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Michael Drewniok
Pilz-Blob setzt seinen Schwammkopf durch

Buch-Rezension von Michael Drewniok Dez 2019

Als im Mai 1973 die Trümmer der planmäßig zerborstenen Alt-Raumstation „Skylab“ aus dem Erdorbit fallen, übersteht einer der Probenbehälter den Absturz unbeschadet. Sein Inhalt: ein Schleimpilz, der in der Wissenschaft aufgrund seiner Unverwüstlichkeit und rascher Mutationsrate Aufmerksamkeit erregt hatte. „Cordyceps“ ist außerdem in der Lage, sich in den ‚Gehirnen‘ von Insekten einzunisten, die er auf diese Weise in seinem Sinn steuert.

An Bord von „Skylab“ sollte „Cordyceps“ auf sein Verhalten im Weltraum untersucht werden. Eine Rückkehr zur Erde war nicht vorgesehen. Irgendwann war unbemerkt ein Mutationsschub erfolgt, der sich auf der Erde fortsetzte: „Cordyceps novus“ machte sich erstmals 1987 bemerkbar, als er aus dem genannten Behälter entwich und die Bevölkerung des abgelegenen australischen Fleckens Kiwirrkurra ausrottete. Spezialisten konnten den Ausbruch eindämmen und geheim halten. Eine Probe des Killerpilzes wanderte in ein Hochsicherheitslager der US-Regierung. In der Atchison-Höhle, einer ehemaligen Kalkmine, wird „Cordyceps novus“ seither kühl gelagert und dadurch ruhiggestellt.

Drei Jahrzehnte später hat die Regierung den Pilz vergessen. Das Atchison-Lager wurde geräumt und an private Nutzer verkauft. In den oberen beiden Stockwerken entstanden Lagerräume, die sich gegen ein monatliches Entgelt mieten lassen. Die Etagen 3 bis 5 wurden versiegelt, die veralteten Anlagen ließ man stehen. Auch „Cordyceps novus“ blieb und ‚schlief‘, bis kürzlich die Kühleinrichtung ihren Geist aufgab, was sie mit einem Warnsignal quittiert.

Die beiden Angestellten Travis und Naomi folgen dem Geräusch neugierig zu seinem Ursprung. Erwartungsgemäß nutzt der Pilz seine Chance. Er will das Lager verlassen und in den USA wüten, wo er sich schwerlich aufhalten ließe …

Kaum bekannte, aber richtig fiese Mitbewohner

Die Zeiten sind gut für Horror-Schriftsteller, die sich auf ‚biologischen Schrecken‘ spezialisiert haben: Mussten sie sich früher jene Ungetüme, die sie über entsetzte Mitmenschen herfallen ließen, selbst ausdenken, hilft ihnen die moderne Wissenschaft inzwischen auf die Sprünge. „Leben“ erfasst ein Existenzspektrum, das sich ständig erweitert, wobei schon jetzt Kreaturen aufgespürt wurden, die man faktisch lieber nicht kennenlernen will, zumal sie sich keineswegs immer dort aufhalten, wo man ihnen nie begegnen muss - in der Tiefsee beispielsweise, in von der Außenwelt abgeschlossenen Höhlen, in kochend heißen Quellen oder auf eisigen, sauerstoffarmen Berggipfeln. Manchmal sind sie uns näher, als uns lieb sein kann.

Diese Wesen sind zwar in der Regel klein, jedoch in der Lage massives Unheil anzurichten, wie u. a. das Auftreten alter und neuer Seuchen belegt, die sich heutzutage zu Pandemien entwickeln und über ganze Kontinente ausbreiten könnten. David Koepp wählt zwar keinen Virus, sondern einen Pilz als Quelle allen Schreckens, doch es handelt sich dabei um eine Lebensform, die ähnlich fremd ist und für verstörende Grässlichkeiten sorgen kann.

Weil Furcht wirksamer ist, wenn sie im Plausiblen wurzelt, greift Koepp auf den tatsächlich existierenden „Cordyceps“ zurück, dessen Opfer realiter höchstens Ameisengröße erreichen; so glaubt und hofft man wenigstens, obwohl der Verdacht existiert, dass ähnliche Pilze womöglich auch Vögel oder Säugetiere (oder Menschen) befallen und manipulieren können. Die Vorstellung, von einem schleimigen Pilz aus dem eigenen Hirn gedrängt zu werden, ist in der Tat Stoff für einen Horrorroman!

Nichts Neues, aber Bewährtes wird aufpoliert

Die Lektüre sorgt beim belesenen Horrorfan nicht für Überraschungen. Der Film- und Fernsehzuschauer dürfte erst recht unbeeindruckt bleiben. Koepp ist ein Recycler, der verwertet, was sich bereits unterhaltsam bewährt hat, um es leidlich erfindungsreich zu einer Story zu verknüpfen. Auf einem der inneren Klappentexte rühmt man ihn als Drehbuchautor von Filmen, die „weltweit über sechs Milliarden Dollar ein[gespielt]“ haben. Sieht man sich die Liste dieser Werke an (u. a. die beiden ersten „Jurassic-Park“-Filme von Steven Spielberg, „Krieg der Welten“ und „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ - ebenfalls von Spielberg - oder zwei Filme der „Illuminati“-Serie), stellt man fest, dass diese Erfolge nicht unbedingt auf (Koepps) feingesponnenen Drehbüchern gründen. (Was durch „Die Mumie“, 2017 fabriziert mit Tom Cruise, eindrucksvoll aber zuschauerschädlich bestätigt wurde.)

„Cold Storage“ taugt als Spielfeld für Nerds und Geeks: Welche Wendung, Idee, Figur wurde welchem Vorbild ‚entlehnt‘? Der Bogen spannt sich von Michael Crichtons mehrfach verfilmten Meisterwerk „Andromeda“ (1969, dt. „Tödlicher Staub aus dem All“) über „The Blob“ (hier die Verfilmung von 1988) bis zum irischen B-Movie-Horror „Storage 24“ (2012). Es sind keineswegs schlechte = unterhaltungsschwache Muster, auf die Koepp zurückgreift. Anders als die Werbung leugnet der Autor nicht, dass „Cold Storage“ reines Lesefutter ist. Koepp lässt es krachen, scheut nicht vor Splatter-Effekten zurück - die er zeitgemäß durch ironischen bis zynischen Humor (Stichwort „Katzenplatzen“) ‚aufwertet‘ -  und kommt erfreulich zeitig zum Schluss, statt den Pilz viele, viele weitere zusätzliche Seiten blubbern und sich blähen zu lassen. Es reicht dann auch.

Schwäche zeigt Koepp stets dann, wenn er meint seinem Garn ‚Tiefe‘ verleihen zu müssen - ein Begriff, der hier in Anführungsstriche gesetzt wird, weil ihn der Verfasser entweder dreist oder in seliger Unkenntnis fehlinterpretiert. Die auftretenden Figuren sind und bleiben flach und uninteressant. Da schaffen ausführliche Biografien keine Abhilfe. Wir müssen und wollen in der von Koepp für notwendig gehalten Breite nicht wissen, dass Travis und Naomi liebenswerte Loser jenes Kalibers sind, die als Klischee viel zu viele auch sonst nicht-gruselige Storys bevölkern (und selbstverständlich in eine Schwachstrom-Lovestory verwickelt werden): Der Kampf gegen ‚das Böse‘ KANN aus Hollywood-Sicht nicht ohne zwischenmenschliche Verwicklungen stattfinden, die außerdem helfen Zeit bzw. Buchseiten zu schinden. Tatsächlich ist die einzige Biografie, die echtes Interesse wecken kann, die des „Cordyceps“-Pilzes. Hier zeigt sich Koepp als Meister bedeutungsschwangeren Technobabbels.

Es kocht im Kessel (bzw. Lagerhaus)

„Cold Storage“ gleicht trotz des Titels einem Suppengericht, das auf kleiner Flamme köchelt: Was schmecken könnte, wird ins Wasser geworfen. Koepp sorgt mehr oder (meist) weniger plausibel dafür, dass eine möglichst inhomogene Gruppe im Atchison-Lagerhaus zusammenkommt. Außer Travis und Naomi tummeln sich deshalb eine Rockerbande (!), eine halbdebile (aber schwerbewaffnete) Rentnerin und ein Elitesoldat im Rentenalter dort, wo natürlich der Pilz längst das Sagen hat.

Da die Gefahr einer globalen Pilz-Attacke offenbar nicht bedrohlich genug ist, lässt Koepp den erwähnten Kampf-Rentner eine tragbare Atombombe (!) zum Lagerhaus schleppen: Sollte dieser bandscheibenschwache Held zu dem Schluss kommen, dass „Cordyceps novus“ nicht aufzuhalten ist, wird er diese zünden. Würden wir um Naomi und Travis bangen, könnte dieser plumpe Trick sogar wirken. Stattdessen reiht er sich in die Kette spannender/bizarrer/ulkiger Episoden ein, zu der „Cold Storage“ im Schatten des roten Fadens zerfällt.

Erwartungsgemäß lässt auch das Finale - eigentlich als Höhepunkt inszeniert - kalt, weil es nach Schema F konzipiert ist. Koepp hat seinen Roman entweder aus einem in der Schublade gefundenen Drehbuch destilliert oder ihn als Vorlage für eine Verfilmung umgesetzt. Diese Rechnung könnte sogar aufgehen; man kann den Film vor dem geistigen Auge ablaufen sehen. Wer seinen Horror substanzieller liebt, löst nach der Lektüre problemlos vom „Cold-Storage“-Getümmel und begibt sich erneut auf die Suche nach wirklich lohnendem Lesestoff!

Fazit:

Dieser primär von der Werbung gehypte ‚Bestseller‘ bietet soliden Bio-Grusel, der ideenarm, aber spektakelreich und flott über die Bühne gebracht wird. Ultraflach gezeichnete Figuren sollen durch ärgerlich aufgeblähte, überflüssige Biografien ‚interessanter‘ wirken, was aber nur den Lesefluss stocken lässt, der als routinierter, blut- und ekelstarker Action-Horror am besten funktioniert.

Cold Storage - Es tötet

Cold Storage - Es tötet

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