Wild Flower - Die Gesetzlose (The Good Luck Girls 1)

Erschienen: Oktober 2020

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Nina Pimentel Lechthoff
Emanzipation im Fantasy-Wild-West

Buch-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Aug 2020

Man sollte ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen: Das ist weit mehr als nur eine Floskel, wie ich jetzt einmal mehr erfahren musste. Denn würde man „Wild Flower – Die Gesetzlose“ nur anhand des Covers in eine Kategorie stecken, dann hätte ich das Buch sehr tief in die Sparte Young Adult/Kitsch-Fantasy gesteckt. Wegen der Blumen, die von einem unsichtbaren Windhauch bewegt werden und deren Blüten wild durch die Lüfte flattern, und dem Farbschema zwischen Braun, Beige und Weiß hatte ich auf den ersten Blick etwas ganz anderes erwartet.

Willkommen in Arketta

Aster lebt seit ihrer Kindheit im Welcome House von Green Creek. Doch willkommen sind dort nur reiche Männer, die es sich leisten können, die Nacht mit den Good Luck Girls zu verbringen. Diese sind leicht an ihren Blumentattoos zu erkennen, die sie am Hals und im Gesicht tragen – und welche die jungen Frauen niemals bedecken dürfen.

Der einzige Lichtblick in Asters Leben ist ihre Schwester Clementine. Doch als diese sechzehn wird und nun auch als Good Luck Girl arbeiten soll, ist Aster am Boden zerstört. Als Clementine sich gegen ihren übergriffigen Freier wehrt und ihn aus Versehen tötet, fasst Aster einen Plan: mit Clementine aus dem Welcome House flüchten und ein Leben in Freiheit führen. In der Wildnis von Arketta müssen aber die Schwestern nicht nur vor dem Gesetz fliehen, sondern auch vor den Toten.

Wo der Westen noch divers ist

Die Autorin Charlotte Nicole Davis wollte mit ihrem Roman den Mythos des „weißen“ Wilden Westens, der vor allem durch das Filmgenre des Westerns in ihren Augen verbreitet wurde, umkrempeln. Für sie war es wichtig, diesen – wie sie es nennt – Grundpfeiler der amerikanischen Kultur mit Menschen zu bevölkern, die sehr divers sind. So sind die Menschen Arkettas durch die Bank hinweg sehr unterschiedlich, vor allem die Hauptfiguren. Es gibt queere Menschen und Menschen jeglicher Hautfarbe.

Obwohl man die ganze Zeit über nur die Perspektive von Aster auf die Geschehnisse verfolgt – der ganze Roman ist aus sogenannten personalen Erzählperspektive, also aus Asters Perspektive, aber in der dritten Person erzählt –, hatte ich das Gefühl, die anderen Figuren aus ihrer kleinen Bande auch gut zu kennen. Es hilft auch sehr, dass Aster während ihrer Reise die Figuren – außer Clementine – selbst erst oder besser kennenlernt. In dieser Hinsicht hat mir vor allem die Beziehung zwischen Aster und Violet sehr gut gefallen. Diese fängt als sehr angespannte Beziehung an, da Aster in Violet eine Komplizin des Systems sieht, das sie, ihre Schwester und die anderen Good Luck Girls unterdrückt. Denn Violet war das Lieblingsmädchen der Puffmutter des Welcome Houses, die ihre Position gegen die anderen Mädchen immer wieder ausgenutzt hat. Dass Violet aber genau wie sie ein Opfer des frauenfeindlichen, streng patriarchalen Systems im Welcome House und in Arketta generell ist, wird Aster erst im Laufe des Buches klar.

Fast perfektes Worldbuilding

Insgesamt hatte ich beim Lesen die ganze Zeit das Gefühl, in einer Welt zu sein, in der die Figuren tatsächlich leben. Die vielen verstaubten Städtchen, die unheimliche Wildnis jenseits der Zivilisation und alles, was dazwischen liegt – hätte man wie in einem Videospiel die Möglichkeit gehabt, den Haupthandlungsstrang zu verlassen und einfach ein bisschen zu erkunden, hätte man bestimmt viele spannende Sachen erleben können.

Dabei wird dem Leser nur hier und da explizit was erklärt, die Welt an sich entfaltet sich nach und nach durch die Handlungen der Figuren. Was das Welcome House ist, wie die Gesellschaft von Arketta funktioniert oder welche Rollen verschiedene Figuren innehaben erfährt man erst, wenn Aster und ihre Gruppe sich damit konfrontiert sehen. Der einzige Punkt, der sehr deutlich erklärt wird und nicht etwa aus einer Handlung der Figuren erfolgt, ist die Unterscheidung zwischen den Hell- und den Staubblütigen. Staubblütigen wurden wegen Schulden, die ihre Vorfahren nicht abbezahlen konnten, ihre Schatten genommen, bis sie diese Schulden wieder beglichen haben. Wie das genau funktioniert habe ich bis zum Schluss aber nicht genau verstanden, was vielleicht an der Tatsache liegt, dass das eben nicht innerhalb der Geschichte erzählt wird, sondern wie ein Enzyklopädie-Text wirkt, der zwischen die Seiten geklatscht wirkt. Was sehr schade ist, denn diese Unterscheidung in Staub- und Hellblütige ist der Versuch, unsere Gesellschaft in diese Fantasy-Welt einzubinden, was auch eigentlich sehr gut funktioniert. Mehrmals werden Aster und ihre Mitstreiterinnen einfach nur weil sie als Staubblütige zu erkennen sind misstrauisch beäugt oder sogar offen angefeindet. Im Laufe des Buches fragt sich Aster immer wieder, warum sie für die angebliche Schuld ihrer Vorfahren noch immer bezahlen muss und ob diese Zwei-Klassen-Gesellschaft nicht auf einer Lüge basiert.

Fazit:

Ich konnte „Wild Flower – Die Gesetzlose“ einfach nicht aus der Hand legen. Selten hat mich ein Buch so sehr fasziniert, dass ich kaum erwarten konnte, die Geschichte weiterzulesen. Mir hat es sehr gut gefallen, dass Aster in ihrer Gruppe sehr viele vielseitige Figuren hatte, die trotz ihrer Unterschiede zusammengefunden haben, um gegen das System zu kämpfen, welches sie unterdrückt. Auch die Welt, die die Autorin Charlotte Nicole Davis erschaffen hat, wirkt lebendig und „echt“. Nur dass an einigen Stellen das sehr gute Worldbuilding mit zu „Erklärbär“-mäßigen Einschüben, die zum Rest der Geschichte nicht so recht passten, zweckentfremdet wurde, finde ich schade. Trotzdem finde ich „Wild Flower – Die Gesetzlose“ eine spannende Interpretation des Fantasy-Genres und freue mich sehr auf eine Weiterführung von Asters Abenteuern.

Wild Flower - Die Gesetzlose (The Good Luck Girls 1)

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Letzte Kommentare:
12.03.2021 12:18:50
Booktipps

Es ist eine starke Gecshichte mit tollen weiblichen Charakteren. Jede einzelne ein Individuum mit ganz eigenen Stärken und Schwächen. Es war ein Genuss ihnen bei ihrer Reise in die Freiheit Gesellschaft zu leisten. Leider wirkte der Fortlauf der Story manchmal etwas sprunghaft, aber sonst sehr gut geschrieben. Die Wortwahl und auch die Sprache waren sehr bildhaft und haben mich von Anfang an gefesselt. Sehr spannend und interessantes Worlbuilding !

29.07.2020 22:06:41
JuliesBookhismus

Richtig gute Geschichte, leider viel zu lang…
Ich muss zugeben, dass ich mich vom Klappentext du der Meinung darunter habe verführen lassen, was ja an sich nichts Schlimmes ist. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mehr Fantasy erwartet hätte als mörderische Geister und komische Männer, die ihre Seelen verkauften.
Mal abgesehen davon, dass der Roman wirklich gut in unsere derzeitige Lage passt, was Rassismus und Diskriminierung angeht, sind auch die Charaktere wirklich stark! Vor allem Aster, um die es vorrangig geht, hat mich tief beeindruckt! Ihre Liebe zu ihrer Schwester und später auch zu dem Rest ihrer kleinen „Familie“ hat mich sehr berührt und ich, als große Schwester, kann ihre Entscheidungen sehr gut nachempfinden.
Dennoch ist die Story unfassbar langgezogen. Ich verstehe ja durchaus, dass es ruhige Passagen geben muss, in denen man etwas runterkommt und auch die Protas mal atmen können, doch hier wurde es sehr übertrieben. Zu viele Details, zu viele Längen und dann wurde das Ende einfach in einem Kapitel abgehandelt und eins drangehängt, was eher ein Epilog sein soll.
Die Thematik ist dennoch wichtig und es sollte mehr solcher Geschichten geben, ganz egal, ob es um Hautfarbe, sexuelle Orientierung oder Geschlecht etc. geht. Es geht uns ALLE etwas an und wir stecken alle mit drin.

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