Der Leibhaftige

Erschienen: Januar 1956

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Michael Drewniok
Mutige Männer im Kampf gegen mordlustigen Mutanten

Buch-Rezension von Michael Drewniok Dez 2020

In dieser US-Großstadt Metropolis gibt es keinen „Superman“, aber das FBI und dessen besten Mann: Walter „Eisgesicht“ Kildering, dem noch nie ein Strolch durch die Lappen ging! Aber auch er ist zunächst ratlos, als prominente Persönlichkeiten scheinbar aus heiterem Himmel tot umfallen. Da auch sein Vater zu den Opfern zählt, ist Kildering besonders motiviert.

Eine unheimliche Macht ist in der Lage, sich in die Gehirne anderer Menschen ‚einzuschalten‘, um sie entweder zu töten oder ‚fernzusteuern‘. Als sowohl der FBI-Chef als auch der Bürgermeister unter fremden Einfluss geraten, taucht Kildering mit seinen Kollegen Marty Summers und Bill Mayor unter. Zu dritt wollen sie sich dem Feind stellen, der inzwischen einen Namen hat: John Miller.

Miller gehört zu jenen „Mutanten“, die durch radioaktive Strahlung besondere Geisteskräfte gewonnen haben. Damit geht in seinem Fall ein gewaltiger Cäsarenwahn einher, der ihn dazu treibt, die Welt nach seinen Vorstellungen umzugestalten. Metropolis ist Millers ‚Testlabor‘, und er geht gnadenlos vor. Wer einen gewissen Intelligenzgrad unterschreitet, wird von ihm ‚aussortiert‘ und stirbt am „Blauen Tod“, den Miller über die Stromleitungen der Stadt verbreiten kann.

Kildering, Mayor und Summers entgehen der Aufmerksamkeit des wachsamen Mutanten nicht. Vor allem Kildering wird als hartnäckiger Gegner erkannt; nur knapp entgeht er einer geistigen Attacke des Mutanten. Der hetzt außerdem die Bürger von Metropolis gegen Kildering auf, die diesen und seine Gefährten zu jagen beginnen. Miller schottet die Stadt nach außen ab. Innen setzt er seinen wahnwitzigen Plan um, während die drei FBI-Männer verzweifelt nach einer Lücke in Millers Bollwerk des Bösen suchen …

An der Wurzel unsterblicher Ideen

„Der Leibhaftige“ ist ein hochinteressanter Titel; dies ganz sicher nicht aufgrund literarischer Werte, sondern aufgrund einiger Ideen, die hier zwar nicht erstmals auftauchen, aber genutzt und entwickelt sowie damit jenem Motivschatz zugeschlagen wurden, auf den die populäre Kultur sämtlicher Medien bis heute zurückgreift. Dies lässt die Flut von Klischees, mit denen Autor Norvell Page uns malträtiert, ein wenig erträglicher wirken. Auch darf man nicht vergessen, dass „Der Leibhaftige“ ein Produkt der US-„Pulps“ ist. In den auf billiges Papier gedruckten Magazinen erzählten schlecht bezahlte Autoren überraschend oft spannende Geschichten. Hier war es „Unknown“, ein primär der Fantasy gewidmetes Magazin, in deren Juni-Ausgabe 1940 „Der Leibhaftige“ erstmals sein Unwesen trieb.

Auffällig ist der Bezug zur (zeitgenössischen) Comic-Szene. Pages Metropolis hat nichts mit der Stadt zu tun, der dem 1938 erstmals aufgetretenen „Superman“ zur Heimat wurde. Jerry Siegel und Joe Shuster, die ihn schufen, hatten allerdings schon in den frühen 1930er Jahren mit einer ähnlichen Figur experimentiert. In „The Reign of the Super-Man” entwickelt ein Bösewicht übermenschliche Kräfte, die er einsetzt, um die Weltherrschaft zu erringen; ein Plot, den Page ‚übernahm‘.

Allerdings dämpfte er den Science-Fiction-Aspekt und stellte den Kampf gegen John Miller als Krimi bzw. Thriller dar. Hier konnte Page auf seine Erfahrungen als Hauptautor der „Pulp“-Serie „The Spider“ zurückgreifen (die wiederum Bob Kane und Bill Finger ‚inspirierte‘, als sie 1939 mit „Batman“ debütierten). „The Spider“ war ein maskierter Vigilant, der außerhalb des Gesetzes Schurken jagte und richtete. In „Der Leibhaftige“ legen Agent Kildering und seine Mitstreiter ihre FBI-Marken ab und tun - ebenfalls nicht legal, aber moralisch gerechtfertigt -, was getan werden muss.

Wissen ist Macht und ohne Kontrolle gefährlich

Die deutsche Übersetzung betont den Trivialcharakter, doch Stereotypen und Übertreibungen gehörten zum „Pulp“ wie die knallig-bunten Titelbilder. Gut und Böse waren „larger than life“, die (Un-) Taten der Schurken schienen in erster Linie dem Zweck zu dienen, diesen Anspruch zu verteidigen; die angeblich angestrebte Weltherrschaft glitt den „Pulp“-Strolchen jedenfalls stets im letzten Augenblick aus den Händen, obwohl sie viel Zeit und Mühe in fantastisch ausgestattete Schlupfwinkel und Superwaffen investierten.

Page schwelgt in Klischees, doch grundsätzlich weiß er, wie man so ein Garn spinnen muss. John Miller, der „Leibhaftige“, bleibt ein Phantom - dank seiner Taten präsent, aber nie selbst anwesend. Der Autor beschränkt sich auf düster-vielversprechende Andeutungen, die Miller immer unheimlicher wirken lassen. Da sein persönlicher Auftritt entfällt, bleibt uns die Erkenntnis erspart, dass ein Super-Schurke - wie so oft - den geschürten Erwartungen kaum jemals gerecht werden kann.

„Mutanten“, d. h. Menschen, deren Erbgut so verändert wurde, dass sie körperliche oder geistige Superkräfte entwickeln, gab es schon vor den Bomben von Hiroshima und Nagasaki. Page arbeitete dieses Konzept aus, indem er Atomkraft und Genetik kombinierte. Wissenslücken füllte er mit Technobabbel, der zumindest einst plausibel geklungen haben mag. Heute kann man über solche ‚Erklärungen‘ höchstens schmunzeln, obwohl sie im Rahmen dieser Krimi-Kolportage weiterhin funktionieren.

Geist und Materie im tödlichen Duell

Das Böse ist in der Unterhaltung attraktiver als das (langweilige) Gute. Über-Mensch John Miller zeigt darüber hinaus deutliche Anzeichen von Größenwahn. Er will der Welt seinen Willen aufzwingen, wobei Page dies als pure Bosheit darstellt; Miller hat nicht vor, seine Macht konstruktiv einzusetzen, weshalb Autor Page - dies ganz im Geiste seiner Gegenwart - keine Skrupel hat, ihn als finalen Höhepunkt sterben zu lassen: Er hat es ‚verdient‘, denn er ist ‚anders‘; für einen wie ihn gibt es keinen Platz in einer ‚ordentlichen‘ Gesellschaft.

Die wird hier in einer Weise geschildert, die einem Schauer über den Rücken treibt. Vorbild-Agent Walter Kildering wirkt aus heutiger Sicht keineswegs ‚besser‘ als John Miller. Er ist die personifizierte Pflichterfüllung, unermüdlich, gnadenlos, sogar den ruppigen Dick Tracy in den Schatten stellend - ein „Punisher“, der sich das Gesetz eher unterwirft, als ihm zu dienen. „Eisgesicht“ nennt man ihn, und so benimmt er sich auch, während die FBI-Kollegen Mayor und Summers nur Ton in seinen Händen sind; dass Kildering sie ebenso instrumentalisiert, wie Miller dies mit seinen Marionetten tut, bleibt der Schluss des (modernen) Lesers. In der trivialen „Pulp“-‚Kultur‘ wurden primär konservative Werte vertreten - und sei es nur, um die misstrauische Zensur auf Abstand zu halten. Folgerichtig schilderte Page ein FBI, das sogar J. Edgar Hoover, dem Chef des realen FBI, gefallen konnte, weil es die Arbeit dieser Institution glorifizierte und deren illegalen Machenschaften ignorierte.

Die Darstellung von Gewalt ist ein weiteres Beispiel für einen elementaren Wertewandel. Völlig unbekümmert lässt Page sowohl Miller als auch Kildering schlagen und schießen. Politisch absolut unkorrekt, aber zeitgenössisch alltäglich schwelgt Page förmlich in Vorurteilen und verunglimpft ethnische Minderheiten, „Geistesschwache“ oder Frauen. Die Welt hat sich seitdem oft gedreht. Wirklich vorwerfen will man Page viele Jahrzehnte später deshalb eher das abrupte, einfallsarme, unbefriedigende Ende.

Anmerkung: „Der Leibhaftige“ war als Text so kurz, dass in der deutschen Übersetzung noch einige freie Seiten blieben. Sie füllte ein ungenannter Autor mit einer ideenarmen, aber gut erzählten Story („War der Blinde der Mörder?“), in der sich ein blinder Mann nicht von Aliens überlisten lässt.

Fazit:

Dies ist sowohl ein Beispiel für frühe „urban fantasy“ als auch ein echtes Stück Phantastik-Trash aus der „Pulp“-Ära: die Story simpel, aber rasant, in den Hauptrollen agieren keine Figuren, sondern Karikaturen, und Logik bleibt stets ein Fremdwort in dieser von der Zeit eingeholten, vor allem deshalb interessanten Schauergeschichte.

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