Couch-Wertung:

65°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91°-100°
0 x 81°-90°
0 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:0
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Michael Drewniok
Acht Fälle von Liebe mit grässlichen Höhepunkten

Buch-Rezension von Michael Drewniok Dez 2019

Acht Autoren erzählen von Lieben, die in nackten Schrecken umschlagen:

- Adobe James: Die erotische Skulptur von Ohio (The Ohio Love Sculpture; 1963), S. 7-17: Dieses Meisterwerk wollen alle einschlägig interessierten Sammler besitzen, doch der Künstler hat einen guten Grund, jedes Angebot entschieden zurückzuweisen.

- Edogawa Rampo: Der lebende Sessel (Ningen isu; 1925), S. 18-34: Der hässliche/verliebte Handwerker findet eine bizarre Möglichkeit, den Objekten seiner Begierde möglichst nahe zu kommen.

- Charles Beaumont: Der Liebesdoktor (The Love-Master; 1957), S. 35-48: Der berühmte Spezialist für Bettprobleme wurde noch nie auf eine so harte Probe gestellt, weshalb ihn sein Ehrgeiz in die gestellte Falle tappen lässt.

- Mindret Lord: Die nackte Lady (Naked Lady; 1934), S. 49-68: Der Künstler malt dem betrogenen Ehemann ein Bild, das der Gattin per Schwarzmagie ein hässliches Ende bescheren soll.

- Christianna Brand: Das Liebesabenteuer (Akin to Love; 1963), S. 69-79: Die junge Frau überwindet ihre Angst, um einen Gespenstermann zu erlösen - und muss feststellen, dass sie in eine tückische Falle gegangen ist.

- John Blackburn: Jenny, die Messerstecherin (Jenny Cut-Throat; 1976), S. 80-88: Um ihren berufsschädlichen Lachzwang zu überwinden, verbündet sich eine Domina mit dem Geist ihrer mörderischen Ahnin.

- Ramsey Campbell: Die andere Frau (The Other Woman; 1976), S. 89-120: Nachdem vor seinem geistigen Auge eine geheimnisvolle Frau Gestalt annimmt, stellt sich für den erfolglosen Zeichner endlich der Erfolg ein, doch der Preis ist hoch, als die Erscheinung besitzergreifend Gestalt annimmt.

- C. L. Moore: Shambleau (Shambleau; 1933), S. 121-161: Auf dem Mars rettet Abenteurer Northwest Smith an ein ‚Mädchen‘, doch es entpuppt sich als Mitglied einer außerirdischen Spezies, die seit Äonen Angst und Schrecken auf vielen Planeten verbreitet.

Liebe, Hass & Tod

Sie bilden ein Dreieck, das die Menschen bewegt, seit es sie gibt. Folgerichtig schlagen sich die daraus resultierenden Konsequenzen auch literarisch nieder. Unzählige Autoren machten und machen sich Gedanken über die Macht von Gefühlen, die ihr angestammtes Flussbett verlassen und dorthin überschwappen, wo sie nicht erwartet oder gar willkommen geheißen werden, weshalb ihre Mischung meist üble Resultate zeitigt.

Die Liebe ist eine Himmelsmacht, aber auch schwer zu kontrollieren, weshalb man ihr auch eine teuflische Komponente unterstellen kann. Michel Parry trug dem Rechnung, als er 1976 diese Sammlung zusammenstellte. Die Storys sollten spannend, ‚erotisch‘ und überraschend (=‘schockierend) sein, wobei die Auswahl die Definition dessen widerspiegelt, was zeitgenössisch als ‚erregend‘ galt. Die Fans des heutigen „Torture Porns“ dürften nur schmunzeln, wenn die von Parry ausgewählten Autoren den Tatbestand des unterhaltsamen sexuellen Missbrauchs nur in Ansätzen erfüllen; sie kannten und durften (oder wollten) es nicht besser = drastischer. (Fraglich ist, ob die aktuelle ‚Freizügigkeit‘ einen Fortschritt darstellt).

Stattdessen dominierte lange die Kunst der Anspielung. Die Leser wussten durchaus, wie sie die mehr oder weniger kunstfertig chiffrierten ‚Stellen‘, die von der Zensur ungeschoren blieben, zu entschlüsseln hatten. Freilich muss festgestellt werden, dass von den Autoren dieser Sammlung höchstens Ramsey Campbell (*1946) die entsprechende Finesse bzw. jenes schriftstellerische Geschick an den Tag legt, das im Grenzland zwischen Dies- und Jenseits beheimatet ist und Erotik glaubhaft mit Horror verknüpft.

Sudelei sei Schrecken genug …

In dieser Kollektion schreiben mehrheitlich Autoren, die vor allem für zeitgenössische „Pulp“-Magazinen produzierten. Hier galten strenge Vorgaben, was die Darstellung sexueller Praktiken betraf. Die Phantastik bot wenigstens eine (kleine) Hintertür, denn hier konnte der finale Schrecken die (lustvoll) geschilderten ‚Perversionen‘ entschärfen = bestrafen, so wie im Krimi die Faust des Gesetzes zuverlässig den dreisten Verbrecher traf.

Deshalb gipfeln die Storys von Adobe James (d. i. James Moss Cardwell, 1926-1990) und John Blackburn (1923-1993) in Auflösungen, die jegliche ‚erotische‘ Spannung faktisch negieren, indem sie abrupt zum blanken Schrecken wechseln, ohne dabei auf die Vorgeschichte Rücksicht zu nehmen. Charles Beaumont (d. i. Charles Leroy Nutt, 1929-1967) geht noch einen Schritt weiter; seine Story ist ein breitgetretener „Herrenwitz“, dessen verklemmte Schlüpfrigkeit sie in ein echtes Dokument ihrer Entstehungszeit verwandelt.

Als echter Exot taucht der japanische Schriftsteller Edogawa Rampo (d. i. Hirai Tarō, 1894-1965) in dieser Kollektion auf. „Der lebende Sessel“ entstand 1925 und wirkt dennoch ‚moderner‘ als die vorgeblich ‚frivolen‘ Geschichten von James, Blackburn und Beaumont, obwohl aus heutiger Sicht die Wirkung durch eine Auflösung verwässert wird, die das Geschehen ‚rational‘ erklärt. Vor vielen Jahren und in einem anderen Kulturkreis mag man darüber anders geurteilt haben. „Der lebende Sessel“ bleibt trotzdem erstaunlich ‚modern‘ als absurd schräges, einfallsreiches Garn.

Der weibliche Standpunkt

Man sollte aufgrund dieser Sammlung, deren Beiträge die Auswahlkriterien ihres Herausgebers repräsentieren, nicht zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass die Liebe auch im Umfeld des Schreckens besser in Frauenhand gedeiht. Ungeachtet dessen sind die drei von Autorinnen verfassten Storys eindeutig besser gelungen.

Mindret Lord (1903-1955) bietet zwar die übliche „Pulp“-Kost, vermeidet aber Zweideutigkeiten und treibt die Ereignisse auf ein Ende zu, mit dem man so nicht gerechnet hat. Christianna Brand (d. i. Mary Christianna Milne Lewis, 1907-1988) bleibt drei Jahrzehnte später ebenfalls am zensursicheren Ufer, klammert den Sex (weitgehend) aus und konzentriert sich auf „die Liebe“, um mit diesem simplen Konzept plötzlich zu brechen und zu einem Finale fern des Schmalz-Kitsches zu kommen.

Für den Höhepunkt sorgt Catherine Lucille Moore (1911-1987) mit ihren nicht grundlos in die Annalen der Phantastik eingegangenen Erzählung „Shambleau“. Bereits 1933 im Magazin „Weird Tales“ und als Erstlingswerk der Autoren veröffentlicht, spricht sie erstaunlich deutlich an, was Sex und Tod verbindet: jene Abhängigkeit, die den Schrecken ignorieren kann, wenn ihr der emotionale Mehrwert innewohnt. Sogar der sittenstrenge H. P. Lovecraft war von Moores intelligenter Interpretation der klassischen Medusa-Sage beeindruckt: Hier wird wie bei Ramsey Campbell deutlich, was Parry in seiner Sammlung anstrebt.

Anmerkung: Aufgrund der reihentypischen Seitennormierung wurden diese drei Erzählungen der Originalausgabe gestrichen:

- André Pieyre de Mandiargues: The Diamond (Le diamant; 1959)

- Poul Anderson: Operation Incubus/Operation Chaos (1959)

- Chris Miller: Boxed in (1974)

Fazit:

Liebe ist Schrecken und endet womöglich (und manchmal glücklicherweise) tödlich: Diese zunächst erstaunliche Schlussfolgerung versuchen die acht Autoren dieser Sammlung ‚phantastisch-erotischer‘ Erzählungen mit oft jenseitigem ‚Leben‘ zu füllen. Der Rasierklingenritt gelingt nur selten, doch auch mancher Fehltritt liest sich zumindest amüsant.

Teuflische Küsse

Teuflische Küsse

Deine Meinung zu »Teuflische Küsse«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Schreibe den ersten Kommentar zu diesem Buch.