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Marcel Scharrenbroich
BEI DER MACHT VON HAWKSBRIDGE… !!!

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Jul 2020

„Königin der Fey! Königin der Fey!“

Die Kirche hat das Sagen. Und dies macht sie auch mit aller Härte deutlich. Wer sich dem Kreuze nicht beugt, wird gnadenlos verfolgt und ausgelöscht. Die gefürchteten Roten Paladine, unter der Führung von Pater Carden, ziehen durchs Land und führen ihre Säuberung durch. Kreuzigen die Nicht-Gläubigen und Nicht-Menschlichen, um sie anschließend im lodernden Feuer ihrem Angebeteten zu übergeben. So trifft es auch das Dorf von Nimue, die dem Himmelsvolk angehört.

Nimue möchte einfach nur weg. Von den anderen Dorfbewohnern als Aussätzige angesehen, weil sie als kleines Kind von einem Bären attackiert wurde, der ihr den Rücken mit seinen mächtigen Pranken aufriss und sie für immer zeichnete. Gezeichnet von dunkler Magie, so die Vorwürfe ihres eigenen Volkes. Hinzu kommt ihre starke Bindung zu den Verborgenen, die Visionen hervorrufen und sie unkontrolliert Äste, Wurzeln und andere Holz-Gebilde verformen lassen. Dann winden sich silbrige Ranken, Airmeds Finger, auf ihrer Haut, bis ins Gesicht. Ein Grund, warum viele die Fey fürchten und als Hexen abstempeln. Der Status als Tochter der Erzdruidin verschafft Nimue immerhin eine gewisse Duldung. Trotzdem möchte sie nur noch weg. Da hilft auch keine Überredungskunst ihrer besten Freundin Pym. In der Hoffnung, Nimue von ihrem Vorhaben abzubringen, heftet sich Pym an ihre Fersen und sie reiten gemeinsam nach Hawksbridge. Hier will Nimue mit dem Schiff ablegen. Hinaus in die weite Welt…

Der Plan verläuft allerdings nicht reibungslos, da kein Schiff zum Ablegen vorhanden ist. Durch ein zufälliges Treffen mit dem Schlitzohr Arthur, wird es aber dennoch ein interessanter Abend… und nach einer kurzen Nacht beschließen die Mädchen, wieder gen Heimat zu reiten. Dort eröffnet sich ihnen aber ein Bild des Grauens: Die Roten Paladine sind über das Dorf hergefallen und tauchen es in ebenso rotes Blut, wie ihre markanten Kutten. Panik und Hektik regieren. In dem wilden Treiben wird Nimue von Pym getrennt. Voller Eile stürmt sie zu ihrer Mutter Lenore, der Erzdruidin. Doch… sie kommt zu spät. Blutüberströmt liegt Lenore vor dem Altarstein. Mit letzter Kraft übergibt sie ihrer Tochter einen in Sackleinen geschlagenen Gegenstand. Ein Schwert. Prächtig und verziert mit seltsamen Runen. Eine letzte Bitte… Nimue soll das Schwert einem Mann namens Merlin bringen.

Voller Wut und Hass flüchtet das Mädchen vor den Roten Paladinen. Lässt alles hinter sich… vollkommen auf sich allein gestellt. Doch von dem Schwert scheint eine seltsame Macht auszugehen. Eine Macht, die Nimue auf ihrem beschwerlichen Weg zwar nützlich wird, sie aber mehr und mehr vereinnahmt…

Kein Schwert im Stein…

…und auch sonst hat Autor Thomas Wheeler mächtig den Rührstab geschwungen, um die verschiedensten Zutaten mund- beziehungsweise lesegerecht zu zerkleinern. Dreh- und Angelpunkt ist die Artus-Sage, die Pate für „Cursed – Die Auserwählte“ stand. Diese wurde von Wheeler deutlich modernisiert und abgewandelt. Hinzu kommen aktuelle Themen, wie Vertreibung und Flucht. Und ich kann nichts anderes sagen, als dass dieser Genre-Mix für mich sehr gut funktioniert hat. Wir haben verschiedene Völker, Angst vor Fremden, Fanatismus, Magie, Gewalt und Rache. Dachte ich zuerst noch, dass die Geschichte wahrscheinlich eher auf jugendliche Leserinnen und Leser zurechtgeschnitten ist, änderte ich schnell meine voreingenommene Meinung, denn wenn Nimue zum Schwert greift, hagelt es schnell mal abgetrennte Körperteile. Natürlich kein Muss und auch kein zwingendes Kriterium für eine gute Geschichte, aber doch mehr als nur Mittel zum Zweck, da ein Zurechtstutzen auf ein jugendfreundlicheres Niveau die doch ernste und düstere Thematik verfälscht hätte. Zudem lässt Wheeler immer mal wieder ein Bömbchen platzen uns stellt nach und nach den Bezug zu Britanniens wohl bekanntester Mythologie her. Freilich geht er dabei sehr kreativ vor und besetzt bekannte Sagengestalten gehörig gegen den Strich, was diese Artus-Neuinterpretation umso interessanter macht.

Die Rückkehr des kantigen Kritzlers

Der Roman entstand in enger Zusammenarbeit mit Comic-Legende Frank Miller, der seit Jahrzehnten kein unbeschriebenes Blatt ist. Ende der 80er verpasste er DCs Aushängeschild Batman einen neuen Anstrich und hob den Fledermaus-Mann erfolgreich in die Erwachsenen-Literatur. Sein „Die Rückkehr des Dunklen Ritters“ gilt schon lange als wegweisendes Meisterwerk, auch wenn Millers eigener Zeichenstil immer wieder scharf diskutiert wird. Und… was soll ich sagen, ich kann mit seinen unförmigen und wenig ästhetischen Kreationen auch nicht wirklich viel anfangen. Um es positiver auszudrücken könnte man sagen, dass Frank Millers Illustrationen einen hohen Wiedererkennungswert haben. Klingt nicht so hart, als wenn man sagen würde, dass sie Scheiße aussehen, nicht wahr?

Für MARVEL zeichnete Miller zuvor schon Daredevil und schuf zudem die Assassine Elektra. Auch an Wolverine legte er Hand an. Bei DC folgten Werke wie „Batman: Year One“, „Ronin“ oder die Dark Knight-Fortsetzungen „Der dunkle Ritter schlägt zurück“ und „DKIII“ (auch bekannt als „Batman: Die Übermenschen“). Nach seinem Wechsel zum Dark Horse Verlag schrieb er „Hard Boiled“ und fand dort auch eine Heimat für seinen brutalen Dauerbrenner „Sin City“. Dieser wurde ebenso verfilmt, wie seine stylishe Schlachtplatte „300“. In die Produktion von Robert Rodriguez‘ „Sin City“ war Miller so tief involviert, dass er wohl Blut geleckt hatte. 2008 übernahm er die Regie bei der Comic-Verfilmung „The Spirit“, basierend auf Will Eisners maskierten Detektiv aus den 40er-Jahren. In einem ähnlichen Stil gedreht wie „Sin City“, ging Miller damit aber mit Pauken und Trompeten unter… da konnten auch Scarlett Johansson und Samuel L. Jackson nicht mehr viel bis gar nichts retten.

Frisch erschienen ist Millers Dark Knight-Ableger „Das Goldene Kind“, bei dem er die visuelle Inszenierung aber dem Zeichner Rafael Grampá überließ. Dafür griff er für „Cursed – Die Auserwählte“ zum Stift und unterstütze Thomas Wheeler mit zahlreichen Zeichnungen, die es auch in der deutschen Ausgabe von FISCHER Tor zu sehen gibt. Ob dies nun ein Grund zum hemmungslosen Radschlagen ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, aber unterstützend zur Geschichte tun die Illustrationen niemandem weh und können als nettes Beiwerk gesehen werden. Die meisten dieser Zeichnungen sind in schwarz-weiß gehalten und so rau und kernig, wie man es von Frank Miller gewohnt ist. Hin und wieder gibt es dann aber auch farbige Bilder, die auf hochwertigeres Papier gedruckt wurden und sich auch schon mal über eine Doppelseite erstrecken. Allerdings passen diese seltsamerweise so gut wie nie zum aktuellen Handlungspunkt der Geschichte, was leicht irritieren kann.

Nimue goes NETFLIX

Nur kurz nach der deutschen Veröffentlichung des Romans, ging „Cursed – Die Auserwählte“ auch schon in Serie. Auf dem Umschlag prangt bereits das NETFLIX-Logo. Dass dies aber nicht immer ein Qualitäts-Siegel sein muss, sehen wir bereits nach wenigen Szenen. Es sei gleich gesagt, dass wenn man auf der Suche nach einer „Game of Thrones“-Alternative sein sollte, einen großen Bogen um „Cursed – Die Auserwählte“ machen sollte. Und wer mit NETFLIX‘ „The Witcher“-Umsetzung schon nicht viel anfangen konnte, wird hiermit ganz bestimmt erst recht nicht glücklich.

Die meisten Elemente des Buches wurden zwar übernommen und ganze Dialoge und Abläufe finden sich auch 1:1 in der Serie wieder, aber es hapert dennoch an der Umsetzung… obwohl Serie und Buch parallel entstanden und sowohl Wheeler als auch Miller in die Produktion involviert waren. Alles, was im Roman noch so gut und schnörkellos funktioniert, wirkt hier unbeholfen und irgendwie aus der Not geboren. Das fängt bei den Kulissen an, die auch danach aussehen, geht bei unnötigen Änderungen weiter und hört bei den überfordernd wirkenden Darstellern auf. Der TV-Nimue, verkörpert von Katherine Langford („Tote Mädchen lügen nicht“, „Love, Simon“, „Knives Out - Mord ist Familiensache“), nehme ich zu keiner Zeit ihre Rolle ab. Sie bleibt blass und wenig sympathisch… was für den Großteil des Casts gilt. Taucht im Buch der Weinende Mönch auf, wird es zappenduster und es geht eine gewisse Bedrohlichkeit von ihm aus (Kylo Ren-Vibes, bevor er die Maske abnimmt). Sieht man diesen dann in der Serie, weiß ich nicht, ob ich Lachen oder selbst Weinen soll. Daniel Sharman, bekannt aus „Teen Wolf“, „The Originals“ oder „Fear The Walking Dead“, stellt mal so gar nichts Düsteres vor und wenn seine „Tränen“ eher danach aussehen, als wäre ihm der Kajalstift mitten im Gesicht explodiert, kann ich mir das auch mit viel Wohlwollen nicht mehr schönreden. Hier schreit wirklich alles nach „Schnellschuss“. Und bei den ach so gefürchteten Roten Paladinen handelt es sich um stinknormale Mönche in Schlappen, denen man die Kutten in schickes Bordeaux-Rot gefärbt hat. Macht zwar ‘nen schmalen Fuß, könnten aber scheinbar von Jedem aus dem Kaftan gestoßen werden… dazu bräuchte es kein mächtiges Schwert.

Fazit:

Fassen wir kurz zusammen: Wer mit der Entscheidung spielt, sich entweder die Serie anzuschauen ODER das Buch zu lesen, sollte eindeutig zu Thomas Wheelers Roman greifen. Der liest sich wie von selbst, hält sich nicht mit unnötigen Längen auf, ist nicht zimperlich was die Schlacht-Szenen angeht und trumpft immer wieder mit einigen Wendungen auf. Geradlinige Fantasy, ohne seitenlanges Geschwurbel und ausuferndes Worldbuilding.

Cursed - Die Auserwählte

Cursed - Die Auserwählte

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Letzte Kommentare:
13.06.2020 12:56:36
PMelittaM

Die Artus-Saga kennt wohl jeder, zumindest eine der vielen Adaptionen, sei es in Buch- Film, Serien- oder anderer Form. Thomas Wheeler hat nun eine weitere hinzugefügt, die in meinen Augen überraschend neu ist.

Im Mittelpunkt steht hier Nimue, eine 16jährige Fey, deren Dorf von den Roten Paladinen überfallen und vernichtet wird, und die in den Besitz eines besonderen Schwertes kommt. Neben Nimue gibt es eine ganze Reihe weiterer Charaktere der Artus-Saga: Merlin, Uther Pendragon, Arthur, Morgan(a), Percival, Lancelot, Gawain, Guinevere – alle in Rollen, in denen man sie so nicht kennt. Merlin ist schon fast eine Karikatur seiner selbst, versoffen, seiner Magie beraubt, Arthur nicht der strahlende Held, als den man ihn kennt – über die anderen könnt ihr selbst lesen.

Auch hier wird das Verhältnis der alten Religionen zur neuen, dem Christentum, thematisiert. Die Roten Paladine jagen und vernichten alles, das nicht in ihre Religion passt, und das äußerst brutal. Ganz oben auf der Liste stehen die Fey – und diese sind dem Autor phantastisch gelungen, die verschiedenen Ausprägungen sind interessant und phantasievoll und stehen dem Leser schnell bildlich vor Augen. Dass sie gejagt werden, ist umso tragischer.

Leider bleiben alle Charaktere ziemlich blass und kommen mir wenig nahe, und das ist sehr schade. Gerade zu Nimue hätte ich mir mehr Verbindung gewünscht. Am interessantesten, je mehr ich über ihn las, wurde für mich Merlin. Als weniger interessant als zunächst gedacht, entpuppte sich der Weinende Mönch, auch wenn er eine Überraschung birgt. Seine Entwicklung gegen Ende konnte ich bei allem, was er vorher tat, nicht ganz nachvollziehen.

Es brauchte etwa ein Drittel des Romans, bis er mich packen konnte, doch dann ließ er mich nicht mehr los. Ich denke, das lag u. a. daran, dass ich mit den Charakteren nicht warm wurde, aber auch an den abschreckenden Taten der Roten Paladine, die sehr explizit beschrieben wurden.

Die größte Überraschung war für mich das Ende, das nicht nur offen, sondern cliffhangermäßig ist, und nach einer Fortsetzung verlangt. Dass es diese tatsächlich geben wird, konnte ich der Danksagung des Autors entnehmen, vorher hielt ich den Roman für einen Einzelband. Dass Netflix aus der Geschichte eine Serie entwickelt hat, die noch 2020 ausgestrahlt hat, wusste ich dagegen schon vorher – ich bin gespannt.

Erwähnenswert sind natürlich noch Frank Millers Illustrationen, die sicher nicht jedem gefallen werden, die dem Roman aber einen ganz eigenen Touch verleihen. Innerhalb der Geschichte sind sie schwarzweiß, am Ende finden sich ein paar in Farbe.

Der Roman konnte mich nicht sofort packen, doch dann ließ er mich nicht mehr los. Er ist eine überraschend neue Adaption der Artus-Saga, die ich interessant finde. Man darf gespannt sein, was sich der Autor für die Fortsetzung einfallen lassen wird. Wer die Artus-Saga kennt und offen für bekannte Charaktere in anderen Rollen ist, sollte sich diesen Roman nicht entgehen lassen. 82°

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