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Marcel Scharrenbroich
Der Weg ist das Ziel

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Apr 2020

Wenn einer eine Reise tut…

…kann er eine Menge über sich lernen. Oder es passiert eine Menge Scheiß, den keiner erklären kann. Im Falle von Thomas Papst treffen gleich beide Möglichkeiten zielsicher ins Schwarze. Papst ist freier Journalist. Anfang 40, Kettenraucher, Single. Das war er nicht immer… klar, Reporter und Raucher auch nicht, aber in diesem Fall ist das Single-Dasein gemeint. Er war nämlich mal mit Claire Peaucellier liiert, einer früheren Kollegin bei der Heilbronner Zeitung. Da die beiden noch immer ein kollegiales und privates Freundschaftsband vereint, kann er sich auch stets sicher sein, dass ihre beruflichen Tipps ihn nie in eine Sackgasse manövrieren. So auch dieses Mal, als Claire einen Artikel über einen seltsamen Unfall für das Blatt verfasst und Thomas darüber informiert, damit dieser - auf seine ganz eigene Art und Weise - herumstochern kann.

Maisfelder, ein angrenzendes Wäldchen, Vogelzwitschern… hach, hier könnte man es sich gutgehen lassen. Jedoch geschah an diesem eigentlich idyllischen Ort erst vor kurzer Zeit Schreckliches. Hier, irgendwo im Nirgendwo - zwischen Heilbronn und Neckarsulm -, fanden gleich mehrere Menschen einen grauenvollen Tod. Nur ein riesiger Brandfleck verrät noch, dass sich hier ein Inferno sondergleichen zugetragen haben muss. Überlebt hat diese Tragödie nur einer… der Unternehmer Johannes Kottal, welcher zusammen mit seiner Frau, seinem dreijährigen Sohn und gemeinsamen Freunden einen simplen Spaziergang machte als die Hölle losbrach…

Thomas Papst hat bis auf einem seltsam verglasten Stein und verkohlte Erde, welche er an der Unglücksstelle fand, bisher nichts Verwertbares in der Hand. Die Zeit verstreicht… und zu Thomas‘ Überraschung dringt extrem wenig über den Vorfall nach außen. Noch überraschender ist es, dass sich sogar die WEL - die Weltraumorganisation Europäischer Länder - einmischt. Was haben die denn dort zu suchen? Für weitere Verwunderung sorgt die Tatsache, dass der zwischenzeitlich aus dem Koma erwachte Kottal sich tatsächlich bereit erklärt, den freien Journalisten für ein Interview zu empfangen. Papst macht sich umgehend auf, dem einzig Überlebenden DIE Fragen zu stellen, die Licht ins Dunkle bringen könnten. Der Anblick von Kottal lässt Thomas schlucken. Gezeichnet von schwersten Verbrennungen, die unglaubliche Schmerzen verursachen müssen, berichtet der Unternehmer von den Ereignissen auf dem Maisfeld. Die Tatsache, dass er den Tod seiner Frau und seines Sohnes mitansehen musste, muss für ebensolche seelische Pein sorgen. Der Journalist fragt sich, wie ein Mensch solch eine Tragödie aushalten kann, ohne dass es ihn komplett zerreißt. Kottal erzählt von grellen Lichtern am Himmel, die sich untermalt von angenehmen Summen vereinten. Und die daraus resultierende Feuersbrunst (lat.: Incendium), die absolut nichts mehr von der seltsamen Schönheit der tanzenden Lichter gemein hatte, vernichtete mit Leichtigkeit alles in ihrem unmittelbaren Umkreis. Darunter auch die Freunde und Familie von Johannes Kottal.

Der Verbrannte bittet Papst Ermittlungen anzustellen. Er soll herausfinden, was hinter dem leuchtenden Phänomen, das sich als alles verschlingende Hölle entpuppte, steckt und seine Ergebnisse mit der Öffentlichkeit teilen. Der Reporter willigt ein.

Vom Saulus zum Paulus

Angespornt von Wissensdurst und ja, auch Gerechtigkeitssinn, nimmt Thomas Papst die Spur auf. Ein alter Hase wie er hat natürlich gewisse Kontakte, die zumindest mit den gegebenen Hinweisen ein wenig rumjonglieren können. So führt ihn seine Reise zuerst zur Kottal Engineering GmbH, wo dem aufmerksamen Journalisten ein Foto auffällt, das die WEL wieder ins Bild rückt. Dafür zieht es Thomas in die französische Region Elsass. Je tiefer er gräbt, desto mehr fördert er an die Oberfläche. Er findet heraus, dass der Zwischenfall in dem Maisfeld nicht der einzige seiner Art war. Recherchen führen ihn sogar bis zum noch immer ungeklärten Tunguska-Ereignis zurück. Im Juni 1908 erschütterten (wahrscheinlich) gleich mehrere grelle Explosionen - die Aussagen dazu sind recht widersprüchlich - die sibirische Region, deren Druckwelle Bäume in 30 Kilometern Entfernung entwurzelte und selbst 500 Kilometer weiter noch sicht- und spürbar war.

Auf russischer Seite befasst man sich ebenfalls mit den mysteriösen Phänomenen. Gleich mehrere Parteien agieren hier. Die Einen treiben ihre Fortschritte im Verborgenen voran, während die Anderen wortwörtlich über Leichen gehen. Und genau in die Höhle der Löwen - nach Russland – verschlägt es den nach Antworten suchenden Thomas Papst… nicht ahnend, in welche Gefahr er sich bringt. Und nicht nur sich, sondern auch seinen besten Freund Andreas Becker. Dieser steht Thomas mit Rat und Tat zur Seite. Hilfreich und praktisch, da Andreas fließend russisch spricht und so die Sprachbarrieren beim Kontakte knüpfen überbrücken kann. Die Jagd, bei der jeder Hinweis ein Stück weiter Richtung Ziel führt, ist eröffnet… doch für Thomas ist die russische Metropole nicht die letzte Station auf seiner langwierigen Reise. Ihn führt es immer weiter in die eisige und schneebedeckte Natur, wo er Antworten auf Fragen findet, die er nie gestellt hat. Eine Reise, die ihm mehr über sich offenbart, als es die ersten 41 Jahre seines Lebens taten. Der Weg ist das Ziel… und dieses ist vorbestimmt.

Fakt & Fiktion

Als Mischung aus waschechtem Mystery-Thrill, übernatürlichen Phänomenen und einer Robert Langdon’schen Schnitzeljagd kann ich „Incendium“ jedem potentiellen Leser ans Herz legen, der gerne spannende Lektüre bevorzugt. Der Thriller-Aspekt rund um Verschwörungen, Geheimdienste und dunkle Machenschaften steht zwar lange im Vordergrund, weicht jedoch im Laufe des packenden letzten Drittels langsam gleitend dem Übernatürlichen. Dieser Spagat gelingt unglaublich gut, da die beiden Autoren Thorsten Frank und Stefan Zörner ihre Geschichte erstaunlich sachlich und überzeugend vorantreiben. Blendend recherchiert und durchaus glaubwürdig erzählt, tritt „Incendium“ zu keiner Zeit auf der Stelle. Keine Passage erscheint überflüssig und hätte gestrafft - geschweige denn weggelassen - werden können. Zu interessant sind die Entwicklungen. Die der Handlung und die, die der Hauptprotagonist Thomas Papst durchmacht.

In der zweiten Buchhälfte fragt man sich zurückblickend, ob man zwischenzeitlich einen anderen Roman liest, da die Story in eine ungeahnte Richtung führt und dort auch Fuß fasst. Allerdings macht dies komplett Sinn, da wir stets auf einem Level mit Thomas sind, dessen Wandlung wir hautnah miterleben. Somit bleibt „Incendium“ ein packendes und stets überraschendes Leseerlebnis, dessen Handlung nur in eine Richtung geht… nach vorne.

Fazit:

Ein Mystery-Geheimtipp aus dem Hause MDD Books, der keiner bleiben sollte. „Das Thriller-Debüt aus Heilbronn“ macht enorm viel richtig, was auf weitere Geschichten des Autoren-Duos Frank/Zörner hoffen lässt. Genre- und Grenzen-sprengend.

Incendium

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