Diebe der Nacht

Erschienen: September 2020

Couch-Wertung:

65°
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Lisa Reim-Benke
Wenn sie nur dreist genug sind, stehlen sie die gesamte Ruhende Welt … vielleicht

Buch-Rezension von Lisa Reim-Benke Okt 2020

Mosmerano – Lagunenstadt und Zentrum der schönen Künste. Genau der richtige Ort für die Herbstgänger, eine umherziehende Theatergruppe, welche die Bevölkerung der Ruhenden Welt mit ihren Darbietungen begeistert. Die Zuschauer ahnen jedoch nicht, dass das Theaterspiel nur eine untergeordnete Einnahmequelle der Truppe ist. Denn nebenher ergaunern sich die sieben Mitglieder in den jeweiligen Städten ein hübsches Sümmchen zusammen. Verantwortlich für die Planung der Coups ist der gewitzte Glin, der einst vom Anführer der Truppe Talimo adoptiert wurde. In Mosmerano plant Glin einen Kunstraub, doch ein Magier aus Talimos Vergangenheit macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Statt ihren eigenen Diebstahl durchzuführen sind sie nun Handlanger des Magiers, der sie für seine dunklen Pläne eingespannt. Doch so leicht lassen sich die Herbstgänger nicht erpressen. Glin schmiedet eifrig Pläne, um nicht nur den eigenen Coup durchzuführen, sondern gleichzeitig auch den Magier zu überführen und nebenher noch die Welt zu retten.

Langfinger zwischen Renaissance und Steampunk

Ein fantastisches Venedig, ein an große Raubüberfälle à la „Oceans Eleven“ angelehnter Plot und eine bunt zusammengewürfelte Truppe aus Dieben – das verspricht eine Menge Lesespaß, zumal das Ganze mit einem besonderen Magiesystem punkten kann: Eine Mischung aus Steampunk und Zauberei. Der Ursprung dieser Technik liegt in dem Vermächtnis der Skyldar, ein Volk, das einst Mechaniken mit Magie verband, nun jedoch zusammen mit seinem geheimen Wissen untergegangen ist. Nur wenige Artefakte haben überlebt, wie beispielsweise Glins mechanische und magisch zum Leben erweckte Grille namens Schönheit, die ihm bei seinen Abenteuern zur Seite steht.

Glin und Talimo sind zwar nicht magisch begabt, doch auch sie können als Mechanisten raffinierte Gerätschaften bauen, darunter das fahrende Theater, das sich zusammenklappen lässt und Platz für Requisiten und Diebesgut gleichermaßen bereithält. Des Weiteren gehören noch ein Chemistiker, eine Schwertkämpferin, eine Akrobatin, ein Priester und eine Schauspieldiva zu den Herbstgängern. Eine illustre Truppe, deren Umgang miteinander beim Lesen viel Spaß bringt. In Rückblenden (die mal mehr, mal weniger interessant sind), erfährt man, wie die ungleichen Gauner über die Zeit zu einer kleinen Familie zusammengewachsen sind. Desto schlimmer wirkt sich das aus, was sie im Verlauf der Handlung mit sich machen lassen müssen. Das mit der Dramatik hat Thilo Corzilius auf jeden Fall drauf.

Viel Rauch um nichts?

Das herausragendste Merkmal des Buches: Es ist immer etwas los. Auch wenn man manchmal nicht genau weiß, was. Stattdessen darf man Glin beim Pläneschmieden und -vorbereiten beobachten, und das häufig vollkommen ahnungslos. Na ja, egal, immerhin wurde einem versprochen, dass der junge Dieb einer der gewitztesten Vertreter seines Fachs ist. Ein Umstand, den auch seine Schauspielkollegen immer wieder betonen, die ohne ihn übertrieben hilflos zu sein scheinen und keine Ahnung haben, wie sie ihr Leben meistern sollen. Den Eindruck bekommt man zumindest nach dem gefühlt hundertsten: „Was machen wir jetzt, Glin?“

Doch das wirklich Enttäuschende ist, dass Glin gar nicht so gerissen ist, wie er dargestellt wird. Wer auf sensationelle Aktionen hofft, wird schnell ausgebremst. Es passiert im Grunde immer genau das, was man erwartet – oder auch nicht, wenn man mit einem spektakulären Twist rechnet. Bis zum Schluss wartet man vergebens auf die große Überraschung, den Aha-Effekt. Doch der bleibt aus. Dafür muss man sich mit einer zwar ganz interessanten, aber mitunter holprigen Story zufriedengeben. Besonders bei den Dialogen sind Nerven gefragt, wenn die Beteiligten immerzu einen auf cool machen, anstatt endlich mal auf den Punkt zu kommen.

Das Fatale sind jedoch die sprachlichen Pannen: Rechtschreibung, Kommasetzung und Grammatik sind an überdurchschnittlich vielen Stellen fehlerhaft, zudem stößt man oft auf Wiederholungen in Wort und Inhalt und stilistische Schnitzer. Leider ist das ziemlich ärgerlich. Schließlich will niemand beim Lesen ständig verkrampft auf den nächsten Ausrutscher warten müssen.

Fazit:

„Diebe der Nacht“ ist ein kurzweiliges Fantasy-Abenteuer mit schönen Ideen, aber auch ein paar Schwächen bei Plot und Figuren. Die Fehlerdichte ist schade, trotzdem ist die Geschichte an sich für jeden geeignet, der es nicht zu komplex mag und was Leichtes für Zwischendurch sucht.

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