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Marcel Scharrenbroich
Stell dir vor…

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Apr 2020

Wer bin ich? Und wenn ja, wo?

Die gute Raizel ist verwirrt. Und… wer wäre das nicht, wenn er gerade noch auf einer wackeligen Holzleiter in der Uni-Bibliothek balanciert, danach den Halt verliert und fällt… und fällt… und fällt… ohne den zu erwartenden Aufprall auf dem Boden der Tatsachen zu verspüren? Nun, es dauert zwar etwas, aber irgendwann ist auch Raizels Fall beendet. Jedoch nicht dort, wo sie erwartet hätte aufzuschlagen. Freier Himmel. Weit und breit keine Spur von der Universitäts-Bibliothek. Sie blickt sich nervös und verstört um. Da, ein seltsames Gebilde. Riesig. Sieht aus wie ein… Turm?

Ja, in der Tat. Ein Turm. Und Raizel zögert nicht lange und betritt das gigantische Gebilde, welches umschlungen von riesigen Tannen in den Himmel ragt. Hier macht sie die Bekanntschaft von Manjfee, der Herrscherin über dieses seltsame Reich. Raizel fühlt sich wie im Traum. Vor allem, da sie zahlreiche erstaunte Augen innerhalb des Gebäudes mustern. Nicht irgendwelche Augen, denn diese gehören Elfen, Kobolden und weiteren, schwer kategorisierbaren Fabelwesen. Panisch verlässt die junge Literaturstudentin den Nachttannenturm, völlig überfordert von der bizarren Situation.

„Du fühlst dich im Moment sicher wie Alice im Wunderland, während sie in den Kaninchenbau stürzt… hm?“
-Morpheus

Rat- und planlos irrt die Ärmste umher. Ohne zu wissen, wohin es sie so urplötzlich verschlagen hat. Durch die eher zufällige Bekanntschaft mit dem vierarmigen Schornsteinreiter Cendro, der niemals etwas gegen eine ausgedehnte Rußdusche einzuwenden hat, gelangt Raizel über ein paar kleine Umwege wieder zum Nachtannenturm. Nachdem sie zwar den ersten Kulturschock einigermaßen unbeschadet überstanden hat, soll die nächste Bombe bald platzen: Von Manjfee erfährt Raizel, dass sie in dieser Welt, der Welt der Balden, bei weitem keine Unbekannte ist. Sie ist nämlich die rotgelockte Heldin der Roman-Bestseller-Reihe Imaginate! So gut wie jeder ist hier mit den Abenteuern der Heldin aus der Menschenwelt vertraut… was auch die staunenden Augen bei Raizels erstem Kurzbesuch im Nachttannenturm erklärt. Das is’n Ding, was? Da muss auch Raizel erstmal schlucken.

Wer der Autor von Imaginate ist, ist ebenso geheimnisvoll, wie die Umstände, die die Studentin ohne Vorwarnung ins Reich der Balden führten. Klar ist nur, dass es dafür einen Grund geben muss… und dass Raizel nicht zufällig ausgewählt wurde. Auch ist klar, dass der wortwörtliche Bücherwurm Vermicelli, der die Druckwaren in seinem Laden auch gerne mal anknabbert und sich bei Nervosität nur schwer mit dem Verschlingen diverser Schriften zurückhalten kann, die Werke des unbekannten Autors exklusiv vertreibt… inklusive Merchandise-Kram in allen Farben und Formen.

Erfreulicherweise bietet die Koboldfamilie Brantock sich an, Raizel für die unbestimmte Zeit ihres Aufenthalts Unterschlupf zu bieten. Ganz zur Freude des Teenager-Kobolds Frips, der die Besucherin aus der Welt der Menschen bereits bestens kennt… dank der Lektüre von Imaginate. Gemeinsam gilt es nun, den Grund für Raizels ungewollten Trip herauszufinden. Dabei stehen ihnen weitere Gefährten zur Seite, Bekanntschaften, deren wahre Absichten noch im Dunkeln liegen und ein mysteriöser Mann namens Laurinel, der eine irritierende Ähnlichkeit mit Raizels Literaturprofessor Dr. Laurens aufweist. Doch nicht jeder ist der Reisenden aus einem Paralleluniversum, welches seinen Ursprung eigentlich nur in fiktiven Romanen hat, wohlgesonnen. Besonders nicht die furchterregenden Schatten, die plötzlich ins Land strömen und bereits ein Ziel in ihre finsteren Augen gefasst haben: Den Nachttannenturm.

Sprunghaft und (gerade deshalb) dicht

Die Autorin von „Imaginate – Der Nachttannenturm“, Nina F. May, der die Idee zu ihrem Erstling tatsächlich im Traum erschien, schafft es scheinbar mühelos, gleich mehrere Erzählstränge parallel laufen zu lassen. Innerhalb der einzelnen Kapitel finden sich optische Trennungen, die die Handlung von Charakter zu Charakter und von Ort zu Ort verlagern. Dabei hat May immer genau das richtige Timing, wann sie einen offenen Strang wieder aufgreifen muss. So bleibt die Spannung konstant hoch und von Leerlauf ist während des gesamten Romans keine Spur. Generell hat die Kulturredakteurin beim RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) den richtigen Riecher (und offensichtlich auch ein goldenes Händchen), um eine kreative Fantasy-Welt aus dem Nichts zu erschaffen… auch wenn eine schon fast obligatorische Lovestory beinahe ein wenig zu viel des Guten gewesen wäre.

Ein wahrlich märchenhaft-fettes Debüt, Schnecke!

Nein, ich bin in der Kindheit nicht in einen Kessel mit Asi-Trank gefallen. Tatsächlich ist diese Mischung aus gehobener Ausdrucksweise und dröseligem Ghettoslang in der Welt von „Imaginate“ Gang und Gäbe. Was dann auch schon mein einziger, wirklicher Kritikpunkt wäre: Hier im Ruhrgebiet höre ich diese Art der Kommunikation täglich… muss dafür nur den Kopf kurz aus dem Fenster halten, weshalb mich dieser Slang immer wieder aus der ansonsten phantastisch beschriebenen Welt gezogen hat. Auch ohne dieses „besondere“ Sprachmerkmal hätte „Imaginate – Der Nachttannenturm“ hervorragend funktioniert… aber vielleicht funktioniert es ja bei Lesern besser, denen nicht alltäglich beim Spazieren oder Einkaufen Trolle, Kobolde oder gar Orks über den Weg laufen.

Genug „gemeckert“… denn sonst gibt es wirklich nichts am Debüt von Nina F. May auszusetzen. Mit einem tollen Worldbuilding, einer frischen und unverbrauchten Geschichte, sympathischen Figuren und vielen popkulturellen Verweisen gelingt es der Autorin, die Fantasy-begeisterten Leser bereits nach der ersten Seite in ihren Bann zu ziehen. Hier gibt es keinen langsamen Einstieg. Beinahe ohne Umwege katapultiert Nina F. May uns – und ihre Raizel – in ein magisches Reich, in dem es nichts Normaleres gibt als Magie. Menschen? Diese sagenumwobenen Geschöpfe, über die in der Balden-Schule gesagt wird, dass sie ohne Zauberei auskommen müssen? Wo keine Einhörner existieren und Wünsche bloß Wünsche sind? Ha… die gibt es wirklich??? Ja, stell dir vor…

Fazit:

Wenig Kritikpunkte, in einem äußerst gelungenem Fantasy-Debüt, welches der Drachenmond Verlag in einem hervorragend gestaltetem Taschenbuch herausgebracht hat! „Imaginate – Der Nachttannenturm“ unterhält märchenhaft, innovativ und stets charmant. Wenn die Autorin Nina F. May auf dem Niveau weiterschreibt, dürfen wir uns auf eine phantastische Zukunft freuen, die nicht nur Balden begeistern dürfte. So… ich knabbere jetzt ein wenig am Einband.

Imaginate - Der Nachttannenturm

Imaginate - Der Nachttannenturm

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