Die Alchemie des kalten Feuers

Erschienen: Dezember 2020

Couch-Wertung:

55°
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Lisa Reim-Benke
Magie vs. Wissenschaft

Buch-Rezension von Lisa Reim-Benke Mär 2021

Oslic ist Universalgelehrter, Genie, Tüftler – und eine politische Geisel. Dennoch darf der junge Gelehrte fernab seiner Heimat in Doranthar seinen Studien nachgehen. Als ihn die Kunde über ein Unglück in Carchadon erreicht und dass sein Vater, der Herrscher des Landes, und seine Familie in großer Gefahr sind, will er in sein Heimatland zurückkehren. Zusammen mit seinem Leibwächter Vargen und seiner Ziehtochter Testri stellt er sich mächtigen Hexern entgegen, um sein Reich zurückzugewinnen. Oslic, der Zauberei immer für ein Märchen gehalten hatte, muss nun all seinen Erfindungsreichtum aufbringen, um gegen die Magie seiner Feinde eine Chance zu haben.

Wann geht’s jetzt eigentlich los?

Ein verkappter da Vinci kämpft gegen zaubernde Schurken, um seine an ein altes Russland erinnernde Heimat zurückzuerobern – das ist eine tolle Idee und in einem originellen Setting. Doch bis man mal dahin kommt, braucht es ordentlich Ausdauer. Erst nach 200 Seiten bekommt man eine Ahnung, wo die Reise hingehen soll. Mehr aber auch nicht. Dafür wurde die Geschichte auf 700 Seiten ausgewalzt, obwohl die Handlung das eigentlich nicht hergibt. Das Buch darf sich so zu den zähesten Kaugummis der Fantasy zählen. Dabei wäre es kein Problem gewesen, das Ganze auf ein spannendes Niveau zusammenzukürzen. Immerhin gibt es ganze Kapitel, in denen gähnende Leere herrscht. Und wenn die Spannung doch mal anzieht, wird man gleich von 50 Seiten Geplänkel ausgebremst. Erst gegen Ende verdichten sich die fesselnden Geschehnisse. Ein letztes Aufbäumen, das sich aber auch nicht mehr richtig lohnt.

Oslic ist der Sohn des Tsharen – Ich hab’s begriffen!

Der gute Oslic … er ist nicht perfekt und bei weitem keiner der kraftstrotzenden Überflieger-Helden, die man aus der Fantasy so kennt. Leicht autistisch und in seiner rationalen Welt fest verankert sorgt dieser Protagonist mit für die interessantesten Momente im Buch. Und gleichzeitig leider auch für die nervigsten: Obwohl Oslic einen sehr lesbaren Namen hat, wird für ihn immer wieder die Bezeichnung „Sohn des Tsharen“ verwendet. Das ist alle 1-2 Seiten der Fall. Rechnet man das auf 700 Seiten hoch, fangen die Lesernerven schon an zu kreischen, bevor man überhaupt ins Buch geschaut hat. Leider hat der Sohn des Tsharen auch die Angewohnheit, in spannenden Situationen unpraktischerweise durch Kopfschmerzen handlungsunfähig gemacht zu werden. Vielleicht ist das ein Grund, weshalb sich seine Geschichte so dermaßen in die Länge zieht. Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte sich an Oslics Leibwächter Vargen und die 11-jährige Rotzgöre Testri halten, zwei Charaktere, die rundum gelungen sind. Mit einigen Blessuren schafft man dann auch die 700 Seiten.

Fazit:

Leider ist „Die Alchemie des kalten Feuers“ ein recht fader Schinken. Auch wenn die Idee super ist, gibt es doch zu viele Hindernisse, die es erschweren, in die Geschichte einzutauchen. Und dass Oslic der Sohn des Tsharen ist, werde ich wohl mein Leben lang nie wieder vergessen.

Die Alchemie des kalten Feuers

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