Derrière La Porte: Elf sonderbare Kurzgeschichten

Erschienen: November 2019

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Marcel Scharrenbroich
„Die Phantasie kann natürlich jede Tür öffnen, den Schlüssel drehen und dem Terror Platz machen.“ - Truman Capote (US-amerikanischer Schriftsteller und Schauspieler; 1924 – 1984)

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Mai 2020

Er kann auch „kurz“!

Zu seinem Debüt lobte ich noch Michael Leuchtenbergers lebendigen und lebensnahen Schreibstil, der seinen Erstling „Caspars Schatten“ überaus bedrohlich und zugleich real erscheinen ließ. Eine Geschichte, die Dir und mir hätte wiederfahren können… Du triffst nach langer Zeit einen alten Schulkameraden, feierst mit ihm, denkst an nichts Böses… doch dann läuft alles aus dem Ruder. Langsam, nicht von einem Moment auf den anderen. Unbehagen stellt sich ein. Der leise Verdacht, dass die vielen Jahre, die Du keinen Kontakt mehr mit dem alten Freund hattest, noch nicht genug waren. Um solch eine Stimmung beim Leser zu erzeugen, braucht es keinen Holzhammer. Es braucht Zeit. So gerne man wahrscheinlich schon beim Schreiben die Keule auspacken würde - da man das eigene Ziel ja bereits fest vor dem inneren Auge hat -, um dem Leser endlich richtig eins überzuziehen, muss man als Autor noch mit angezogener Handbremse fahren. Man will den Konsumenten mit Schrittgeschwindigkeit in Sicherheit wiegen… bevor man urplötzlich das Gaspedal durchtritt und die Reifen quietschen lässt, als hätte die Autobahn nur noch heute keine Geschwindigkeitsbegrenzung! Wenn Du den Leser bis zu diesem Punkt lotst, ohne dass er zwischenzeitlich aus dem Beifahrerfenster gehüpft ist, um den Rest der Strecke lieber zu Fuß zurückzulegen, hast Du entweder ein hartnäckiges Publikum, das selbst das Impressum in Klatsch-Magazinen liest, oder Du hast das gewisse Händchen fürs Storytelling, das die Leser mit großen Augen an die Buchseiten fesselt. Tja, im Falle von „Caspars Schatten“ traf für mich eindeutig die zweite Möglichkeit zu, weswegen ich auf weiteren Stoff des Autors sehr gespannt war.

Während Michael Leuchtenberger noch in den Arbeiten seines zweiten Romans steckt, hat er einen kleinen aber feinen Band mit Kurzgeschichten herausgebracht. Elf Stück an der Zahl. Und siehe da: Auch das funktioniert sehr gut. Vor allem, da sich kein roter Faden durch die Geschichten zieht und diese thematisch und stilistisch nicht unterschiedlicher sein könnten…

„Die Tür zum Guten ist schwierig zu öffnen.“
- chinesisches Sprichwort

Das Archiv handelt von einem Schriftwechsel zwischen Johannes Meerbusch, einem Sachbearbeiter im Prüfungsamt der Hochschule, und einer Psychologin, die ein Gutachten über dessen seelische Verfassung erstellen soll. Besser gesagt, handelt es sich um einen Erlebnisbericht. Nachdem eine große Aufräumaktion in der Abteilung stattfand, förderte diese eine Schachtel voller ungekennzeichneter Schlüssel zutage. Eifrig werden diese nun ausprobiert, um das passende Schloss zu finden. Ein einziger Schlüssel bleibt übrig. Meerbusch wird die Ehre zuteil, das passende Gegenstück zu diesem Türöffner zu finden… da fällt ihm das Altarchiv ein. Im dunklen und verlassenen Untergeschoss des Gebäudes.

Das Highlight des Sommers steht an… das Lampionfest! Seit Jahren Tradition und beliebt bei Jung und Alt. Auf dem Campingplatz wird gelacht, gegessen, getanzt und getrunken. Judith und ihr Mann Olli freuen sich, wie alle, auf dieses gesellige Beisammensein… doch dieses Jahr ist irgendwas anders. Judith kann es nicht beschreiben, doch es ist, als würde ein dunkler Schatten über dem Abend schweben. Als hätte sie es in ihrer depressiven Stimmung vorausgeahnt, soll sich bald die wahre Fratze ihrer sogenannten Freunde zeigen…

Frankreich, 1764. In einem kleinen Haus am Waldrand, abseits des Dorfes, lebt der junge Auguste mit seinem Vater. Die Stimmung ist gedrückt, denn erst kürzlich verschwand ein Mädchen aus der Nachbarschaft. Anwohner berichteten von nächtlichen Schreien aus dem Wald, doch eilig organisierte Suchtrupps fanden keine Spur von Jeanne. Auguste ist mit seinen Gedanken jedoch nur bei Catherine. Jenem Mädchen, das er seit frühester Kindheit kennt und welches ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. Sein Vater soll nicht wissen, dass er sich heimlich mit Catherine trifft, also gibt Auguste vor, noch einmal das Haus zu verlassen, um Milch auf dem Bauernhof der Familie Mauras nachzufüllen. Voller Vorfreude auf ein Wiedersehen mit seiner Geliebten, macht er sich auf in die Nacht. Doch anstelle in die strahlend schönen Augen von Catherine, blickt er in Die schwarzen Augen einer Bestie…

Die nächste, kurze Erzählung dreht sich um eine Korrespondenz zwischen Zwei Inseln, die dem realen Horror ausgesetzt sind. Der Natur… und dem Unvermeidlichen. Unter dem Betreff Hallig grüßt Atoll sprechen sich zwei Frauen in einem Online-Portal Mut zu.

Mathieu kommt aus Frankreich und findet Unterschlupf in einem Zimmer, das regelmäßig an Reisende vermietet wird. Dank der modernen Technik findet sich so mit ein paar Klicks auf dem Smartphone schnell und unkompliziert eine Unterkunft für die Nacht. Mathieu und sein Kurzzeit-Vermieter verstehen sich auf Anhieb. Der wissbegierige und energiegeladene Franzose lebt sich so gut ein, dass er seinen Aufenthalt spontan um ein paar Tage verlängert. Schließlich gibt es auf Reisen eine Menge zu entdecken. Nachts verfinstert sich aber nicht nur der Himmel, sondern auch Mathieus Verfassung. Unruhig und nicht in den Schlaf kommend, bleibt dies auch seinem Vermieter nicht verborgen. Es herrscht Redebedarf… und Mathieu öffnet sich. Er erzählt von Marie Marais, die ihn bis in seine Träume verfolgt…

Wenn Dein Name an der Tür steht, eindeutig auf dem Klingelschild zu entziffern, bist Du dort auch zuhause, richtig? Bin ich das?

Eva hat schon seit Ewigkeiten nichts mehr von ihrer früheren Freundin gehört. Bestimmt 15 Jahre ist es her, dass Adrianas und ihr gemeinsamer Weg sich in verschiedene Richtungen gabelte. Wie es nun mal so ist, wenn man erwachsen wird und dem eigenen Ruf des Lebens folgt. Umso überraschter war Eva, als Adriana sich kürzlich bei ihr meldete und erzählte, dass sie kurzzeitig in die Stadt käme. Sie machten ein Treffen auf einem Kunstflohmarkt aus, durch dessen Gänge nun eine nervöse junge Frau auf der Suche nach ihrer alten Freundin streift, die dort einen Stand hat. Nervös deshalb, weil der Kontaktabbruch eigentlich von Eva ausging, da Adrianas spleenige und etwas verrückte Art für sie nicht mehr tragbar war. Zum anderen, weil Adriana ihr etwas geben wollte. Das Treffen mit der Künstlerin verläuft entsprechend kurz und einseitig herzlich… von Evas Standpunkt aus gesehen. Das Geschenk der Malerin nimmt sie dennoch an, auch wenn sie nicht weiß, was sie mit dem Gemälde anfangen soll. Wieder zuhause angekommen, nimmt Eva Das schwarze Bild genauer in Augenschein und erkennt, dass Adriana sich mehr Gedanken gemacht hat, als es auf den ersten Blick erscheint.

Radegundes Kamm gleitet täglich durch das lange Haar der jungen Frau. Und immer wenn Frau Gothel es kämmt, analysiert der Kamm den physischen und psychischen Zustand und leitet diesen auf das Endgerät der Alten weiter. Generell steht Radegunde unter ständiger Beobachtung, ist es ihr doch nicht erlaubt das Turmzimmer des Smart Homes zu verlassen. Klingt bis auf den Technik-Schnickschnack ziemlich vertraut, oder? Nun, dann wird es nicht verwundern, dass es auch einen stattlichen Jüngling gibt, der regelmäßig an der wallenden Mähne der Gefangenen emporklettert. Sein Name ist Heinrich. Und Radegunde wünscht sich nichts sehnlicher, als mit Heinrich zusammen zu sein. Die unverhoffte Flucht führt nur über die ausgeklügelten Sicherheitselemente des heimeligen Gefängnisses der Zukunft. Und wo Technik ist, lässt sich diese auch manipulieren…

Eine eingefleischte Truppe von Umweltaktivisten hat es sich zur Aufgabe gemacht sogenannte Geisternetze – herrenlose Fischernetze, die zur Todesfalle für Meeresbewohner werden können – zu bergen. Eines dieser Netze, das sich um ein gesunkenes Wrack gewickelt hatte, konnte nur mit größter Mühe entfernt werden. Doch irgendetwas geschah auf dem Grund des Ozeans. Der erfahrene Taucher Sean hatte einen Aussetzer, obwohl zunächst alles nach Plan verlief. Nach der Rückkehr aufs Schiff wirkt Sean abwesend. Vollkommen apathisch und nicht mehr in der Lage über das Geschehene zu berichten. Nach ein wenig Ruhe sollte es ihm wieder besser gehen, so zumindest die Hoffnung der restlichen Besatzung. Doch Seans Zustand verschlechtert sich zusehends. Sein Körper macht eine Transformation durch… und dies ist nur der Anfang des Grauens, welches das Schiff und seine Besatzung heimsuchen soll. Manches sollte lieber unter der Oberfläche verborgen bleiben.

Wer schon mal in einem Büro gearbeitet hat, wird ihn kennen: Der Despot, der auf dem Chefsessel thront, der ins Telefon brüllt, die Angestellten langmacht, wo immer es geht, und dem die Buchstaben BOSS regelrecht auf die Stirn tätowiert scheinen. So einer ist auch Marek, der die Firma zusammen mit seiner Geschäftspartnerin Evelyn gründete. Für Timon kann es gar nicht früh genug zum Feierabend läuten, haben er und sein Freund Hassan doch einen Wochenend-Trip ans Meer geplant. Der Casual-Friday entpuppt sich jedoch als regelrechter Terror-Friday… und vom Schichtende ist Timon noch meilenweit entfernt.

Morten und Helen sind Reisende. Mit Hilfe eines Compagnons - einem digitalen Gerät, dem die künstliche Intelligenz Emile innewohnt – springen sie durch Portale. Stets auf der Suche nach mächtigen Objekten, die einst von Magiern geschaffen wurden und durch Emile aufgespürt werden können. Eines dieser mysteriösen Objekte ist das sagenumwobene Blauglas. Lange schwieg das Navigationsgerät… doch nun vermeldet Emile einen Treffer!

Kurz und knapp

Nicht jede der elf Kurzgeschichten ist in der Welt der Phantastik zu verorten. Jedoch sollte man ständig auf alles gefasst sein. In der einen Sekunde noch glasklar, ändert sich die Marschrichtung manchmal schon mit einem Satz. Die Länge einer Geschichte spielt dabei keinerlei Rolle, denn selbst auf wenigen Seiten kann Michael Leuchtenberger eine Atmosphäre kreieren, die den geneigten Leser sofort am Papier kleben lässt.

Zu jeder Story gibt es kleine Einführung, in der der Autor über deren Entstehung plaudert und so private Einblicke in sein Schaffen liefert. Eine sehr schöne Idee, da man ihm dabei auf Augenhöhe begegnet und er auch keinen Hehl daraus macht, dass man manche zu Ausschreiben eingereichte Geschichte abgelehnt wurde und Blauglas sogar ursprüngliche eine Fan-Fiction, angelehnt an Stephen Kings „Der Dunkle Turm“-Saga, war. Lampionfest wurde sogar mit einem Preis ausgezeichnet.

Ein nettes Gimmick sind die Triggerwarnungen, mit denen die meisten Short-Stories gekennzeichnet sind. Die Markierung „TW“ verweist auf die letzte Seite, auf der die Auslösereize, die bei anfälligen Lesern verursacht werden können, je nach Geschichte aufgelistet sind.

Fazit:

Man merkt Michael Leuchtenberger den Spaß am Schreiben deutlich an. Und ebenso die Dankbarkeit seinen Lesern gegenüber, was er im Vorwort auch deutlich macht. So bleibt „Derrière La Porte – Elf sonderbare Kurzgeschichten“ eine feine Story-Sammlung im Wundertüten-Gewand, die die Wartezeit auf den nächsten Roman gut überbrücken kann.

Derrière La Porte: Elf sonderbare Kurzgeschichten

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