The Walking Dead: Taifun

Erschienen: November 2020

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Michael Drewniok
Untot, unbeirrbar und in der Überzahl

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jan 2021

Das geschieht:

Auch China blieb nicht von der Plage des Untods verschont: Wer stirbt, steht wieder auf und fällt über seine ehemaligen Mitbürger her, denn die „Zombies“ - die in China „jiāngshī“ genannt werden - wollen sie buchstäblich fressen, während sich ihr Verstand in faulige Luft aufgelöst hat. Es hat zu lange gedauert, bis die Menschheit begriffen hat, wer bzw. was ihr gegenübersteht. Fast sämtliche Bastionen der Zivilisationen wurden global überrannt und zerstört. Zu Milliarden streifen die Untoten über den Planeten, während die wenigen Überlebenden meist elend in mehr oder weniger sicheren Schlupfwinkeln hausen.

Hunger, Krankheit und die ständigen Attacken der „jiāngshī“ prägen auch den Alltag im „Lichtblick“, einer kleinen Bastion, die sich in der chinesischen Provinz Hūnan halten konnte. Der ehemalige Provinzsekretär Guo vertritt autoritär eine Zentralregierung, die womöglich gar nicht mehr existiert. Er konnte genug (bewaffnete) Männer auf seine Seite ziehen und auf diese Weise seine Hoheit sichern. Den Wächtern stehen die „Windteams“ zur Seite, die in den verlassenen, von „jiāngshī“ verseuchten Ortschaften der Region nach Ressourcen aller Art suchen.

Die mühsam ausbalancierte Situation droht zu kippen, als Späher einen „Taifun“ aus unzähligen „jiāngshī“ entdecken, der sich dem „Lichtblick“ nähert. Wider besseres Wissen ordnet Guo den Widerstand um jeden Preis an. Er will dafür auch jene kleinen Gruppen zwangsrekrutieren, die sich nicht dem „Lichtblick“ anschließen wollten. Der Konflikt ist vorprogrammiert, und die „jiāngshī“ werden sich beeilen müssen, wollen sie noch lebendige Opfer finden …

Apokalypse antipodisch

Nachdem die Musik lange primär im Westen spielte, müssen sich die Produzenten populärer und damit einträglicher Kultur spätestens seit dem Millennium damit abfinden, dass sie den fernen Osten unserer Erde nicht mehr wie früher ignorieren oder ‚nebenbei‘ mit dem beliefern können, was sie für uns Abendländler hergestellt haben. Stattdessen hat sich der Strom gedreht: Japan, Südkorea und China haben nicht nur wirtschaftlich mehr als ein Wörtchen mitzureden. Als Markt und Produzent darf man Asien nicht ignorieren, zumal viele Filmstudios, Verlage u. a. Kultur-Spreader längst mit asiatischem Geld am Leben gehalten werden.

Das kann reizvoll sein, wenn der Kontakt keine Einbahnstraße darstellt. Interessante Populärkultur gibt es auch in den genannten Ländern. Nach Godzilla- und Kung-Fu-Filmen oder Mangas erreichen uns verstärkt Science-Fiction-, Fantasy- oder Horrorromane, die einem breiter werdenden Publikum beweisen, dass diese Genres endgültig global geworden sind.

Die Zombies überrennen jetzt also China, womit sich ein neues Spielfeld für einen Horror eröffnet, der auf der Westhalbkugel längst ausgelotet bzw. ausgereizt scheint. China ist anders als die USA ein Land ohne Schusswaffen. Nur Militär und Polizei dürfen bewaffnet sein, weshalb sich die Menschen im Kampf gegen die „jiāngshī“ mit Stich- und Stoßwaffen zur Wehr setzen müssen. Hinzu kommt die Politik einer Regierung, die auch ein Regime ist.  Menschenrechte, Umweltschutz, Marktdisziplin: Hier treibt man mehr als Schindluder, und Kritiker leben gefährlich.

Fremdes Land, bekannte Krisenmuster

In Taiwan geboren und aufgewachsen, ist Wesley Chu weder Repräsentant noch Opfer des chinesischen Systems, das er eher aus der Ferne kennenlernte, da er seit seinem sechsten Lebensjahr in den USA lebt. Nichtsdestotrotz kann und will er China als Schauplatz (und die Folgen der Regime-Politik) nicht ausblenden, obwohl er dieses Mal keine Science Fiction, sondern raubauziges Horror präsentiert, in dem beißwütige Untote und gewaltfreudige Überlebenskünstler dominieren.

Chu weiß, dass und was er in dieser Hinsicht liefern muss. „Taifun“ wurde für den US-Markt geschrieben und hat schon deshalb vorgeprägten Erwartungen zu genügen. Auch wenn die Figuren (etwas) tiefgründiger als in den üblichen Zombie-Metzel-Schwarten gezeichnet werden, geizt der Verfasser keineswegs mit einschlägigen Szenen. Da man sich dem Gegner weitgehend schusswaffenfrei nähert, geht es sogar rabiater zu, denn Kopfschüsse im US-Salventakt fallen aus.

„Taifun“ ist ein handwerklich sauber konstruiertes und routiniert umgesetztes Werk, wobei der ‚exotische‘ Hintergrund interessanterweise nur bedingt das Geschehen beeinflusst. Der „Lichtblick“ ist durchaus auch Woodbury oder Alexandria, und der verlogene Provinzsekretär im Kreis seiner skrupellosen Schergen erinnert an den „Governor“ oder Negan aus dem Hauptstrom des „Walking-Dead“-Franchises. Einmal mehr bestätigt sich, dass sowohl „Beißer“ als auch „jiāngshī“ eher als Katalysatoren fungieren: Die Welt mag zwar untot überrannt sein, aber die eigentliche Konflikte spielen sich weiterhin im Reich der (Über-) Lebenden ab. Nur in wenigen Details vermag Chu dem Zombie-Genre ein paar Ideen beizufügen.

Der Mensch als Störfaktor

Das sollte nicht überraschen, da die Untoten ohne Verstand umhertorkeln und damit das Interesse an Streitigkeiten verloren haben. Gefährlich werden sie durch ihre allgegenwärtige Präsenz und ihren fehlenden Selbsterhaltungstrieb; sie wollen nur fressen. ‚Entwickelt‘ hat sich höchstens ein fataler Herdentrieb, der die Zombies als unwiderstehliche Masse reagieren lässt. „Taifun“ ist eine zutreffende Bezeichnung für dieses Phänomen, das Chu wie eine Naturgewalt schildert.

Die eigentliche Handlung spielt sich ab, während der „Taifun“ noch jenseits des Horizonts tobt. Der Mensch ist des Menschen Wolf, lautet ein altes Sprichwort, das sich wie gesagt abermals bestätigt. Die Zivilisation löst sich auf, und darunter kommt entweder ein solidarischer Geist oder der blanke Eigennutz zum Vorschein. Wer zwischen diesen Polen liegt, ist willensschwacher Untertan und lässt sich befehlen, manipulieren und opfern = stellt jene Pechvögel, die unsere Hauptfiguren auf ihren Abenteuern begleiten, um redshirt-typisch in Stücke gerissen zu werden.

Obwohl Chu die Machenschaften des Parteisekretärs und seiner Clique als Resultat der brutalen Zentralgewalt wertet und dies in eine von Gewalt und Missachtung geprägte Historie einbettet, bleiben solche Blicke über den Tellerrand ohne Belang. Guo & Co. degenerieren zu reinen Strolchen, die ihre ‚gerechte Strafe‘ ereilt. Chu streichelt hier das naive Gerechtigkeitsempfinden jener, die ein „happy-end“ fordern, obwohl es der Handlungslogik widerspricht. Er verteilt auch sonst das eine oder andere Zuckerstückchen, bleibt aber in einem Punkt konsequent: Gegen einen Taifun kann man nicht kämpfen. Wer es versucht, wird niedergewalzt - und so geschieht es.

Gute Vorsätze ohne Basis

Nicht nur die Handlung, sondern auch die Figurenzeichnung folgt bekannten Mustern. Wir haben die durch Moral ‚behinderten‘ Guten, die meist gar nicht gegen die „jiāngshī“, sondern gegen ein diktatorisch amoklaufendes System kämpfen. Die Untoten sind latent anwesend, während die Überlebenden ihre Bosheiten planen und organisieren. Chu stellt ihnen drei Personen entgegen. Chen „Zhu“ Wenzhu (der innerlich zerrissene Held), Ming „Bo“ Haobo (der fröhlich-tumbe Haudrauf-Kumpel) und die in China gestrandete (Quoten-) Amerikanerin Elena Anderson bilden ein „Windteam“ und führen die Leser sowohl durch den „Lichtblick“ als auch durch das untot verheerte Land.

Mit der Schilderung der dabei erlebten Abenteuer ist der bekannte populärkulturelle Reifeprozess verknüpft, der ebenfalls solide inszeniert, aber trotzdem langweilig ist, weil ausschließlich die genretypischen Themen durchgespielt werden. China wirkt auf dieser Ebene außerordentlich vertraut. Solidarität, Freundschaft, Verrat, Fehlentscheidungen, Reue: Wer kennt (und hasst) nicht die endlosen, zum traurigen Markenzeichen (nicht nur) des „Walking-Dead“-Franchises gewordenen Szenen, in denen die Charaktere einander die Herzen ausschütten und Erinnerungen heraufbeschwören, die primär oder ausschließlich ihnen zu schaffen machen?

Aber solche Profanitäten dürften das ‚Alltagsleben‘ wohl auch nach einer Apokalypse prägen. Nichtsdestotrotz füllen sie in erster Linie Seiten, zumal auch Chu ausgiebig in redundanten Szenen schwelgt, die zum Geschehen nicht (mehr) beitragen. Wer das Bekannte leicht variiert schätzt, wird diesen Roman lieben. Ansonsten fügt sich „Taifun“ ein wenig zu geschmeidig in jenes Einerlei ein, zu dem sich das „Walking-Dead“-Franchise verdünnt hat.

Fazit:

Inhaltlich und formal routiniertes, den Lesern nicht als plumpes Gewalt-&-Metzel-Opus präsentiertes Zombie-Drama, das freilich das Genre ungeachtet des Schauplatzes nicht durch originelle Einfälle bereichert, sondern die sattsam bekannten Zwischenmenschlichkeiten und Konflikte durchspielt, während die Untoten höflich warten, bis sie zwischen solchen Redseligkeiten wieder mitmischen dürfen.

The Walking Dead: Taifun

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