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Michael Drewniok
Böse Brut der Ionosphäre

Buch-Rezension von Michael Drewniok Feb 2020

Im US-Staat Kansas läuft die Erprobung des revolutionären Raketenflugzeugs XDW-49 auf Hochtouren. Charles Francis Darling, der ebenso geniale wie charismatische Konstrukteur und Eigentümer der legendären Darling-Flugzeug-Werke, treibt die Entwicklung mit der für ihn typischen Ungeduld voran.

Das neuartige Flugzeug ist in der Lage, die Erdatmosphäre weit unter sich zu lassen. Der Weltraum ist das Ziel, dem XDW-49 schon recht nahekommt. Testpilot Jack Fayburn prüft die leistungsstarke Maschine auf Herz und Nieren. Auch der aktuelle Flug bringt zunächst neue Höhen- und Geschwindigkeitsrekorde, doch dann gibt es einen Zwischenfall: Zwei ‚Geschosse‘ durchschlagen die Cockpitverglasung des Flugzeugs - und treffen den Piloten!

Wider Erwarten kann Fayburn die Maschine landen. Doch er benimmt sich seltsam und leugnet den Zwischenfall. Arzt Dr. Grant, der ihn untersucht, kann keine Verletzungen finden. Fotograf Bob Reeve, der die Testflüge dokumentiert, entdeckt im Cockpit von XDW-49 die Reste eines eiförmigen Objekts: Es muss einen der Einschläge verursacht haben!

Zwar ahnt Dr. Grant, was hoch über dem Erdboden geschehen ist, aber er wagt sich erst spät aus seiner Deckung: Offenbar wurde Pilot Fayburn von einer fremdartigen, womöglich außerirdischen Lebensform ‚infiziert‘, die ihn einerseits geistig unterjocht, während sie ihm andererseits übernatürliche Körper- und Regenerationskräfte verleiht.

Was plant die seltsame Macht? Sie scheint dem Menschen feindlich gesonnen zu sein. Außerdem ist sie bestrebt sich zu verbreiten. Ruby Cascade, Darlings Sekretärin (und Geliebte), zeigt die gleichen Symptome wie Fayburn. Die beiden verschanzen sich und schöpfen Kraft, bevor sie über ihre früheren Kollegen und Freunde herfallen werden. Fieberhaft suchen diese nach einer Methode, das ‚besessene‘ Paar aufzuhalten, das bereits plant die Menschheit in Ihresgleichen zu verwandeln …

Das All als weitere Grenze

Man muss (und möchte) dem Verfasser keine böse Absicht unterstellen, doch zumindest der SF-Fan kommt nicht umhin, sich einige Gedanken über die Parallelen zwischen dem hier vorgestellten Roman und den Filmen „The Quatermass Xperiment“ (1955; dt. „Schock“) und „Quatermass 2“ (1957; dt. „Feinde aus dem Weltall“) zu machen. Hier wie dort lauern nicht gar zu weit über der Erdoberfläche seltsame und feindselige Kreaturen. Sie nahmen jene Pechvögel, die sich ahnungslos in ihre Sphäre verirrten, gern in Empfang, um an Bord ihrer Körper (und Hirne) die Erde heimzusuchen: An freundliche Fremdlinge glaubte man offensichtlich nicht, zumal eine friedliche Begegnung längst nicht so spannend war wie eine schleichende Unterwanderung und finales Kampfgetümmel.

Ohnehin lag das Thema buchstäblich in der Luft. Ende der 1950er Jahre gelang es endlich, Raketen zu entwickeln, die Objekte immerhin in die Erdumlaufbahn befördern konnten. Leider waren es - aus Sicht des „freien Westens“, zu dem sich auch Russ Winterbotham zählte - die Sowjet-Teufel, die u. a. mehrere „Sputnik“-Satelliten in den Orbit schickten. Trugen die in ihrem Stahlbauch womöglich Atombomben oder tödliche Viren, die nun nach Belieben auf Kapitalisten-Köpfe niederregnen konnten?

Es liegt nahe, dass der Schritt vom ‚roten‘ Himmel zur Invasion aus dem Kosmos nur klein war. Buch- und Drehbuchautoren gingen ihn oft und gern, denn hier wartete der Stoff, aus dem die lukrativen (Alb-) Träume waren! Immer wieder versuchten (zunächst) all-mächtige Übelbolde die Unterjochung und/oder Vernichtung der Menschheit. In der Regel begingen sie jenen kleinen, aber entscheidenden Fehler, der in der populären Unterhaltung zuverlässig dafür sorgt, dass eigentlich perfekte Pläne in letzter Sekunde fehlschlagen.

Invasion aus dem (Mikro-) Kosmos

Winterbotham zählt zu den Fußarbeitern der Unterhaltungsliteratur. An guten Tagen produzierte er solides Lesefutter, das jedoch ebenso in Vergessenheit geraten ist wie das Gros jener Titel, die nicht für Ruhm und Ewigkeit, sondern für die Geldbörse des jeweiligen Verfassers geschrieben wurden. „Testpilot Jack Fayburn“ leidet nicht nur durch eine schon 1958 ideenarme Story, sondern ist hierzulande nur gekürzt und hölzern übersetzt erschienen.

Der Charme zeitgenössischer Unbeholfenheit - gern „Nostalgie“ genannt - sorgt dennoch für ein gewisses Lektürevergnügen. Gerade die offensichtlichen Bockschüsse bzw. die Unbekümmertheit, mit der diese einst abgefeuert werden konnten, halten die Leser bei der Stange: Wie weit wird der Autor noch gehen in seiner Bereitschaft, die Logik zugunsten vordergründiger Spannung mit Füßen zu treten?

Sehr weit, so viel sei verraten. Dabei gibt es sogar in der (gekürzten) deutschen Fassung dieses Romans lange Passage lupenreinen Technobabbels. Winterbotham gibt sich durchaus Mühe, seiner außerirdischen Macht eine Biografie zu entwerfen, die eben nicht das genretypische Klischee vom prinzipiell böswilligen ET widerkäut, sondern (freilich sehr umständlich) eine andere, quasi ‚wertneutrale‘ Herkunft erfindet. Die ist dermaßen hanebüchen, dass sie das absurde Geschehen abermals aufwertet.

Invasoren ohne Plan

Vielleicht sollte man milder urteilen bzw. die Genese der von Winterbotham heraufbeschworenen Invasoren stärker berücksichtigen. Ansonsten müsste man die Hände über den Kopf zusammenschlagen - oder erfreut sein: Eroberer aus dem Weltall mögen skrupellos und mächtig sein, doch intelligent sind sie nicht zwangsläufig. Wie sonst ließe sich eine ‚Invasion‘ erklären, die nie über ein in der Wüstenöde des US-Staates Kansas errichtetes Flugfeld hinauskommt?

Will man der Herkunftsgeschichte der Fremdwesen folgen, versteht man ihre Einfallslosigkeit. Schließlich haben sie keinerlei Erfahrung mit dem irdischen Leben. Sie wollen sich einfach nur ausbreiten, setzen auf überlegenen Fähigkeiten - und verkennen, dass ihre Gegner selbst über Grips verfügen. Der benötigt zugegeben viel Zeit, um sich durchzusetzen. Winterbotham konfrontiert uns mit einer kopfstarken Schar angeblich genialer oder wenigstens entschlossener Zeitgenossen, die sich dennoch betont dämlich anstellen müssen, damit der Autor die anpeilte Buchseitenzahl erreicht, bevor das Finale einsetzt.

Tatsächlich ist es die Figurenzeichnung, die diesem Roman als Lesestoff heute das Genick brechen könnte: Hier regiert die Eindimensionalität. Sie wird ‚ergänzt‘ durch ein Frauenbild, das die „#MeToo“-Bewegung mit Fackeln & Mistgabeln auf den Plan rufen dürfte, von Winterbotham jedoch mit der Unschuld des Trivial-Autors genutzt, der sich auf zeitgenössische Gesellschaftsmodelle berufen darf bzw. auf diese Weise entschuldigt ist. Folgerichtig wird die schöne, aber allzu lebenslustige und daher ‚böse‘ Ruby Cascade - schon der Name steht für Ruchlosigkeit - ‚bestraft‘, während die biedere Janet ihre Belohnung - den Ehering - einstreichen darf. Bis es soweit ist, werden die Invasoren überlistet und besiegt (wobei Winterbotham unerwartet Plot-Ehrgeiz an den Tag legt), während diverse Schwächlinge ins Gras beißen müssen, um die Dramatik der Ereignisse zu unterstreichen. Alles geht gut aus, doch Vorsicht: Im Schlusswort wird zur Wachsamkeit aufgerufen - wer weiß, ob bzw. wann der nächste Finsterling aus dem Himmel fallen wird!

Fazit:

Sehr konventionelles und sich um Handlungsrealität wenig kümmerndes, aber gerade deshalb nostalgisch angehauchtes SF-Garn, das eine (kuriose) ‚Invasion‘ aus dem Weltall beschreibt. Ultraflache Figuren und Facepalm-Dialoge komplettieren dieses faktisch zu Recht vergessene, aber (unfreiwillig) witzige Machwerk.

Testpilot Jack Fayburn

Testpilot Jack Fayburn

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