Der Gebannte: Das Reich der blauen Flamme 1

Erschienen: Februar 2021

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Lisa Reim-Benke
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Buch-Rezension von Lisa Reim-Benke Apr 2021

Der junge Theo ist Akrobat und reist mit seiner Zirkustruppe durch die Welt. Um sich etwas dazuzuverdienen, vertickt er an zwielichtige Gestalten auf dem Schwarzmarkt alles, was er unterwegs „findet“. Doch als er eines Tages eine Statue verkaufen möchte, zeigt sich, dass diese magische Kräfte besitzt. Eigentlich unmöglich, denn Magie wurde vor ewigen Zeiten durch einen Krieg vernichtet. Theos Handelspartner versuchen die Statue gewaltsam an sich zu reißen und ermorden dabei Theos Freund. Auf der Flucht trifft der Akrobat auf die ausgestoßene Assassinin Laviany, die ihren ehemaligen Kollegen zu entkommen versucht und ihre besten Tage schon hinter sich zu haben scheint. Das ungleiche Gespann flieht fortan gemeinsam vor seinen Jägern und versucht nebenher das Geheimnis um die verschwundene Magie zu lüften.

Optimismus, Gemotze und verirrte Seelen

Alexei Pehov kann man wohl mit Fug und Recht als einen der versiertesten Fantasy-Autoren überhaupt bezeichnen. Über seine Bestseller-Reihen „Die Chroniken von Siala“, „Die Chroniken der Seelenfänger“ und „Die Chroniken von Hala“ ist wohl jeder Fantasy-Fan schon einmal gestolpert (warum auch immer Werke der High Fantasy fälschlicherweise oft als „Chronik“ bezeichnet werden müssen, bleibt wohl für immer ein Rätsel). Nun also mit „Der Gebannte“ der Auftakt zu einer neuen Reihe (überraschenderweise keine Chronik). Allerdings bekommt man den Eindruck, dass Alexei Pehov so langsam die Ideen ausgehen. Alles wirkt ein wenig lieblos zusammengeworfen und der Versuch, mit Theo einen spannenden Protagonisten ins Rennen zu schicken, kann nur als gescheitert bezeichnen werden.

Theo ist einer der Charaktere, die man am liebsten einmal kräftig durchschütteln möchte. Er ist enervierend fröhlich und ätzend gut drauf. In einer düsteren Welt voller Gefahren mag er zwar für einen netten Kontrast sorgen, aber so richtig logisch ist sein Verhalten nicht. Aufgrund seiner unvorteilhaften Situation hat er nämlich eigentlich gar keinen Grund für seine Heiterkeit. Gerade eben hat er noch den gewaltsamen Tod seines Freundes miterleben müssen, schon stapft er wieder unbekümmert durch die Landschaft. Viel Tiefgang hat dieser Theo also nicht.

Das bemerkt auch seine zukünftige Reisegefährtin sehr schnell, die immerzu gegen den Drang ankämpfen muss, Theo umzubringen – angesichts seines nervigen Optimismus absolut verständlich. Überhaupt bietet die keifende und kratzbürstige Laviany, die ihre Sätze am liebsten mit einem Ausrufezeichen beendet, noch die beste Unterhaltung. Als Dritte im Bunde kommt schließlich noch Scheron dazu, die mit ihrer Gabe, verirrte Seelen den richtigen Weg zu weisen, für die dringend benötigte Portion Grusel und Spannung sorgt. Und damit hätten wir eine ziemlich inkompatible Truppe zusammen, die es im Laufe des Buches natürlich schafft sich zusammenzuraufen und gemeinsam durch den Plot zu stolpern.

Geschichtsstunden statt Abenteuer

Worldbuilding wird in diesem Buch großgeschrieben. Zumindest wenn es sich um Dinge handelt, die in der Vergangenheit stattgefunden haben. Dabei geht es im Wesentlichen um Leute mit magischen Fähigkeiten, die sich im Laufe der Historie gegenseitig die Köpfe eingeschlagen haben. Um die Leser mit diesen Informationen zu versorgen, lässt Pehov seine Figuren einfach darüber reden. Dass die Charaktere sich dabei oft Dinge erzählen, die sie schon wissen, wird ignoriert. Da fühlt man sich nicht nur als Leser, sondern auch als Buchfigur ganz schön veräppelt.

In ähnlicher Weise führt auch Pehovs Schreibstil nicht gerade zu phantastischen Höhenflügen. Die Sprache ist sehr schlicht und von kuriosen Metaphern durchsetzt, die zum verwirrten Innehalten einladen. Perspektiven werden gerne wild durcheinandergeworfen, bis man gar nicht mehr weiß, in wessen Kopf man sich eigentlich gerade befindet. Und wenn die Spannung droht, vollends den Geist aufzugeben, werden einfach neue Figuren eingeführt – nur um sie ein paar Seiten später über den Jordan zu schicken.

Fazit:

Dieses Buch ist eine einzige Exposition und dient allein dazu, Figuren, Historie und Konflikte einzuführen. Aber so richtig voran geht es dabei nicht. Das hat Alexei Pehov schon besser hinbekommen. An „Der Gebannte“ sollten sich deshalb nur Leser mit einem langen Atem wagen (der auch für die Folgebände reichen sollte – es kommen noch drei!).

Der Gebannte: Das Reich der blauen Flamme 1

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