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Michael Drewniok
Trubel am Knotenpunkt des Multiversums

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jul 2020

Bei einem Absturz wurde Raumpilot Reid Malenfant 2019 schwer verletzt. Man konservierte seinen Körper; eventuell kann er in ferner Zukunft behandelt werden. Letztlich dauert es Jahrhunderte, bis die Medizin soweit ist: Malenfant erwacht auf der Erde des Jahres 2469 - und ‚geweckt‘ wurde er, weil eine mysteriöse Botschaft diese Gegenwart erreicht und für Unruhe gesorgt hat.

2006 ging Malenfants Ehefrau Emma, die ebenfalls im Weltall tätig war, während einer Mission zum Marsmond Phobos verloren. Ihre Leiche hat man nie gefunden, das Schicksal der Expedition blieb ungeklärt. Nun wurde eine Botschaft aufgefangen, die offensichtlich Emma abgeschickt hat. Über ihre aktuelle Situation weiß sie wenig Konkretes zu berichten, fordert aber Malenfant auf sie zu retten.

Im 25. Jahrhundert hat die Menschheit die Raumfahrt aufgegeben und sich auf die Erde zurückgezogen. Die Zahl der Menschen ist drastisch zurückgegangen, das Leben in Städten wurde aufgegeben. Niemand muss arbeiten, sondern kann sich nach Wunsch selbst verwirklichen - dies freilich nur innerhalb der Erdatmosphäre, wie Malenfant erfahren muss. Er gilt in dieser in sich selbst ruhenden Gesellschaft als Störenfried und Relikt einer überwundenen Vergangenheit.

Denn Malenfant weigert sich ein Leben als ‚echter‘ Erdmensch zu akzeptieren. Nicht nur die Frage nach Emmas Verbleib beschäftigt ihn. Da ist auch der „Zerstörer“, ein noch vor Aufgabe der Weltraumforschung entdeckter Fremdplanet, der im Jahre 3397 die Erde rammen und vernichten wird. Während man sich auf der Erde in dieses Ende mehr oder weniger schickt, denken einige ehemals irdische KIs anders. Malenfant wird reaktiviert: Er kehrt zurück ins All, um Emma und - falls möglich - die Erde zu retten …

Epos um eine epochal verwirrte Zukunft

Stephen Baxter ist ein Phänomen: Unter den modernen SF-Autoren gibt es wenige, die so produktiv sind wie er, ohne dabei ein erfreulich hohes Niveau zu unterschreiten. Natürlich stellte Baxter im Laufe der Jahre einen erzählerischen Baukasten zusammen, auf dessen Inhalt er immer wieder zurückgreift. Faktisch hat er spätestens mit „Evolution“ seine Ideenpalette abgerundet. „Sternenpforte“ zeigt, dass er dem auch in seiner aktuellen Vision nichts (wirklich Neues) hinzuzufügen hat.

Doch Baxter ist ein versierter Handwerker, der seine Karten auf eine Art zu mischen versteht, die seine Leser erneut in den Bann zieht. Das ist von Bedeutung, wenn man sich auf ein Werk einlässt, das (in seiner deutschen Version dank eines großzügigen Druckbilds) mehr als 700 Seiten zählt und doch nur Auftakt einer Trilogie ist, die hoffentlich ein turbulentes Abenteuer bietet, sich aber auch nur in die Länge ziehen kann.

In der Kürze steckt für Baxter jedenfalls keine Würze. Er benötigt die Breite, um zunächst ein stabiles Fundament zu errichten, auf dem er den „story arc“ verankert, der es freilich in sich hat und sich nicht auf ein Universum beschränkt. Dies führt jedoch auch zu ausladenden Nebenhandlungen, die „Sternenpforte“ einerseits ergänzen, während sie andererseits drastisch gekürzt oder entfallen könnten, ohne das zentrale Geschehen zu beeinträchtigen. (Möglicherweise werden die Bände 2 und 3 diese Aussage aushebeln.) Aus diesem kristallisiert sich eine nicht einmal für Baxter neue oder gar originelle Idee heraus, wobei man den Verfasser nicht unterschätzen darf: Wer weiß, was er aus der Idee eines „Portals in 1000 alternative Welten“ machen wird bzw. kann!

Ein Hoch auf handfeste Entdecker!

Bis es soweit ist, stellt uns Baxter überaus ausführlich einen ‚Helden‘ vor, der gleichermaßen interessant wie ambivalent wirken soll. Der regelmäßige SF- bzw. Baxter-Leser glaubt Reid Malenfant sowie Emma Stoney bereits zu kennen, denn beide traten bereits in der „Manifold“-Trilogie auf („Time“; 1999, „Space“; 2000, „Origin“; 2001, dt. „Multiversum“: „Zeit“, „Raum“, „Ursprung“; noch ohne Übersetzung blieb eine Sammlung mit „Manifold“-Kurzgeschichten: „Phase Space; 2003“). Das ist ein Irrtum, denn in „Sternenpforte“ stammen die beiden aus einem anderen Universum und kennen deshalb ihre ‚Ebenbilder‘ (noch?) nicht.

In jenem Universum, in dem ‚unser‘ Malenfant 2469 erwacht, hat sich die Erde aus dem Weltraum zurückgezogen. Die Hinterlassenschaften der Vergangenheit werden von KIs gehütet und gewartet; künstliche Intelligenzen, die sich in die Angelegenheiten der Menschen nicht (mehr) einmischen - eigentlich, denn selbstverständlich gibt es in diesem zukünftigen Paradies eine Schlange: den „Zerstörer“, der die Erde zerstören wird.

Das lässt selbst die KIs nicht kalt, aber trotzdem muss erst ein Tatmensch wie Malenfant auf der Bildfläche erscheinen, um Bewegung in entsprechende (Gegen-) Maßnahmen zu bringen! In der Science Fiction ist die Vergangenheit seit jeher eine Quelle entschlossener Zeitgenossen, die weniger denken, sondern handeln, während die (zukünftige) Gegenwart oft von superschlauen, aber schwachen = ‚degenerierten‘ Schlappschwänzen bevölkert ist, die schon H. G. Wells in „Die Zeitmaschine“ (1895) von Morlocks peinigen ließ, bis der genannte Tatmensch sich an die Spitze stellt und (auch gegen den Willen der derartig Beglückten) mit Schwung (bzw. Gewalt) für eine neue und bessere Ordnung sorgt.

Die Übersicht behalten!

Bewegung kommt ins Geschehen, als man die Erde endlich hinter sich lässt. Auf die abenteuerliche Reise zum Phobos begibt sich eine gleichermaßen unwahrscheinliche wie publikumstaugliche Gruppe, der u. a. ein sarkastischer Android und eine quirlige 17-jährige angehören. Endlich gibt Baxter seiner Fantasie die Sporen, auch wenn es vor Ort kompliziert wird: Auch in anderen Universen hat Phobos das Interesse der Menschen geweckt, sodass diverse Expeditionen dorthin geschickt wurden, die sich mit einem Phänomen konfrontiert sahen, das auf unterschiedliche Weisen gemeistert wurde. (Emma bzw. Emma II übrigens auch da.)

Baxter gibt den Schilderungen der angetroffenen Raumfahrer viel Raum. Die dabei vorgestellten Alternativ-Historien sind eigentlich interessant, aber der Autor geht sehr in die Breite, zumal mehrere Parallel-Universen bald wieder ausgeblendet werden. Durchsetzen kann sich Variante, auf der die Briten ihr Empire nie verloren, sondern es ins All ausgedehnt haben. Baxter ist selbst Brite und nutzt die Gelegenheit zu einer mit Klischees spielenden Darstellung seiner zukünftigen Landsleute, die auch im Weltraum Tee trinken, Pfeife rauchen und jederzeit eine „stiff upper lip“ demonstrieren.

Die Handlung verlässt Phobos und das Sonnensystem und verlagert sich auf den ‚echten‘ neunten Planeten namens Persephone, der weit jenseits des Pluto seine Bahn um die Sonne zieht. Dort trifft man auf weitere Spuren jener Intelligenz, die vor Äonen auf den Planeten des Sonnensystems ‚Leben‘ ausgesät hat; soviel sei an dieser Stelle verraten. Die ‚neue‘ Malenfant-Trilogie trägt den Titel „World Engines“ und wird sich der Rettung der Erde multiversal widmen - was außerdem bedeutet, dass es noch viel, viel komplizierter zugehen wird als bisher!

Fazit:

Der Auftaktband zu einer neuen, Baxter-typisch umfangreichen SF-Trilogie knüpft (irgendwie) an eine ältere, ebenso umfangreiche Baxter-Trilogie an, schlägt aber einen eigenen Weg ein. Das Fundament ist breit, denn hier geht es nicht nur durch Zeit und Raum, sondern auch durch Universen. Vermutlich werden jene Passagen, in denen die Handlung stagniert, nachträglich eine Bedeutung gewinnen. Ansonsten lässt Baxter wie üblich erfolgreich seine Routine spielen, um eine nicht (mehr) originelle Idee unterhaltsam mit Leben zu füllen.

Artefakt - Sternenpforte

Artefakt - Sternenpforte

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