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Michael Drewniok
Erbschaft mit dies- und jenseitigen Konsequenzen

Buch-Rezension von Michael Drewniok Dez 2020

Jung-Student A. - seinen Namen erfahren wir nie - verlässt das heimatliche England in Begleitung seiner Freundin Niamh, als ihm ein entfernter, zuvor nie bekannter Verwandter ein reiches Erbe hinterlässt. Ambrose Wells starb unverhofft, als er (sich) aus dem Fenster seines Schlafzimmers stürzte. Nur in Begleitung des Butlers Strückner residierte er in Axton House, einer riesigen Villa, die vor vielen Jahren abseits des Städtchens Point Bless im US-Staat Virginia erbaut wurde.

Erst vor Ort erfahren A. und Niamh vom allseits schlechten Ruf dieses Anwesens. Einst war es Stammsitz einer Familie brutaler Sklavenhalter, die ein verdient trauriges Ende nahm. Schon aus dieser Zeit stammt ein Gespenst, das in den Mauern von Axton House umgehen soll. Anfang des 20. Jahrhunderts übernahmen die Wells den Besitz. Auch sie wurden vom Unglück verfolgt; wie nun der Sohn sprang einst Vater John aus demselben Fenster in den Tod.

Als A. und Niamh ihr neues Heim erforschen, stoßen sie auf Hinweise, dass Axton House Zentrum einer von Ambrose angeführten Geheimgesellschaft war. Diverse verschlüsselte Nachrichten werden mühsam entschlüsselt, aber an die Stelle jedes gelösten Rätsels treten neue Mysterien. Offenbar ist es keineswegs ungefährlich, Mitglied der mysteriösen Gemeinschaft zu sein. Ambrose hinterließ diesbezüglich (leider kryptische) Warnungen, die A. und Niamh ignorieren. Dabei hat Axton House vor allem A. längst in seinen unheilvollen Bann gezogen. Es spukt hier tatsächlich, aber auch die diesseitige Welt hat großes Interesse an den von der Gesellschaft gehorteten Geheimnissen und ergänzt Grauen durch Gewalt …

Eine rätselreiche Geistergeschichte

„Mörderische Renovierung“ gehört zu den Büchern, deren objektive Wertung durch subjektiv empfundene Fehlentscheidungen (unnötig) erschwert wird. Dies beginnt mit einem absolut sinnfreien deutschen Titel: In Axton House wird niemand jemals handwerklich tätig. Stattdessen geht es um jene im Originaltitel angedeuteten übernatürlichen Anreicherungen oder Aspekte der Realität, die in diesen Mauern erforscht sowie buchstäblich gespeichert und gelagert werden.

Ebenfalls irritiert die Konzentration auf die Tatsache, dass der Autor Katalane ist, was aus unerfindlich bleibenden Gründen seine Kompetenz zu erhöhen scheint. Wohl ebenfalls primär der Werbung geschuldet ist jener Wink mit dem Zaunpfahl, dass Edgar Cantero mit „Mörderische Renovierung“ auf den Spuren von H. P. Lovecraft wandelt. Der hatte mit „southern gothic“ oder massenmörderischen Söldnern freilich nichts am Hut und verortete ‚seinen‘ Horror in der Regel in Neu-England.

Faktisch präsentiert uns Cantero eine Mischung aus Mystery, Grusel und Thriller, wobei die Grenzen nicht so fließend sind, wie ihm dies vorgeschwebt haben mag. Tatsächlich weist die Story Brüche und Sprünge auf, die nur deshalb nicht gar zu deutlich werden, weil Cantero sein Werk stilistisch aufpeppte, indem er eine stringente Erzählung verwarf, sondern „Mörderische Renovierung“ als Mischung aus Tagebucheinträgen, schriftlich fixierten Tonaufnahmen, Briefen u. a. Dokumenten konzipiert, die oft unvollständig sind. Es entstehen Kenntnislücken, die erst durch weitere Informationen gefüllt werden. Als Leser muss man (jedoch nicht allzu) aufmerksam bleiben, um entsprechende Hinweise zu erkennen und korrekt einzusortieren.

Die übliche Erwartung, die nicht erfüllt werden kann

Das Konzept ist nicht neu; schon Bram Stoker hat sich seiner 1897 für seinen Vampir-Klassiker „Dracula“ bedient. Es funktioniert und ist reizvoll, wenn es der Autor beherrscht. Dies gilt für Cantero nur bedingt. Er vermag sehr gut den ‚Tonfall‘ zu wechseln, wenn er die Perspektive wechselt und beispielsweise aus einem Sachbuch ‚zitiert‘. (Die Frage bleibt, wie sehr Cantero in der deutschen Fassung dabei von der  vorzüglichen Übersetzung profitiert.) Gleichzeitig übertreibt er es, zeigt aufwändig gefakte Dokumente, die (wie die Tierheim-Quittung für Hund Help), für das Geschehen unwichtig sind. Vor allem schwelgt er zu intensiv in Anleitungen zur Dechiffrierung geheimer Botschaften. Viele Seiten werden wir mit einschlägigen Infos malträtiert: Cantero glaubt fälschlich Spannung durch extensiv beschriebene Fehlversuche zu generieren, während wir wissen, dass die Entschlüsselungen letztlich gelingen werden und mit zunehmender Ungeduld auf ihre Ergebnisse warten.

Nachdem A. und Niamh ihre durchaus spannend geschilderte Schnitzeljagd erfolgreich beenden, fällt die Spannungskurve ab. Dafür ist einerseits die bekannte Tatsache verantwortlich, dass die Lösung eines Rätsels mit dem Weg dorthin praktisch nie mithalten kann. Weder wirkt die Geheimgesellschaft besonders geheimnisvoll, noch findet sich in den Kellern von Axton House etwas, das so nicht schon in zahllosen Büchern, Filmen oder TV-Serien zum Vorschein gekommen wäre.

Wesentlich folgenschwerer ist Canteros Beschluss, für das Finale den bisher kultivierten Mystery-Grusel weitgehend auszublenden: Söldner sprengen die Gesellschaft, foltern, schießen um sich und bringen Gewalt dorthin, wo bisher das Geheimnis zumindest dominieren sollte. Zwar versucht Cantero durch einen Finaltwist, der dies wieder relativiert, wieder in die alte Spur zu kommen, doch nüchtern betrachtet fügt sich diese Auflösung nur, weil der Autor sie erzwingt.

Kann eine Geschichte nicht einfach eine Geschichte sein?

Mit bekannten Tricks möchte Cantero seine Figuren feinzeichnen. Sehr offensichtlich wird das im Fall Niamh, die stumm ist und sich per Stift oder technische Hilfsmittel artikuliert. A. macht schon durch seine Namenlosigkeit klar, dass er nicht der simple Jüngling ist, der arglos in ein gefährliches Abenteuer stolpert. Cantero spart nicht mit weiteren Andeutungen (oder mit Nebenfiguren, die sich irgendwann in Luft auflösen). Ein ulkig-mutiger Hund treibt bereits filmtaugliche Possen.

Die Story holpert und schlingert, hier und da ist sie fadenscheinig. Der ‚echte‘, seitenstark eingeführte Spuk von Axton House ist nur von marginaler Bedeutung für das Geschehen. Viele Kritikpunkte also, aber nichtsdestotrotz bietet „Mörderische Renovierung“ soliden Lektürespaß. Man muss sich von überzogenen (und fahrlässig geschürten) Erwartungen befreien, damit sich dieser Effekt einstellt. Dies ist keine literarische Offenbarung, keine Wiedergeburt der Phantastik, sondern ein temporeiches Garn, dessen Autor sich fleißig aus Buch- und Filmvorlagen bedient.

Handwerklich ist „Mörderische Renovierung“ ein hochwertiges Druckwerk. Angenehm liegt es in der Hand; eine Formulierung, die erfahrene Leser problemlos entschlüsseln und als Pluspunkt werten. Layout und Druckbild ergänzen die Handlung, die Übersetzung ist wie schon erwähnt ausgezeichnet. (Unklar bleibt übrigens, wieso die Geschichte ausgerechnet 1995 spielt.)

Fazit:

Obwohl keineswegs die angekündigte Phantastik-Sensation, sondern ein primär stilistisch ‚verfremdetes‘ Mystery-Garn der unterhaltsamen, aber nicht originellen oder fehlerfrei erzählten Sorte, sorgt dieses (hierzulande fragwürdig betitelte) Werk für Lese-Spaß, sofern es gelingt, sich von überzogenen Erwartungen zu befreien.

Mörderische Renovierung

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