannte; dies blieb seinen Epigonen überlassen. Sie konnten jene Früchte ernten, die stets außer Reichweite des erfolglosen Pechvogels und Sonderlings Lovecraft blieben. Er entwickelte das Konzept eines „kosmischen Schreckens“, der außerhalb der Erde entstand und die Menschen eher beiläufig, aber stets mit fürchterlichen Folgen trifft.

Zu Lebzeiten und noch Jahrzehnte später von der Kritik als Kuriosum betrachtet, ist Lovecraft trotz unbestreitbarer literarischer (und menschlicher) Schwächen längst als Großmeister des modernen Horrors erkannt. Unzählige Autoren eifern ihm nach, greifen seine Ideen, sogar seine Figuren auf und schreiben Horror im „Lovecraft-Stil“. Meist entstehen mehr oder weniger gelungene Pastiches, die stumpf auf die Muster der Vorlagen setzen und die Variation scheuen.

Wo steckt hier Lovecraft?

Nur eine Handvoll ehrgeizigerer (und talentierterer) Autoren bemüht sich um eigenständige Interpretationen des „kosmischen“ Horrors. Das ist riskant; wie Shaun Hamill unfreiwillig zeigt, ist die Gefahr des Scheiterns groß. Die ‚dokumentarische‘, betont emotionsfreie Darstellung des Schreckens war Lovecraft wichtig, gilt aber auch als sein Schwachpunkt. Hamill bemüht sich um einen aktualisierten Abgleich und präsentiert uns die Familie Turner, deren Historie in Gefühlen geradezu getränkt ist!

Das hat seine Gründe, wie uns der Verfasser schließlich enthüllt, denn die Turners werden buchstäblich unter Druck gesetzt, um jene Angst zu erzeugen, den eine mysteriöse Kreatur lecker findet. Sie ist wohl irgendwie Teil des Lovecraft-Universums, in dem die Erde nur ein Planet ist, der zum Pech der Menschen von einem besonders fiesen ‚Gott‘ namens Cthulhu bewohnt wird, der zu allem Überfluss oft ähnlich finsteren Besuch aus dem All erhält. Wer aus dieser Schar grässlicher Gestalten die ominöse „Stadt“ beherrscht, um die sich die Ereignisachse dreht, lässt Hamill offen; von Lovecraft übernimmt er (ausgerechnet) die Angewohnheit, genau solche Fragen offenzulassen.

Bis es endlich so weit ist = sich die „Cosmology of Monsters“ endlich enthüllt, haben wir uns durch mehrere hundert Seiten einer Geschichte gequält, die den alltäglichen Überlebenskampf einer dysfunktionalen Durchschnittsfamilie zu beschreibt. Hin und wieder blitzt Übernatürliches auf, doch Hamill geizt allzu sehr mit solchen Andeutungen, zumal die ewige Folge zwischenmenschlicher Konflikte irgendwann langweilt und die Turners keine interessanten Zeitgenossen darstellen. Sympathisch sind sie erst recht nicht, aber das geht in Ordnung, denn wenigstens dafür kann (und will) uns Hamill eine Erklärung bieten. (Dagegen glänzt die angestrebte Lovecraft-Stimmung durch Abwesenheit, auch wenn der Autor die sieben Teile seines Werkes jeweils nach einer berühmten Lovecraft-Story benennt)

Die ‚Kunst‘ der Andeutung

Im letzten Drittel trägt Hamill phantastisch endlich dicker auf. Kurzfristig schöpft man Hoffnung, dass dem ein Finale folgt, in dem der Autor die Handlungsstränge plausibel zusammenführt. Pech gehabt; Hamill kratzt nicht einmal am eigentlichen Mysterium - was (oder wer) ist die Stadt? -, sondern scheut jegliche Konfrontation mit dem entweder Bösen oder Seltsamen. Noah findet stattdessen eine Art Notausgang aus der Turner-Hölle, was Hamill durch diverse tragische Begleiterscheinungen aufwerten will.

Das muss freilich scheitern, weil sich der Autor kurz zuvor selbst ins Knie geschossen hat: Die Seiten 418-426 fassen (in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund, damit man als Leser aufwacht?) zusammen, was der Turners aus Dimension X angetan wurde, um diese Ereignisse anschließend zu erklären - dies so ernüchternd detailliert, dass der Story jegliche Phantastik ausgetrieben wird. Es gibt jenseits albernen Monster-Munkelns keine Ebene wahren Grauens, auf die uns der Autor final führt! Stattdessen folgt höhepunktfrei eine ‚Auflösung‘, die eher eine Fortsetzung androht, in der es - vielleicht - endlich zur Sache gehen wird; keine Vorstellung, die Vorfreude generiert.

Die Literaturkritik liebt jenen Horror, der möglichst geheimnisvoll daherkommt. „Das Haus …“ präsentiert eine Geschichte, die sich mysteriös gibt, aber nicht ist. Schon bevor wir es erkennen, fallen uns die kahlen Stellen des roten Fadens auf. Mit diesem Vorab-Urteil ins Schwarze getroffen zu haben, ist nicht vergnüglich, sondern ärgerlich. Falls uns der Verfasser etwas zwischen den Zeilen sagen wollte, hat er jedenfalls dort versagt, wo noch der alte Stephen King sein Handwerk beherrscht. Kurz gesagt: „Das Haus …“ lässt kalt.

Fazit:

Gut geschriebene, aber inhaltlich unausgegorene Mischung aus Familiendrama und Phantastik. Das eine will sich nicht zur anderen fügen, und zwischen leidlich gelungenen Passagen dominiert Leerlauf-Dramatik. Die Auflösung ist schwach, der behauptete ‚Lovecraft-Horror‘ bleibt Behauptung. Das Thema wurde verfehlt, und die Spannungskurve gleicht einer waagrechten Geraden knapp über Bodenniveau.

Das Haus der finsteren Träume

Das Haus der finsteren Träume

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