Zweite Heimat – Die Reise der Celeste

Erschienen: März 2020

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Marcel Scharrenbroich
(Der) Mars macht mobil

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Jun 2020

Da haben wir’s ja mal wieder geschafft…

Unsere Erde platzt aus allen Nähten, das Klima spielt verrückt und was die Natur nicht erledigt, bomben wir selbst weg. Da muss man schon mal nach Alternativen Ausschau halten. In der näheren Umgebung bietet sich da eigentlich nur der rote Planet an: Der Mars.

Um dort eine Kolonie zu gründen, arbeiten ESA, NASA, Roskosmos und CNSA Hand in Hand. Ein bislang einmaliges Unterfangen. Um die lange Reise mit allen Kolonisten antreten zu können, braucht es natürlich auch ein geeignetes Transportmittel. Der globalen Zusammenarbeit ist es zu verdanken, dass mit der Celeste das bisher größte jemals gebaute Schiff ins All aufbrechen soll. Selbstverständlich fliegt sich solch ein Monstrum nicht von alleine, sondern benötigt nur das fähigste Personal an Bord. Hier fällt die Wahl unverhofft auf Alvar Lajunen. Dieser kann sein Glück kaum fassen, dass ausgerechnet er für diese wichtige Mission ausgewählt wurde… und dann auch noch als Kommandant! Nach einem kurzen Augenblick der Freude, folgt schon bald die Ernüchterung. Hana, Alvars Ehefrau, hatte sich nämlich ebenfalls für die Mars-Mission beworben. Als Bordpsychologin. Dieser Posten soll allerdings von den russischen Kollegen besetzt werden. Hana ist für das zweite Schiff eingeplant, die Destiny.

Allerdings bestärkt Hana ihren Mann und ermutigt ihn zur Zusage. Schließlich wäre er Kommandant der wohl wichtigsten Mission in der Geschichte der Menschheit. Er könnte den Grundstein für die erste Zivilisation außerhalb der Erde legen. Ein Fall für die Geschichtsbücher. Beide sind sich sicher, dass ihre Liebe der vorübergehenden Trennung standhalten wird. Immerhin mehr als zwei Jahre, bis die Destiny auf dem Mars ankommen wird. Also ist es besiegelt: Alvar Lajunen wird die Celeste zu ihrem Ziel bringen. Doch vorher steht ihm noch ein knallhartes, einjähriges Training bevor.

Frage geklärt!

Und zwar die, ob wir allein im Universum sind. Eindeutig nicht. Vermutet haben dies wahrscheinlich schon viele von uns, denn irgendwo MUSS Trump ja hergekommen sein. Und die Echsenmenschen, die in Tunneln unter Europa leben und nur von leiernden Minnesängern und Tofu-Bratern gesehen werden können. Nun haben wir aber Gewissheit! Kurz vor der Landung der Celeste tritt nämlich das Unerwartete ein: Auf dem Schirm erscheint ein Schiff fremden Ursprungs.

Der Flug verlief weitestgehend nach Plan und die Besatzung – sowie die tiefschlafenden Kolonisten – sind wohlauf. Doch das fremde Schiff, das es anscheinend ebenfalls Richtung Mars zieht, macht Alvar und seiner Crew zu schaffen. Für einen kurzfristigen Rückzug ist es deutlich zu spät. Die Fremden, die deutlich schneller reisen können als die Erdenbewohner, sind diesen einige Schritte voraus und auf dem roten Planeten kommt es auch – schneller als gedacht – zum ersten Kontakt. Bei den Außerirdischen handelt es sich um das Volk der E’Kturi. Eine fortschrittliche Rasse von großen, echsenähnlichen Geschöpfen, die sich nicht nur äußerlich von den Menschen unterscheiden. Auch ihr Wertesystem ist ein gänzlich anderes… und sie machen auch keinen Hehl daraus, was sie von uns halten. Schon gar nicht, dass sie uns technologisch haushoch überlegen sind.

Mit fast anmaßender Selbstverständlichkeit erklären sie Alvar, dass der Menschheit eine Beurteilung durch die E’Kturi bevorsteht. Da man aber nicht jeden Einzelnen auf der fernen Erde unter die Lupe nehmen kann, werden Lajunen und sein verblüfftes Team stellvertretend für knapp 8 Milliarden auf den Prüfstand gestellt. Einschränkungen bei ihrer Arbeit soll es laut der Außerirdischen nicht geben. Die Kolonialisierung soll weiter vorangetrieben werden, während ein ausgewählter Kreis der Fremden beobachtet… und urteilt. WIE und WARUM überhaupt über sie gerichtet werden soll, kann Alvar nur mutmaßen. Allerdings kann er sich die Folgen für die Menschheit vorstellen, sollten sie versagen…

Sieh’s mal NEO

Für jemanden, der sich nicht jubelnd auf jeden Science-Fiction-Roman stürzt, der an die Regale der Buchhändler andockt, war ich ziemlich schnell drin in „Zweite Heimat – Die Reise der Celeste“. Die Autorin Madeleine Puljic schreibt flüssig, leicht verständlich und verliert sich nicht in unnötig kompliziertem Technik-Geschwurbel. Umso erstaunter war ich, dass sich recht früh die außerirdischen E’Kturi offenbaren. Kurzzeitig dachte ich, dass die Luft – und somit die Spannung – bereits raus wäre, doch dann folgte erst der eigentliche Plot. Die Idee, dass die Menschheit – stellvertreten durch eine extrem überschaubare Crew – sich einer Beurteilung unterziehen muss, deren Ausgang völlig ungewiss ist, hat durchaus ihren Reiz. Besonders die unterschiedliche Auffassung von Recht und Unrecht, moralischen Werten und Gefühlen sorgt für reichlich Konfliktpotential zwischen den beiden Rassen. Vor allem, wenn die dominierende Spezies klar am längeren Hebel sitzt. Wenn es selbst innerhalb der Crew zu Unmut und Aufständen kommt, zeigt die Menschheit sich mal wieder von ihrer besten Seite, was der angekündigten und -gedrohten Beurteilung einen schwer einzuschätzenden Ausgang verleiht.

Neben der Spannung auf dem roten Planeten switcht die Autorin auch immer wieder zur Erde. Hier ermittelt Alvars Frau Hana nämlich auf eigene Faust, nachdem die Behörden ganz eigene Ziele verfolgen und nach Bekanntwerden der Begegnung der dritten Art nicht untätig zuschauen wollen, wie die Besiedlung des Mars womöglich zum größten Fiasko in der Geschichte der bemannten Raumfahrt ausartet. So ist also auch für den Leser genügend Abwechslung geboten, was der Geschichte eine ordentliche Thriller-Portion verleiht.

Die geborene Oberösterreicherin Madeleine Puljic ist wahrlich kein Neuling auf Science-Fiction-Pfaden. Nach ihrem Debüt „Herz des Winters“, das im Jahr 2013 erschien, wurde sie für 2017 für ihren Fantasy-Roman „Noras Welten: Durch den Nimbus“ mit dem 1. Deutschen Selfpublishing-Preis ausgezeichnet. Danach folgten immer wieder Ausflüge in die beliebte Welt von „Perry Rhodan“. Dort verfasste Puljic Beiträge zur „Mission SOL 2“-Reihe, der „Dunkelwelten“-Trilogie und der „NEO“-Neuausrichtung, die die Serie zum 50-jährigen Jubiläum modernisierte. Diese Erfahrung merkt man auch „Zweite Heimat – Die Reise der Celeste“ deutlich an. Nicht zuletzt an der Darstellung von Kommandant Alvar Lajunen und der charmant-pulpigen Beschreibung der E’Kturi.

Fazit:

Mit knapp 300 Seiten ein knackiges Leseerlebnis, das sich nicht in unnötigem Technik-Schnickschnack verliert und überraschend schnell zum Punkt kommt. Für Genre-erfahrene Leser mögen vielleicht die großen Überraschungen ausbleiben, aber Gelegenheits-Sci-Fi-Konsumenten könnten durchaus Gefallen finden. Ich für meinen Teil wurde gut, spannend und abwechslungsreich unterhalten, was mich die Reise auf der Celeste nicht bereuen lässt.

Zweite Heimat – Die Reise der Celeste

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