Nachrichten aus Mittelerde: Illustrierte Ausgabe

Erschienen: März 2021

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Lisa Reim-Benke
Das Studienwerk für Tolkien-Enthusiasten

Buch-Rezension von Lisa Reim-Benke Mai 2021

Bereits 1980 haben die „Nachrichten aus Mittelerde“ das Licht der Welt erblickt. J. R. R. Tolkiens Sohn Christopher Tolkien hatte sich durch den umfangreichen Nachlass seines Vaters gearbeitet, Texte gesichtet, geordnet und mit Kommentaren und Anmerkungen versehen. Heraus kam eine umfangreiche Fragmentsammlung (die aktuelle Ausgabe umfasst 719 Seiten), die Geschichten vom ersten bis zum dritten Zeitalter Mittelerdes enthält.

Doch wie lässt sich dieses Opus in Tolkiens Werk einordnen? Nach „Der kleine Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ veröffentlichte Christopher Tolkien nach dem Tod seines Vaters das „Silmarillion“. Auch dieses (rund 200 Seiten „kürzere“) Werk beschäftigt sich mit den drei Zeitaltern, enthält jedoch auch die Geschichte über die Entstehung Mittelerdes. Nur drei Jahre nach dem „Silmarillion“ erschienen die „Nachrichten aus Mittelerde“, das in seiner Betrachtung der Geschehnisse der drei Zeitalter wesentlich detaillierter ausfällt. Anders als im „Silmarillion“ wurde hier zudem der fragmentarische Charakter der Texte beibehalten. Wir haben es hier demnach nicht mit zusammenhängenden und zusammenfassenden Geschichten zu tun, sondern mit Studien Tolkiens, alternativen Handlungssträngen und unvollendeten Versionen. Aus diesem Grund stolpern Leser der „Nachrichten“ häufiger über bekannte Figuren und Geschichten, wie z. B. Túrins Abenteuer, den Fall Gondolins, die Insel Númenor oder die Reise zum Erebor im „Hobbit“.

Hier wird man zum Mittelerde-Historiker

Mit dem „Silmarillion“ allein wäre man schon gut bedient. Außerdem gibt es ja noch die literarischen Aufarbeitungen der Handlungsstränge zu „Die Kinder Hurins“, „Beren und Luthien“ oder „Der Fall von Gondolin“. Lohnt es sich also, sich durch die „Nachrichten“ zu arbeiten?

Wer sich nicht für die detaillierte (und gemeint ist wirklich detaillierte!) Geschichte Mittelerdes begeistern kann, sollte bei diesem Buch passen. So werden neben Geschichtsschnipseln auch Infos zu den Wald-Elben, Namen und Bezeichnungen oder die Längenmaße Númenors geboten. Richtig frustrierend wird es dann noch, wenn Geschichten einfach mittendrin abbrechen. Und den belesenen Tolkien-Fans sei gesagt: So richtig viel Neues gibt es nicht zu entdecken.

Wer sich jedoch freudig jauchzend an variierenden Satzkonstruktionen, die einen klitzekleinen neuen Blick auf die Geschichten liefern, erfreuen kann, ist hier goldrichtig. Für wissenschaftlich ambitionierte Leser ist Christopher Tolkiens Aufarbeitung des Nachlasses ein wahrer Segen. Man kann in Fußnoten schwelgen, Karten studieren und erhält einen Einblick in die Arbeitsweise des Herausgebers. Aufgrund der enormen Detailverliebtheit ist dieses Buch jedoch bei weitem kein Einstiegswerk. Man sollte sich schon mit Tolkiens Welt beschäftigt und sich „Der kleine Hobbit“, „Der Herr der Ringe“ und auch das „Silmarillion“ zu Gemüte geführt haben. Und trotzdem muss man sich bewusst sein, dass die „Nachrichten“ noch einmal ein ganz anderes Kaliber sind.

Endlich auch mit Bildern!

Bei Sammlern stehen die illustrierten Tolkien-Ausgaben immer ganz oben auf der Liste. Nun endlich warten auch die „Nachrichten“ mit wunderschönen Farbtafeln auf. Diese stammen von den drei berühmten Tolkien-Illustratoren John Howe, Alan Lee und Tad Nasmith. Diese werten die „Nachrichten“ deutlich auf und versüßen die mitunter (man muss es auch als Fan zugeben) trockene Lektüre. Von diesen Bildern hätte es ruhig mehr geben dürfen, 18 Stück auf 719 Seiten erscheinen dann doch etwas dürftig.

Fazit:

Die „Nachrichten aus Mittelerde“ sind mehr ein Studienwerk als irgendetwas sonst. Für alle, die vom „Silmarillion“ nicht genug bekommen konnten, und diejenigen, die sich schon immer mal wissenschaftlich an Mittelerde heranwagen wollten, ist diese illustrierte Ausgabe eine tolle Bereicherung.

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