Das Geheimnis der Saturnringe

Erschienen: Januar 1956

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Michael Drewniok
Zukünftige Warnung aus tiefster Vergangenheit

Buch-Rezension von Michael Drewniok Nov 2020

In diesem 21. Jahrhundert kreuzen im Weltraum zwischen Merkur und Mars bereits bemannte Raumschiffe. Die Erde ist ein geeinter Planet, auf dem die UNO das Sagen hat. Allerdings gibt es ‚Partner‘, auf die man politisch Rücksicht zu nehmen hat. Der wichtigste ist der „Terraluna“-Konzern, der die Eroberung des Alls unterstützt, wobei sich stets neue Schürfgründe auftun.

Hauptsächlich durchwühlt „Terraluna“ den Mond. Wie sich herausgestellt hat, sind die richtig wertvollen Bodenschätze im Kern zu finden. Den will der Konzern anbohren. Chef-Wissenschaftler Dr. Emanuel Rhodes hat die erforderliche Technik entwickelt, ist aber inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass der Mond nicht stabil genug ist für eine solche Ausbeutung: Er würde zerbrechen, was auch die Erde in große Gefahr brächte.

Diese Erkenntnis weckt erwartungsgemäß beim Arbeitgeber keine Begeisterung. Da Rhodes keine Ruhe gibt, wirft man ihn hinaus und denunziert ihn als „Spion“ und „Verräter“. Dennoch findet Rhodes das Ohr der UNO mit einer abenteuerlichen Theorie: Womöglich sind die Ringe des Saturn die Überreste von Monden, die es ebenfalls zerrissen hat! Das will Rhodes vor Ort feststellen.

Niemals ist ein Raumschiff soweit durch das All gereist. Fünf mutige Männer fasst das kleine Gefährt. Nachdem gerade noch rechtzeitig ein Saboteur in den Diensten von „Terraluna“ entlarvt werden kann, stößt Rhodes‘ Sohn Bruce als „Raummatrose“ zur Crew. Die Reise zum Saturn ist lang und gefährlich - und unter den Reisenden verbirgt sich ein weiterer Spion! Auch sonst nutzt „Terraluna“ ihre Außenposten, um die Forscher möglichst unbemerkt auszuschalten.

Trotz aller Widerstände stößt man bis zum Saturnmond Mimas und dann in das Reich der Saturnringe vor. Dort geht es ebenfalls lebensgefährlich zu. Als Dr. Rhodes während eines Erkundungsflugs verschwindet, folgt ihm sein Sohn in eine bizarre Welt voller (manchmal böser) Überraschungen …

Neue Grenze für echte Männer!

Obwohl dieser Roman in der Zukunft spielt, ist er doch ein Rücksturz in die Vergangenheit - ein Problem, mit dem sich die Science Fiction, die doch angeblich einen Blick in die Zukunft gewährte, lange schwertat, bis man diesen Anspruch endlich strich; die Anerkennung der SF als literarisches Genre half dabei, diesen und andere lange als Maßstab für ‚literarischen Wert‘ herausgestellte Zöpfe zu kappen.

Als „Die Geheimnisse der Saturnringe“ erschien, war diese Selbstsicherheit freilich noch fragil und die Science Fiction in den Augen misstrauischer Tugendwächter, die sich in den Dienst einer ‚wertvollen‘ Literatur stellten, verdächtig unterhaltsam. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Jugend in Sachen Selbstbewusstsein erst in den Startlöchern. Verkrustete Sozial- und Kulturstrukturen wurden erst anderthalb Jahrzehnte später wirklich aufgebrochen.

Donald A. Wollheim veröffentlichte daher ein Werk der sog. „juvenile science fiction“,  und dies in einem Verlag, der primär Bibeln u. a. ‚christlich‘ geprägte Werke herausbrachte. Deshalb verband er in „Das Geheimnis der Saturnringe“ das Abenteuer mit der naturwissenschaftlich-technischen Herausforderung einer Zukunft, die keine ‚Halbstarken‘, sondern fleißige, gut ausgebildete Männer - den Frauen blieben weiterhin Küche und Kinderzimmer als natürlichen Biotope - benötigte.

Wunder einer analogen Zukunft

So ein Exemplar ist Bruce Rhodes, gerade 18 Jahre jung, aber voller Ehrgeiz, sich an der Erforschung = Eroberung des Weltalls zu beteiligen! Brav hat er seine Schulzeit nicht nur abgesessen, sondern tatsächlich gelernt, was die elementare Voraussetzung für einen Mann ist, der es zu etwas bringen will. Deshalb vergisst Autor Wollheim nicht zu erwähnen, dass Bruce auch während des Flugs zum Saturn klaglos über schwierigen astro-physikalischen Aufgaben brütet, die ihm sein Vater aufgibt, der gleichzeitig unangefochtener Rudelführer ist.

Glücklicherweise ist in dieser Zukunft ein Grips erforderlich, der ebenso praktisch sein muss wie die Raumfahrt selbst. Von Computern gibt es keine Spur; Kapitän, Astrogator und Pilot brüten gemeinsam über Flugplänen, die sie mit Stift und Papier fixieren, nachdem sie die klassische Mathematik bemüht haben. Wenn’s notfalls schnell gehen muss, fliegt man ‚nach Sicht‘ und ‚mit Vorhalt‘.

„Das Geheimnis …“ ist „past future“ der nostalgieglänzenden Art. Das Hightech-Raumschiff, mit dem unsere Helden zum Saturn reisen, ist ein fliegendes U-Boot, dessen Besatzung nach dem Start erst einmal auf die Hülle klettern muss, um dort eigenhändig Kufen für spätere Landungen zu montieren; dass zeitgenössische Flugzeuge längst über ein- und ausfahrbare Fahrwerge verfügten, wird tunlichst ignoriert. Überhaupt ist der Schraubenschlüssel ein unverzichtbares Instrument (und sei es, um entlarvte Saboteure damit in Schach zu halten). Man drückt oder zieht Hebel und hofft ansonsten das Beste. Immerhin ist die simple Bauart dieser Zukunft durchaus von Vorteil: Mit Geduld, Spucke und der berühmten Büroklammer lassen sich auch kapitale Schäden reparieren.

Lernen, gehorchen und (trotzdem) Initiative zeigen

Die von Wollheim beschriebene Zukunft ist simpel; das soll sie sein, denn jugendliche Leser galten einst als nur bedingt intelligent. Ebenso wichtig wie die Information war die Manipulation. Nichtsdestotrotz ist „Das Geheimnis …“ eines der eher wenigen Exemplare seiner Sparte, die lesbar geblieben sind. Wollheim beschreibt Bruce Rhodes nicht als dressierten Astro-Boy, der sich nur belehrt fühlt, wenn man ihn anschnauzt und aufmunternd in den Arsch tritt. Bruce hat einen eigenen Willen, weshalb er ungeachtet aller Vorschriften ein Rettungsschiff ‚kapert‘, um den verschollenen Vater zu suchen. Als er ihn findet, werden ihm keine Vorwürfe gemacht; der Vater ist froh über die Eigeninitiative.

Hinzu kommt eine lebhafte, auf den Tatsachen des Jahres 1954 aufbauende Schilderung der Saturn-Welt. Der Mond Mimas, aber vor allem das Ringsystem wird von Wollheim einfallsreich als Schauplatz genutzt. Selbst in der (für die Reihe „Utopia Großband“ als Band 45 gekürzten) deutschen Fassung macht sich die daraus entstehende Faszination bemerkbar: Dies ist ‚klassische‘ SF, die sich ihrer Fokussierung auf Naturwissenschaft und Technik nicht schämt und nicht schämen muss. Politisch und kulturell hat sich diese Zukunft dagegen nur bedingt entwickelt. Ungeachtet einer Weltregierung gibt es weiterhin gierige Groß-Konzerne und ihre Schergen: korrupte Politiker, Juristen - und Miet-Mörder auf Kater-Karlo-Niveau, die unseren Helden immer wieder das Leben buchstäblich schwermachen.

Selbstverständlich siegt der Idealismus. Erst tief in den Ringen und dann auf dem Mond Mimas entdecken die Rhodes, dass man den Erdmond in der Tat lieber nicht ausbohren sollte. Dies ist allerliebst altmodisch, aber spannend, wenn man sich einen gesunden Sinn für naives Staunen bewahren konnte. Von einer ‚Moral‘ möchte man dennoch nicht sprechen; Wollheim trägt nicht gar zu dick auf, erspart uns die Züchtigung des Konzerns, sondern fesselt lieber mit einer irrwitzigen Fahrt durchs All mit einem sich Stück für Stück zerlegenden ET-Raumschiff und bringt sein Garn so zügig zu Ende, wie er es vorangetrieben hat.

Fazit:

Ursprünglich „für die Jugend“ geschriebenes, aber nicht so wie zu oft klischeeplumpes „Sei-fleißig-und-gehorche“-Garn, sondern ein veritables SF-Abenteuer, das trotz bzw. gerade wegen seiner heute absurden ‚Supertechnik‘ Spannung mit nostalgischem Charme verknüpft.

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