Immernacht

Immernacht
Immernacht

Erschienen: Juli 2020

Erschienen: Juli 2020

Couch-Wertung:

94°
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Stefanie Eckmann-Schmechta
MacKenzie zeigt viele neue Facetten eines Genres, das zum Glück wohl noch viele Überraschungen bereithält.

Buch-Rezension von Stefanie Eckmann-Schmechta Aug 2020

Im Silberkönigreich lebt Lara Fox, eine Tosherin, die in der Kanalisation nach Dingen sucht, die sie zu Geld machen kann. Aus dem Waisenhaus geflohen, sorgt sie seit sie denken kann für sich selbst. Außer ihrem kleinen Freund Joe Littlefoot und seiner Grandma hat sie keine Familie. Als ein Mann ohne Schatten durch die Kanalisation streift und andere Tosher bedroht und sogar tötet, weil er die Herausgabe eines kleinen Kästchens verlangt, geraten Lara und Joe immer tiefer in Verwicklungen, die ihr ganzes Leben ändern.

Eine Geschichte, reich an faszinierenden Schauplätzen und Figuren

Ross MacKenzie entführt uns in seine „Immernacht“, indem er uns gleich mitten im Geschehen absetzt; nämlich, als Schattenjack, ein Dschinn, einer Hexe das Leben nimmt. Er fordert den „Untergangszauber“ und ihr Amulett. Doch nur eines soll er bekommen.

Es ist eine ungemütliche Welt, in die wir zunächst hineingeraten. Die dunkle Kanalisation, das schmuddelige Armenviertel steht ganz im Gegensatz zu dem prächtigen Schloss, das über den schiefen, ärmlichen Häusern und den finsteren, kalten Gassen thront. Hier herrscht König August Nachtigall über das Silberkönigreich. Doch eigentlich ist es Mrs. Hester, die hier alle Fäden zieht, indem sie ihrerseits die weißen Magier kontrolliert. Sie versorgen das Reich mit Magie, die alles bereitstellt, was dem Machterhalt und weiteren Eroberungszügen dient. Indem sie den weißen Magiern ihre Seelen genommen hat, gehorchen sie Mrs. Hester buchstäblich wie seelenlose Maschinen. Doch im Laufe der Zeit macht Mrs. Hester Fehler, denn immer mehr ihrer Weißen Magier brechen aus. Unterstützt werden sie dabei von den verachteten und zugleich gefürchteten Hexen von Westerly Haven.

Und erst langsam wird ein vollständiges Bild daraus

Typisch für McKenzies Erzählweise ist, dass viele Zusammenhänge erst Stück für Stück verständlich werden und das große Ganze sich nur langsam zeigt. Denn, um bei dem vorgenannten Beispiel zu bleiben: anders als man zunächst denken mag, frisst Schattenjack seine Opfer nicht wirklich, er verschlingt mit seinem riesigen Maul voller spitzer Zähne allein die Seele seiner Opfer.

Und Mrs. Hester ? Sie ist uralt – viele hundert Jahre alt – und erhält ihre Jugend indem – nun ja, das lest besser selbst  - und auch, wie die Weißen Magier unter ihrer Knute leben und arbeiten müssen, wie die Menschen im Armenviertel zu überleben versuchen und wie sehr ihre Propaganda gegen die Hexen verfängt und an die Hexenverfolgung im Mittelalter erinnert.

Apropos Hexenverfolgung: „Doppelacht“ ist einer der Weißen Magier, die nicht mehr im Gleichschritt laufen.

„Je mehr Gerüchte ihm zu Ohren kamen, desto stärker wuchs Doppelachts Drang, auf die Stimme in seinem Inneren zu hören, die ja immer da gewesen war, die als kleiner Setzling in seinen Gedanken begonnen hatte und dann gewachsen und erblüht war, bis er das Gefühl hatte, sie nicht mehr in sich halten zu können.“

Dabei sind Ross MacKenzies Figuren keinesfalls nur schwarz oder weiß gezeichnet: Sei es der „Alte Hans“ der den Toshern ihre Fundstücke abkauft, oder der finstere Schattenjack, dessen Schicksal als Dschinn trotz aller Bosheit auch voller Tragik ist.  Viele eigene Geschichten machen die Entwicklungen, in denen die Figuren stecken, so spannend. Mühelos wartet MacKenzie in jedem Kapitel mit einer neuen Kreation oder einer unerwarteten Wendung auf.

Fantasy, Entwicklungsroman mit viktorianischem Flair und vieles mehr…

Wer will, findet hier viele Versatzstücke aus berühmter und erfolgreicher Fantasy - bis hin zur Science-Fiction. Doch es bleibt eine ganz eigene, originelle Handschrift des Autors und eine Atmosphäre, in die man sich nur zu gerne ziehen lässt.

MacKenzies Sprache ist sehr bildreich, fantasievoll und voller Empathie. Dadurch entsteht eine sehr lebendige und zugleich glaubwürdige Welt. Und auch wenn „Immernacht“ bereits ab 11 Jahren empfohlen wird – was wahrscheinlich nur sehr leseerfahrene Elfjährige meint – ist es doch ein alters- und zeitloses Buch, das durchaus auch die erwachsene Leserschaft begeistern wird. Und es wäre damit ja auch nicht das erste Buch, das für junge Leser geschrieben wurde, aber dann doch eine viel breitere Leserschaft erreicht.

Als bekennender Fan von fantastischen Entwicklungsgeschichten, in denen die Magie Dreh- Angelpunkt ist, kann ich dieses Buch nur empfehlen. Leider scheint die Geschichte hier ein Ende gefunden zu haben, aber ein paar Fäden könnten durchaus noch lose sein und so wünsche ich mir, dass es noch eine Fortsetzung von dieser faszinierenden Welt gibt, die mir noch lange nicht „auserzählt“ scheint.

Fazit:

Eine Geschichte so voller wunderbarer Kreationen, dass man sich kaum vorstellen mag, dass sie hiermit schon zu Ende sein soll. Toll geschrieben, atmosphärisch, glaubwürdig und überraschend… eine perfekte Mischung für alle jungen und nicht mehr ganz so jungen Abenteurer!

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