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Michael Drewniok
Unfreundliche Begegnung der dritten Art

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mär 2020

Irgendwann in einer zeitlich nicht näher definierten Zukunft hat der Mensch die lichtschnelle Raumfahrt gemeistert. Zwar dauern Reisen zu Planeten außerhalb unseres Sonnensystems weiterhin Jahre, aber das schreckt kernige Siedler nicht davon ab, der übervölkerten Erde den Rücken zu kehren: Um den Doppelstern Alpha Centauri kreisen diverse Planeten, von denen sich einer perfekt als Kolonie eignet!

Natürlich schaut man sich auch die anderen Planeten an, obwohl diese entweder zu heiß oder zu kalt oder gar ohne atembare Atmosphäre sind. Aktuell erkundet die „Neptun“ unter dem Kommando von Lafe Hansen den dritten Planeten der Sonne Alpha Centauri 2, der „Althan“ genannt wurde. Als das Triebwerk versagt, wird der Anflug zur halbwegs glimpflichen Bruchlandung.

Da die Reparatur einige Tage in Anspruch nehmen wird, erkunden Hansen, sein Erster Offizier Harmer und Funker Nevins die Umgebung. Als sie eine tiefe Spalte untersuchen, taucht plötzlich ein Raumschiff auf! Nie ist der Mensch bisher auf außerirdische Intelligenzen getroffen, Nun ist es soweit: Hansen und seine Begleiter werden ‚Gäste‘ der Sirunier!

Diese stammen ursprünglich von Althan, sind aber ausgewandert, als der Planet zu erkalten begann, und haben sich im System der Sonne Sirius niedergelassen. Die Sirunier sind erstaunlich menschenähnlich, neigen aber dazu, andere Völker zu unterwerfen und zu versklaven. Derzeit haben sie die Menschheit im Visier. Auf Althan, der alten Heimat, soll eine Flotte überlichtschneller Kampfschiffe gebaut werden, mit denen die Sirunier über die Erde herfallen wollen.

Sobald Hansen diesbezüglich im Bilde ist, plant er einen Gegenschlag. Doch wie soll der gelingen, solange die einzigen Menschen, die über die bösen Absichten der Sirunier informiert sind, Gefangene sind? Ein Fluchtversuch muss versucht werden, so gering die Chance des Gelingens auch sein mag …

Zu neuen Ufern - mit alten Fehlern

Die skizzierte Handlung weist den erfahrenen SF-Leser darauf hin, dass ihm (und ihr) ein lupenreines Trivial-Garn präsentiert wird. „Edgar Rees Kennedy“ - der eigentlich John William Jennison (1911-1980) hieß - bediente unter zahllosen Pseudonymen praktisch sämtliche Genres der zeitgenössischen Populärliteratur. Was ihm an Talent fehlte, versuchte er durch Handwerk und Fleiß auszugleichen. Dennoch reichte es in der Science Fiction nur zu einer Fußnote.

Mit „Der geheimnisvolle Planet“ belegt Kennedy unfreiwillig seine Mittelmäßigkeit, was freilich keineswegs bedeutet, dass sich die Lektüre dieses abenteuerlichen Spektakels überhaupt nicht lohnt. Roman und Übersetzung sind Zeugen einer Zeit, in der Unterhaltung merklich anders definiert wurde als heute. Wer an entsprechenden Einsichten nicht interessiert ist, darf sich an einer Handlung freuen, die völlig frei von allem, was inzwischen das Prädikat „politisch korrekt“ trägt, einfach nur spannend voraneilen will.

Kennedy hält sich nicht mit einer näheren Beschreibung der Zukunft auf, in die er seine Geschichte projiziert. Die Erde ist überbevölkert, und dieser Druck findet Entlastung, indem Kolonien im All gegründet werden. Dort nutzt man die Ressourcen ebenso rücksichtslos aus wie ‚daheim‘, da man nicht dazugelernt bzw. eine ‚neue Welt gefunden hat, die man ruinieren kann: Schon beginnen in den Köpfen der Jetztzeit-Leser entsprechend geölte Rädchen reflexiv zu rotieren.

Fremd = böse oder: Vorsichtshalber Feuer frei!

SF-Nostalgie steigt auf, wenn Althan erkundet wird. Die angebliche Hightech des Raumschiffs „Neptun“ sorgt für Lachtränen. Dazu passt eine Besatzung, die auch auf einem Fischkutter gut aufgehoben wäre. Irgendwo im Hintergrund wirken zwar Wissenschaftler, aber Entscheidungen werden von kernigen Professionals getroffen, die vor allem ‚wissen‘, dass man vorsichtig sein muss, wenn etwas Neues naht.

Das Unbekannte ist stets eine potenzielle Quelle tödlicher Gefahren und daraus resultierender Geschichten! Als Autor Kennedy 1952 sein Garn spann, galt dies auch für die Realität: Nach dem Zweiten Weltkrieg drohten überall die Sowjet-Teufel und ihre Schergen! Zwar sahen sie wie Menschen aus, waren aber eigentlich keine, sondern wollten nur herrschen und unterdrücken! Kein Wunder, dass zeitgenössische Leser die Chiffre „Sirunier“ leicht entschlüsseln konnten, zumal sich entsprechende ‚Botschaften‘ auf sämtlichen Ebenden der zeitgenössischen Unterhaltung finden ließen.

Auf feindliche Lumpenstreiche musste man nicht nur gefasst sein, sondern sie sofort und hart im Keim ersticken! Wie das aussehen konnte, zeigen uns hier Kommandant Hansen und seine Gefährten, die sich - alle Klischee raubeinig-schlichter, aber herzensguter Seebären erfüllend - stets auf eine tüchtige Rauferei im Dienst der guten Sache freuen. Doch es ist nie weit bis zum Einsatz wesentlich wirksamerer Waffen. Bald werden Todesstrahlen und Atombomben eingesetzt, und der Kampf ist erst beendet, als einer der Gegner buchstäblich auf der Strecke geblieben ist.

Handeln statt denken

Es ist kein Spoiler zu verraten, wer den Sieg davonträgt: Hansen und seine Haudegen haben alles richtig gemacht, weshalb die Belohnung nicht ausbleiben kann. Zwar wird dem Feind zwischendurch halbherzig ein Friedensangebot unterbreitet, doch der reagiert als kommunistischer bzw. kosmischer Unhold mit Verachtung und Verrat und lässt den redlichen Erdlingen gar keine andere Möglichkeit als den massenhaft gesäten Tod!

Interessant ist die deutsche Erstausgabe. 1954 steckte die Science Fiction hierzulande noch in den Kinderschuhen. Gerade wurden erste Titel veröffentlicht. Zwar konnte man nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf zahlreiche Titel aus dem wieder zugänglichen Ausland zurückgreifen, die unter den Nazis nicht hatten erscheinen dürfen. Doch wie üblich bestimmte der Preis den Inhalt. Die „Utopia-Großbände“, als deren erst zweiter Band „Der geheimnisvolle Planet“ erschien, boten zwar weniger krass als sonst gekürzte Texte. Inhaltliche Qualität galt in der Rückschau dagegen als sekundäre Größe, obwohl mit Walter Ernsting (1920-2005) - der als „Clark Darlton“ eine feste Größe der deutschen SF-Szene darstellt - ein engagierter und sachkundiger Mann hinter den Kulissen wirkte.

Da in den 1950er Jahren verstärkt Kampagnen gegen „Schmutz & Schund“ gefahren wurden, gab Ernsting den Lesern vorsichtshalber selbstbewusstseinsstärkende Worte auf den Weg: „Dies ist die Übersetzung eines Science-Fiction-Romans, deren es in Amerika und England viele Hunderte gibt. Ernsthafte Menschen lesen sie, ohne sie mit der überlegenen Geste der Ignoranten beiseite zu legen oder zu behaupten, man könne nicht in die Zukunft schauen. ... Es ist nicht der Sinn dieses Romans, dass man ihn nach der Lektüre weglegt und feststellt: technisch unmöglich! Das wusste der Autor auch schon. Man soll ihn aber zu Ende lesen und sich sagen: Gott sei Dank, das ist noch mal gut gegangen, aber was könnte geschehen, wenn es mal nicht gut ginge …?“

Fazit:

Science-Fiction-Roman mit sehr trivialen Wurzeln. Die rasante Handlung ist Träger eines groben Spektakels, das auf die plumpe Schwarz-Weiß-Zeichnung vor allem der ‚bösen‘ Figuren setzt, worunter der durchaus vorhandene Retro-Charme eines SF-Abenteuers leidet: interessant, aber bei Nicht-Wissen keine Bildungslücke.

Der geheimnisvolle Planet

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