Hohle Köpfe

  • Goldmann
  • Erschienen: Januar 1998
Hohle Köpfe
Hohle Köpfe
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Carsten Kuhr
92°

Phantastik-Couch Rezension von Carsten Kuhr Jul 2006

Der Patrizier vergiftet, Morde an unschuldigen Herren und eine überforderte Wache

Ankh-Morpork ist eine, nein, die Metropole der Scheibenwelt. Und was haben derartige Ansammlungen von Gebäuden und Lebewesen so an sich – ja, auch natürlich jede Menge Dreck, Bedürfnisse und Hoffnungen, ich spreche jetzt aber von der Kriminalität.

Verbrechen sind gemeinhin die Passion der Wache. Es beginnt damit, dass zwei ältere Herren ermordet werden. Dann wird der Patrizier vergiftet und der Druck von Oben nimmt zu.

Während Mumm die Quelle der Vergiftung sucht, nimmt Karotte die Ermittlungen in Sachen der Morde auf. Derweil der Patrizier noch mit dem Tode ringt, wird sein Nachfolger schon gesucht, Intrigen und Bestechungen greifen um sich.

Irgendwie stoßen sowohl Mumm, wie auch Karotte bei ihren Untersuchungen immer wieder auf Wesen, die für das Funktionieren der Stadt und ihrer Bewohner unabdingbar sind.

Wesen, die niemand beachtet, die keine Rechte haben, von denen der Volksmund sagt, dass ihre Köpfe hohl seien. Die Rede ist von den Golems – belebte Tonfiguren, die so viel mehr sind, als hohle Köpfe ...

Oft kopiert, nie erreicht: Terry zeigt, wie toll, aktuell und zeitlos Fantasy sein kann

Ein Kriminal-Roman von der legendären Scheibenwelt – aber, wie immer bei Terry doch auch weit mehr, als nur ein Krimi.

Was macht die Romane des Briten so einzigartig? Die Antworten darauf sind zahlreich und mehr als eine Doktorarbeit wurde darüber verfasst. Sind es etwa die wunderbar vielschichtig gezeichneten Figuren - Unikate allesamt - die uns nur auf den ersten Blick Stereotyp entgegenkommen? Der faule Polizist, der eingebildete Wachtmeister, die engagierte Werwölfin, die um ihre Anerkennung ringt - all dies hat Platz in den Romanen, wird aber immer weiter hinterfüttert und hinterfragt. Was bringt die Figuren dazu, so zu handeln, wie sie es tun und was resultiert daraus? Fragen, auf die der Autor ebenso überraschende, wie treffende Antworten bereithält.

Und immer schwingt auch eine tiefe Menschlichkeit mit. Nie rührselig, aber immer empathisch beschreibt der Autor die, die sonst vergessen werden. Die Underdogs, die den Laden am Laufen halten, die einfach da sind, notwendig für das Funktionieren eines Gemeinwesens sind, aber so oft keinerlei Beachtung finden. Ihnen widmet Pratchett seine Aufmerksamkeit, und dies zu Recht, haben doch auch diese ihre Träume, Hoffnungen und Gefühle.

Inmitten der spannenden Deduktionen, der Suche nach Motiv, Täter und Vorgehensweise geht es daher auch um Ausbeutung, um soziale Verantwortung, um Anerkennung und Gleichberechtigung.

Was macht ein Lebewesen aus – ist ein Golem ein Lebewesen und wenn ja, was folgt daraus? Was für Rechte hat ein solches Lebewesen, wie kann, wie muss man ihn oder sie behandeln? Fragen, die heute aktueller sind denn je. Dazu kommt dann noch – verpackt in die Figur einer Zwergin – die Frage der Gleichberechtigung bzw. eigentlich eher des Auslebens der eigenen Ausrichtung und Toleranz demgegenüber.

Fazit:

So ist auch dies wieder ein hintergründiger Roman voller liebevoll gezeichneter Figuren, wundervollem Humor und jede Menge Denkanstöße – dazu noch neu übersetzt – und einer überraschenden Auflösung zum Finale.

Hohle Köpfe

Terry Pratchett, Goldmann

Hohle Köpfe

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