Die Universität

  • Buchheim Verlag
  • Erschienen: November 2019
Die Universität
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Marcel Scharrenbroich
85°

Phantastik-Couch Rezension vonFeb 2022

Lernen fürs (Über)leben

Horror im Hörsaal

Den kalifornischen Studenten Jim Parker schaudert es, wenn er daran denkt, bald wieder an die Universität seiner Wahl zurückzukehren. Er kann es schwer deuten und noch schwerer in Worte fassen, doch irgendwas an der UC Brea treibt ihm den Angstschweiß auf die Stirn. Obwohl er sich im Laufe der Zeit zum Chefredakteur der College-Zeitung hochgearbeitet hat und ihm nichts wirklich Schlechtes wiederfahren ist, ist es eine Art sechster Sinn, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht.

Damit ist er nicht allein, denn unabhängig von seinem Empfinden, geht es Faith Pullen ähnlich. Zuerst überwiegt noch die Freude der Studentin, da sie ihr verkorkstes Elternhaus und ihre noch viel verkorkstere Mutter - mit ihren ständig wechselnden Bums-Partnern - wenigstens auf Zeit hinter sich lassen kann. Mit einem Job in der Uni-Bibliothek bessert sie sich zudem neuerdings ihr Einkommen auf, doch vor der mysteriösen sechsten Etage, auf der gespenstische Stille herrscht und die Heimat des größten Sortiments an Holocaust-Literatur in Wort und Bild ist, hat sie nicht nur Respekt, sondern auch… Angst. Den Studierenden ist der Zutritt strengstens untersagt. Dort, wo die größten Gräueltaten der Menschheitsgeschichte gebündelt archiviert werden. Und die Ausläufer des realen Horrors durchseuchen nicht nur die Mauern des Bibliotheksgebäudes…

Als der Literatur-Professor Dr. Ian Emerson nach einer Vorlesung von einem mysteriösen Mann aufgesucht wird, hält er den Grund dessen Besuchs zuerst noch für einen schlechten Scherz. Der Mann, der sich als Gifford Stevens vorstellt, erzählt ihm allen Ernstes, dass an der Universität das Böse herrsche. Mehr noch, dass die UC Brea lebt… und getötet werden muss. Trotz berechtigter Zweifel nimmt Dr. Emerson dessen Dissertation, die belegen soll, dass er weiß, wovon er da spricht, an sich. Und es häufen sich teils drastische Fälle, die den Professor den für den normalen Menschenverstand recht überschaubaren Wahrheitsgehalt in Stevens wirren Ausführungen letztendlich doch in den Bereich des Möglichen rücken lassen. Brutale Angriffe, Vergewaltigungen, Folter, Mord und unkontrollierte Gewaltausbrüche der schwersten Art… und das ist nur der Anfang des Albtraum-Semesters.

Ein Splatter-Happen für gestählte Mägen

Zimperlich sollte man nicht sein, wenn man beschließt, sich an der Little-Uni einzuschreiben. Anfangs baut Bentley Little die Spannung langsam auf, weckt Unbehagen bei den Leserinnen und Lesern. Ähnlich wie die Protagonisten merkt man schnell, dass hier etwas nicht stimmt. Das nackte Grauen entfaltet sich Stück für Stück. Wabert aus den Hörsälen, bohrt sich an die Campus-Oberfläche… und manifestiert sich schließlich als Gänsehaut auf dem Rücken der Leserschaft. Der eher subtile Horror entlädt sich nicht selten in Splatter-Spitzen, die einem auf Grund ihrer detaillierten Ausführungen den einen oder anderen Knoten im Magen verursachen. „Krank“ wäre eine recht treffende Beschreibung für die drastischen Gore-Einlagen. Ob es diese in ihrer Deutlichkeit gebraucht hätte, soll jeder für sich selbst entscheiden. Für meinen Teil kann ich gut damit leben, obwohl die Geschichte auch ohne die blutigen Folter-Eskapaden des Herrn Little sehr gut funktioniert hätte. Es mag (je nach Geschmack) überraschen, faszinieren oder schockieren, welche Dinge in welche Körperöffnung passen...

Überaus gelungen sind die häufigen Wechsel der Figuren. Ist es bei vielen Romanen so, dass unterschiedliche Blickwinkel und eine Vielzahl an Protagonisten den Lesefluss stören, ist diese Vielfalt in „Die Universität“ sehr zu begrüßen. So wird dem Campus (und der Story) Leben eingehaucht und man bekommt das rege Treiben an der UC Brea quasi hautnah mit. So entsteht ein realistisches Setting… auch wenn in Richtung Finale dieser Mikrokosmos durchbrochen wird und spätestens dann auffällt, dass der wilde College-Horror doch hin und wieder übers Ziel hinausschießt, indem die Phantastik in die scheinbar unbeteiligte Außenwelt dringt. Das ist allerdings weniger schlimm als es sich anhört, denn die unterschiedlichen und durchaus gut geschriebenen Charaktere tragen die sich stetig intensivierende Geschichte hervorragend. Es gibt eine Menge Sympathieträger und reichlich Zeit für Zwischenmenschliches. Richtig spannend wird es, wenn die Erzählstränge zusammenlaufen und die Figuren aufeinandertreffen. Dann beginnt der Kampf ums nackte Überleben… gegen einen übermenschlichen Feind, der immer mehr an Einfluss und Macht gewinnt.

Fazit:

Ein bisschen „Shining“, ein ordentlicher Schuss „Faculty“ und die radikale Härte des Splatter-Comics „Crossed“. Bentley Little lässt auf dem Campus und Drumherum keine Sekunde Langeweile aufkommen und liefert einen verstörenden und zeitgleich bizarr-sympathischen Horror-Thriller der deftigeren Sorte ab. Das wertige Hardcover aus dem BUCHHEIM VERLAG mag man nur ungern aus der Hand legen und entpuppt sich als reißerischer Pageturner, sobald einen erstmal das College-Fieber infiziert hat. Und das geht enorm schnell.

Die Universität

, Buchheim Verlag

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