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Michael Drewniok
Dreizehn (meist schreckliche) Schlupflöcher zum Jenseits

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2020

- Erckmann-Chatrian: Das unsichtbare Auge oder Die Herberge der Gehenkten (L‘œil invisible ou l‘auberge des trois pendu, 1862), S. 7-24: In der alten Stadt Nürnberg lockt eine böse Hexe arglose Männer in einen grausamen Tod.

- Fitz-James O’Brien: Die Diamantlinse (The Diamond Lens, 1858), S. 25-51: Der Mikrokosmos ist eine wahrhaft zauberhafte Welt, doch seine Bewohner sind überaus empfindlich.

- Vernon Lee: Die verruchte Stimme (A Wicked Voice, 1890), S. 52-79: Im Streben um das absolute musikalische Meisterwerk scheut ein ehrgeiziger Komponist nicht vor Hilfe aus dem Jenseits zurück, was sich als zweischneidiges Schwert erweist.

- Ambrose Bierce: Angemessene Umgebung (The Suitable Surroundings, 1891), S. 80-88: Wer eine wirklich gruselige Geschichte lesen will, tue dies - mit garantiert spektakulären Folgen - in diesem Spukhaus.

- Francis Marion Crawford: Kabine 105 (The Upper Berth, 1894), S. 89-111: In der engen Kabine lernt der Schiffsreisende des Nachts seinen grausigen Bettgenossen kennen.

- Paul Busson: Die Kleinodien des Tormento (1905), S. 112-125: Elf mystische und wunderschöne Frauen kann man mit ihnen heraufbeschwören, aber es drängt den jungen Mann natürlich zur Nummer 12, vor der ausdrücklich gewarnt wird.

- Maurice Renard: Das Stelldichein (Le rendez-vous, 1909), S. 126-158: Die hypnotische Macht über die Geliebte sichert ihm unvergessliche Stunden, doch seine Begeisterung schwindet abrupt, als selbst der Tod den Bann nicht lösen kann.

- Howard Phillips Lovecraft: Die Aussage des Randolph Carter (The Statement of Randolph Carter, 1920/25), S. 159-165: Zwei Nachwuchs-Satanisten übernehmen sich gewaltig, als sie die Grabstätte eines üblen Hexers schänden.

- Lady Cynthia Asquith: Der Verfolger (The Follower, 1935), S. 166-171: Eine Frau gerät an einen bösen Geist, der sie ausgesprochen hartnäckig verfolgt.

- Thomas Owen: Von Staub bist du ... (Tu es poussière …, 1943), S. 172-184: Den Reisenden verschlägt es in einen Ort, wo die Verstorbenen auf eigenen Beinen zum Friedhof gehen.

- Jean Ray: Das Sauerkraut (La choucroute, 1947), S. 185-192: Ein anderer Reisender strandet in einem Städtchen, das ganz gewiss nicht von dieser Welt ist.

- Robert Aickman: Wechselgeläut (Ringing the Changes, 1964), S. 193-224: Die einsame Hafenstadt bietet dem frisch getrauten Urlauberpaar eine abscheuliche Attraktion, denn hier ‚feiern‘ die Lebenden gemeinsam mit den Toten.

- Ramsey Campbell: Napier Court (Napier Court; 1971), S. 225-242: Im Fieber verschmilzt der graue Lebensalltag der jungen Frau mit dem Spuk, der in ihrem Haus umgeht.

- Kalju Kirde: Nachwort, S. 243-250

- Über die Autoren, S.  251-257

- Quellen, Copyright-Vermerke und Übersetzungshinweise, S. 258/59

Vom Hau-drauf- zum War-da-was?-Spuk

1979 stellte Kalju Kirde (1923-2008), der sich (nicht nur, aber auch bzw. besonders) gut in der phantastischen Literatur auskannte, diese inzwischen in Vergessenheit geratene Sammlung klassischer und (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung) moderner Gruselgeschichten zusammen. In seinem Nachwort legt er Wert darauf, nicht einfach unheimliche Erzählungen zu präsentieren, sondern betont einen roten Faden: Kirde möchte die Entwicklung verdeutlichen, die das Horror-Genre im Laufe eines Jahrhunderts (genauer: zwischen 1858 und 1971) nahm.

Sie lässt sich kurz so zusammenfassen: „Wenn in den älteren Geschichten der Höhepunkt sogar einen Ringkampf mit dem äußerst aggressiven Phantom nicht ausschließt, werden die Erscheinungen in den späteren Geschichten nicht so objektiv vordergründig und handgreiflich geschildert. In der letzten Erzählung des Bandes huschen die Gespenster fast unsichtbar und unhörbar an der Heldin vorbei, und es bleibt dem Leser überlassen, ob er sie als übernatürliche Erscheinungen oder als Trugbilder und Halluzinationen der neurotischen Frau ansieht.“ (S. 248)

Dieser Rezensent möchte ergänzend darauf hinweisen, dass dem genannten Leser ebenso die Entscheidung überlassen bleibt, ob er dies unbedingt als Fortschritt werten möchte. Kirde gehört jener Fraktion an, die den (literarischen) Horror über die Subtilität des jenseitigen Wirkens bestimmt/e. Er ist dabei nicht so unerbittlich bzw. unter Scheuklappen gefangen wie andere Kritiker, doch der Unterton schwingt deutlich mit. Seither ist die Emanzipation des Horrors vorangekommen, auch wenn die genannten Einwände keineswegs verstummt sind. Dennoch die Unterhaltung ist endlich zu einem Faktor geworden, der sich gegen den ‚Wert‘ eines Werkes behaupten kann.

Bunter, zeitlos spannender Grusel

Den von Kirde erwähnten „Ringkampf“ inszeniert Francis Marion Crawford (1854-1909) in einer der besten Gespenstergeschichten aller Zeiten. Hier stimmt einfach alles: Kulisse, Timing, Tonfall und die Anwesenheit wackerer Engländer, die sich einem wahrlich schrecklichen Phantom entgegenstellen - und scheitern. „Handfest“ geht es auch bei Émile Erckmann (1822-1899) und Alexandre Chatrian (1826-1890) zu, die ein erstaunlich zünftiges, d. h. auch heute noch funktionstüchtiges Garn spinnen und dabei stimmungsvoll das mittelalterlich wirkende Nürnberg als Ort des schaurigen Geschehens nutzen.

Dass Ambrose Bierce (1842-1913/14) ebenso nüchtern wie eindrucksvoll eine Gruselstory erzählt, die das Übernatürliche ausklammert, sondern die Primärquelle des Schreckens im Menschenhirn verortet, straft den Herausgeber eigentlich Lügen, zumal auch Vernon Lee (1856-1935) keine Totenköpfe tanzen lässt. Paul Busson (1873-1924) ist inhaltlich und stilistisch so tief in der mythischen Phantastik des frühen 20. Jahrhunderts verwurzelt, dass man darauf einstellen muss, denn die Form ist dem Inhalt mindestens gleichwertig. (Wohl gerade deshalb wirkt Bussons Geschichte in dieser Sammlung ganz und gar altmodisch.)

Wieder deutlicher zur Sache gehen Maurice Renard (1875-1939), Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) und Cynthia Asquith (1887-1960), wobei letztere nicht mithalten kann; ihre finale Auflösung überrascht heute nicht mehr, während Renard und Lovecraft eigentlich ebenfalls vorhersehbare Geschehen wesentlich beeindruckender gestalten.

Die Angst - manchmal vergnüglich, dann wieder bitterernst

Nicht immer sind es klassische Spukgestalten, die den Leser erstaunen und irritieren sollen. Aus heutiger Sicht allzu sentimental, aber einfallsreich beschreibt der jung im Amerikanischen Bürgerkrieg gefallene Fitz-James O'Brien (1828-1862) eine nicht furchteinflößende, sondern bizarre ‚Gegenwelt‘, deren Regeln dem ‚Besucher‘ mit unerfreulichen (oder wenigstens überraschenden) Konsequenzen verborgen bleiben. Wie so etwas unter Meisterhänden Lektürevergnügen schafft, demonstrieren Thomas Owen (1910-2002) und Jean Ray (d. i. Raymundus Joannes de Kremer, 1887-1964), die trügerisch dokumentarisch surreale Ereignisse schildern.

Mit Robert Aickman (1914-1981) und Ramsey Campbell (*1946) kommt der von Kirde gesammelte Horror in der (zeitgenössischen) Gegenwart. Während man Campbell vor allem für die Eleganz seiner in der Tat unerbittlich forcierten Auflösung eines Geistes bewundert (aber die Protagonistin für eine Nervensäge hält), gelingt Aickman das Kunststück, den Horror in eine nicht bereits gestörte Alltagswelt einfließen zu lassen. Obwohl die wandelnden Leichen nie direkt geschildert werden, sind sie ungemein präsent - und schauerlicher als jeder ‚normale‘ Zombie!

Zwar gelingt es dem Herausgeber nur bedingt, die aus seiner Sicht festgestellte Evolution des geschriebenen Schreckens plausibel darzulegen. Dies lässt sich leicht verschmerzen, denn Kalju Kirde hat (seinerzeit wie heute) seltene Gruselgeschichten zusammengetragen, kommentiert und seinen Lesern außerdem die Autoren und ihre Werke vorgestellt. Den trashigen (aber auf seine Weise ebenso unterhaltsamen) Pulp-Horror hat er ignoriert und der ‚literarischen‘ Qualität den Vorzug gegeben. Dem Lektüre-Vergnügen tut das in diesem Fall keinen Abbruch.

Fazit:

13 Kurzgeschichten decken ein Jahrhundert literarische Phantastik ab. Vom ‚handfesten‘ Gespenst bis zum buchstäblichen Hirngespinst reicht das Spektrum. Beinahe sämtliche Storys sind außerordentlich unterhaltsam und bilden eine erstklassige (zudem vom Herausgeber kundig kommentierte) Zusammenstellung.

Das unsichtbare Auge

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