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Marcel Scharrenbroich
Der Countdown läuft…

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Apr 2020

Sperrzone: Erde

Schon fast zynisch, einen Absatz mit dieser Überschrift zu versehen… in Anbetracht dessen, was aktuell um uns herum geschieht, nicht wahr? Aber treffender könnte man es nicht auf den Punkt bringen, da die Erde die Menschheit im Jahr 2035 nahezu komplett von ihrem Antlitz gefegt hat. Wie dies geschah? Natürlich durch Menschenhand… was sonst? Ein Virus sorgte dafür, dass die wenigen Überlebenden dieser Katastrophe sich unter die Oberfläche verkrochen. Dort eine neue Zivilisation aufbauten. Fast 40 Jahre liegt dieses apokalyptische Ereignis nun schon zurück.

Nur die wenigsten „Glücklichen“ kommen in den Genuss, das Tageslicht zu sehen. Zu Forschungszwecken werden gefangene Straftäter ausgewählt, die sich mit einem Erkundungsgang eine Minderung des Strafmaßes verdienen können. Natürlich bestens abgesichert und luftdicht verpackt, da bei eventueller Kontamination die Rückkehr ins unterirdische Gefängnis verwehrt bleibt. Fragt sich nur, was die größere Strafe ist…

James Cole ist einer dieser Gefangenen, dessen „freiwilliger“ Einsatz sich positiv auszahlen soll. In den verwaisten Ruinen einer einst blühenden US-Metropole sammelt er Insekten und Kot diverser Säugetiere, die den Wissenschaftlern Aufschluss über den aktuellen Stand an der Oberfläche liefern sollen. Was für ein Scheiß-Job! Aber die Wissenschaftsfutzis sind mit seiner Arbeit zufrieden. Immerhin so sehr, dass sie den zuverlässigen und aus ihrer Sicht psychisch belastbaren Cole für ein neues experimentelles Verfahren ins Auge fassen: Das Zeitreisen. 1996, das Jahr, in dem das Virus freigesetzt wurde, soll Ziel seiner Mission sein. SOLL… aber jeder macht mal Fehler.

„Du bist ‘n guter Staatsbürger, wenn du lauter Zeug kaufst. Aber wenn du dich weigerst lauter Zeug zu kaufen… Wenn du dich weigerst… Was bist du dann, wenn du’s nicht tust? Was? Dann bist du ‘n Geisteskranker!“

Wie würden unsere Gesetzeshüter reagieren, wenn ein Typ wie ein Duracell-Hase auf Meth rotiert und rumschreit, dass er aus der Zukunft kommt und das Ende der Menschheit verhindern soll? Richtig… man würde ihn in die Klapsmühle stecken. Zumindest in dieser Hinsicht hat sich seit 1990 nichts verändert. Dort landet James Cole nämlich, nachdem er sich eine handfeste Rauferei mit den Gesetzeshütern geliefert hatte. Eine der zuständigen Ärzte dort ist Kathryn Railly. Sie nimmt den verstörten und unter schweren Psychopharmaka - die selbst einen Mark Renton aus den Socken schießen würden – gesetzten Cole unter die Lupe. Dessen scheinbar zusammenhangloses Gebrabbel könnte man selbst mit viel Wohlwollen nicht für bare Münze nehmen, weswegen man ihn zu vermeintlichen Leidensgenossen verfrachtet. 6 Jahre am Ziel vorbeigeschossen, für Irre erklärt und eingesperrt. Könnte es noch schlimmer kommen?

Der geschwätzige und ebenso paranoide Jeffrey Goines nimmt sich Cole an. Er erklärt ihm die gepolsterte Welt in seiner ganz eigenen Art und hilft dem schwer angeschlagenen Neuankömmling sogar bei einem Fluchtversuch. Dieser misslingt allerdings, was James Cole erstmal eine weitere Dröhnung inklusive Isolationshaft einbringt. Glücklicherweise bemerkten die Wissenschaftler im Jahr 2035 ihren Fehler zwischenzeitlich und holen ihren eingesperrten Kundschafter schnellstmöglich zurück.

Bei der anschließenden Befragung der Wissenschaftler, die mehr einem Verhör gleichkommt, bemerkt Cole, dass auf einem der vorgelegten Fotos aus dem Jahr 1996 der „leicht“ psychopathische Jeffrey zu sehen ist. Und rein zufällig ist dessen prominenter Vater ein angesehener Virologe. Goines scheint in unmittelbarer Verbindung mit der Armee der Twelve Monkeys zu stehen, die ihre gesprayten Tags überall in der Stadt verteilten und für die Freisetzung des Virus verantwortlich sein sollen. Da Cole bereits Kontakt mit Goines hatte und trotz des Fehlers der Wissenschaftler das Beste aus seiner misslichen Lage gemacht hat, erhält er eine weitere Chance, um die Katastrophe, die 5 Milliarden Menschenleben kosten wird, zu verhindern.

Über einen kleinen Umweg landet er schließlich endlich im folgenschweren Jahr 1996. Hier gilt er, der vor 6 Jahren fixiert aus einem verschlossenen Raum verschwand, noch immer als Mysterium. Erneut kreuzen sich die Wege von Cole und Kathryn Railly, die in ihrem Beruf noch immer hoch angesehen und mittlerweile unter die Schriftsteller gegangen ist. Er entführt die ungläubige Psychiaterin und versucht sie zu überzeugen, dass seine mutmaßlichen Wahnvorstellungen sich schnell bewahrheiten werden, wenn die Armee der Twelve Monkeys nicht aufgehalten wird. Schon bald kommen Dr. Railly Zweifel an ihrer ursprünglichen Haltung… und James‘ widerkehrender Alptraum nimmt immer mehr an Form an.

Wahrlich zeitlos

Terry Gilliam, seines Zeichens Mitbegründer der legendären Monty Python-Truppe und Regisseur von „Die Ritter der Kokosnuss“, „Time Bandits“, „Brazil“ oder „König der Fischer“, drehte 1995 das düster-dystopische Science-Fiction-Meisterwerk „Twelve Monkeys“ nach einem Drehbuch von David Webb Peoples und Janet Peoples. Inspiriert wurden die Autoren zweifellos durch den experimentellen französischen Kurzfilm „Am Rande des Rollfelds“ (OT: „La Jetée“) aus dem Jahr 1962, da es deutliche Parallelen in der Handlung zu finden gibt. „Am Rande des Rollfelds“ kam allerdings – mit Ausnahme einer Szene – nur mit Standbildern aus, über denen ein Erzähler und Darsteller-Stimmen aus dem Off gelegt wurden. Laut eigener Aussage kannte Terry Gilliam diesen Kurzfilm nicht, bis er ihn bei einem Screening von „Twelve Monkeys“ als Vorfilm sah. Chris Markers Kurzfilm war zwar innovativ und durchaus kreativ, bediente sich aber ebenfalls einer inspirierenden Vorlage. Diese lieferte nämlich kein geringerer als der Master of Suspense persönlich: Alfred Hitchcock.

Sein „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ (1958) inspirierte nicht nur Filmemacher wie Thriller-Spezialist Brian De Palma, dessen „Schwarzer Engel“ (OT: „Obsession“; 1976) und „Der Tod kommt zweimal“ (OT: „Body Double“; 1984) sich gleich doppelt vor Hitchcocks Inszenierung verbeugten, sondern wilderte inhaltlich ebenfalls in gedruckten Gefilden. Das Drehbuch basierte nämlich auf dem französischen Roman „Von den Toten auferstanden“ (OT: „D'entre les morts“; 1954) der Autoren Pierre Boileau & Thomas Narcejac. Um die Brücke zu „Twelve Monkeys“ zu schlagen, ist der wegweisende Hitchcock-Thriller auch in Terry Gilliams Werk verewigt worden: Gleich eine ganze Szene aus „Vertigo“ ist im Film zu sehen, in der Kim Novaks Charakter, der scheinbar vom Geist ihrer verstorbenen Urgroßmutter besessen ist, dem von James Stewart anhand der Ringe eines Baumstammes erklärt, wann sie geboren und wann gestorben ist. Speziell die Anspielung zum Thema Zeit hätte für einen Film wie „Twelve Monkeys“ nicht besser gewählt werden können. Nur einer von vielen cleveren Verweisen.

Affentheater

Nicht nur die Story von „Twelve Monkeys“ ist meisterhaft, auch darstellerisch kann sich der Geniestreich sehenlassen. Bruce Willis, der dank „Stirb Langsam“, dessen bleihaltiger Fortsetzung, „Last Boy Scout“ und nicht zuletzt „Pulp Fiction“ bereits in Hollywoods A-Liga aufgestiegen war („Hudson Hawk“ sei ihm verziehen…) und die Hau-drauf-Recken der 80er beerbte, wirkt hier äußerlich ähnlich abgefuckt, wie sein John McClane zu seinen blutüberströmtesten Zeiten… nur ohne den unsichtbaren Helden-Glanz. Vollgepumpt mit Beruhigungsmitteln, sich kaum auf zwei Beinen haltend, sabbert sein James Cole aus allen Mundwinkeln, während er hysterisch und scheinbar planlos brabbelnd versucht, das Schicksal der Menschheit zu verändern. Alles andere als strahlend, dafür durchaus eindringlich.

Allerdings muss Mr. Willis sich von einem jungen Brad Pitt an die Wand spielen lassen, der im gleichen Jahr als Darsteller in „Sieben“ im wahrscheinlich besten Psycho-Thriller überhaupt mitgewirkt hat. Als komplett durchgeknallter Jeffrey Goines brennt Pitt ein pures Feuerwerk an Wahnwitz ab. Gestik und Mimik waren voll auf den Punkt… und weit, weeeeit darüber hinaus, weshalb seine Leistung auch mit dem Golden Globe Award, dem Saturn Award und dem Blockbuster Entertainment Award gewürdigt wurde. Für den Oscar als Bester Nebendarsteller war Pitt 1996 ebenfalls nominiert, musste sich aber Kevin Spaceys Darstellung in „Die üblichen Verdächtigen“ geschlagen geben.

Dritte im Bunde ist die Golden Globe-Preisträgerin Madeleine Stowe, die die begehrte Trophäe für Robert Altmans Episoden-Film „Short Cuts“ einheimste. Für „Twelve Monkeys“ wurde die US-Amerikanerin mit einem Preis vom Science Fiction Magazine als Beste Schauspielerin ausgezeichnet. Darstellerisch zwar durchaus solide, bleibt Stowe – verglichen mit ihren Kollegen – leider etwas blass, was aber auch der Rolle der Psychiaterin Kathryn Railly geschuldet ist. Hervorzuheben sind noch ihre späteren Rollen in „Wehrlos – Die Tochter des Generals“ und „Wir waren Helden“.

Die ganze Affenbande brüllt…

Passend zum Filmstart im Jahr 1996 ist auch die Roman-Adaption von „Twelve Monkeys“ erschienen. Der Goldmann Verlag brachte das von der preisgekrönten Autorin Elizabeth Hand verfasste Buch zum Film in Deutschland raus, auf dem auch die Hörbuch-Fassung aus dem Ronin Hörverlag basiert. Eingesprochen wurde die ungekürzte Fassung (6 Std. 16 Min.) von Uve Teschner. Als deutsche Stimme von Lukas Haas in „Aufbruch zum Mond“ und Will Arnetts Deathstroke in „Teen Titans Go! To the Movies“ sollte Teschner bereits einem größeren Publikum bekannt sein. Auch Hörspiele und Hörbücher spricht er regelmäßig ein. Darunter die Reihen „The Lovecraft 5“ und „Die geheimnisvollen Fälle von Edgar Allan Poe und Auguste Dupin“. Neben „Twelve Monkeys“ liest Uve Teschner im Ronin Hörverlag noch die „Nexus“-Trilogie von Ramez Naam und Richard Morgans „Mars Override“.

Fazit:

Egal, wie man „Twelve Monkeys“ konsumieren möchte… als Film, Roman oder Hörbuch: Es ist und bleibt ein clever konstruiertes Meisterwerk, das jeder Science-Fiction-Liebhaber kennen sollte. Die Hörbuch-Fassung packt dank Uve Teschners eindringlicher Stimme bereits ab dem ersten Satz… und danach kommt man sowieso nicht mehr von der Geschichte los.

Twelve Monkeys (Hörbuch)

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