Der letzte Flug der Xanthus

Erschienen: Januar 1961

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Michael Drewniok
Frau an Bord u. a. Weltraum-Probleme

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jan 2021

Hat Raumtramp Irvin Webb seinen Bordkameraden Singleton umgebracht, weil dann eine hohe Versicherungszahlung ansteht? Die Verdachtsmomente bleiben vage, weshalb sich die Versicherungsgesellschaft zu einer List entschließt: Agentin Kate Bristol tritt als abenteuerliche Frau auf, die einen Raumflug zu den Monden des Jupiters unternehmen und dafür die „Xanthus“ chartern möchte.

Kapitän Webb ist wenig begeistert, aber in Geldnöten, bis das Versicherungsgeld fließt, weshalb er den weiblichen und auch sonst lästigen Passagier akzeptiert. Er ahnt nicht, dass Bristol ihn während der langen Raumfahrt aushorchen soll, ob er tatsächlich ein Mörder ist. Außerdem kann die Agentin das Innere der „Xanthus“ auf eventuelle Indizien untersuchen.

Die „Xanthus“ ist klein, weshalb die beiden Insassen notgedrungen eng aufeinander hocken. Das steigert die Spannung, denn Webb ist ein Griesgram und legt es darauf an seine Begleiterin vor den Kopf zu stoßen, die sich freilich wehren kann - und will. Zudem kommt es zu gefährlichen Zwischenfällen. Die „Xanthus“ ist alt und anfällig, und zusätzlich gilt es einen Schiffbrüchigen aus seinem Raumschiffwrack zu retten.

Für Bristol, die weiterhin nach definitiven Beweisen für ein Verbrechen sucht, wird es eng: Webb konnte eine lohnende Frachtfahrt zum fernen Pluto ergattern und will sie deshalb loswerden. Außerdem warnt ihn heimlich ein Freund vor der Passagierin, die eigentlich eine Versicherungsagentin ist. Als es Bristol gelingt, ihre weitere Anwesenheit an Bord zu erzwingen, ahnt sie nicht, dass sie entlarvt ist und Webb voller Wut- und Rachegedanken steckt …

„Was His Spaceship Haunted - or Only Booby-Trapped?“

Dieser Untertitel der US-amerikanischen Originalausgabe aus dem Jahre 1961 belegt eindrucksvoll, dass die Science Fiction nie wirklich ein Fenster in mögliche Zukünfte darstellte, sondern fest in der jeweiligen Gegenwart verwurzelt war, was hier die Konservierung einer zuvor in der Seefahrt tradierten ‚Weisheit‘ beinhaltete: Bloß keine Frau an Bord! In einer geschlossenen Männerwelt stellte deren Anwesenheit demnach das Pendant eines undichten Pulverfasses dar, weil sich (angeblich) automatisch und ausnahmslos die Begierden sämtlicher Besatzungsmitglieder auf sie konzentrieren, weshalb ein weiblich kontaminiertes Schiff unweigerlich dem Untergang geweiht ist.

Zumindest in der Trivialkultur überlebte dieses Klischee bis auf den heutigen Tag. Lange vor „#MeToo“ & Co. und ohne Ahnung vom Phänomen „shitstorm“, dem er heutzutage ausgesetzt wäre, konnte Wilson Tucker es elementar in sein Weltraum-Abenteuer einarbeiten, das dadurch nicht nur durch die Navigation per Lochkarte und ähnliche ‚Hightech‘ altmodisch wirkt, andererseits aber trotzdem einen Unterhaltungsgrad bewahren konnte, der von anderen Qualitäten kündet.

In gewisser Weise stellt „Der letzte Flug der Xanthus“ ein Bindeglied zwischen der klassischen SF vor und nach dem Zweiten Weltkrieg und der „neuen“, realistischeren SF der späten 1960er Jahre dar. Zwar spielt dieser Roman im genretypischen Milieu einer fortgeschrittenen Raumfahrt, doch vom Glanz, der damit nach Auffassung optimistisch auf die Zukunft hoffender Zeitgenossen verbunden war, ist nichts zu spüren. Die Welt hat sich nicht automatisch zum Besseren entwickelt. Ungeachtet ranzig gewordener Geschlechterkampf-‚Gags‘ spricht Tucker Schattenseiten, an denen auch die Zukunft offensichtlich krankt, wenigstens an.

Working-Class-Anti-Heroes

Irvin Webb und Kate Bristol vertreten jenes ungleiche Paar, das u. a. William Shakespeare in „The Taming of the Shrew„ (1590/92, dt. „Der Widerspenstigen Zähmung“) als schon zu seiner Zeit bewährter Katalysator für eine von Turbulenz geprägte Handlung diente. Als Wilson Tucker 1960 „Die letzte Fahrt der Xanthus“ veröffentlichte, war die Zähmung bereits in Frage gestellt. Noch gab es männliche Bastionen, die sich erfolgreich gegen weibliche ‚Infiltration‘ behaupteten, aber am Horizont zeichnete sich ab, dass sich dies ändern würde.

Kate Bristol wird weiterhin als Ermittlerin arbeiten, während sich Webb zur Ruhe setzen kann. Ihre komplizierte Beziehung ist nicht die erwartete/befürchtete „love story“; beide werden getrennte Wege gehen. Zuvor haben sie sich tüchtig beharkt und damit zeitgenössische Humorvorstellungen erfüllt. Autor Tucker bemüht sich aber zumindest, Individualität jenseits geschlechtsspezifischer Stereotypen zu demonstrieren.

Kate Bristol stellt als Agentin im potenziell gefährlichen Außeneinsatz im Sommer 2009 - dem Zeitpunkt der Handlung - keine Ausnahme mehr dar. Als Ermittlerin ist sie ein Profi; sie sichert Indizien und wertet sie aus, um den Mord, der sich an Bord der „Xanthus“ tatsächlich ereignet hat, zu klären. Sie verdient sich den Respekt des misstrauisch-verschlossenen Webb, ohne dafür die trivialliterarisch allzu oft missbrauchen „Waffen der Frau“ einzusetzen. Körperlich kommen sich Bristol und Webb wie gesagt nicht näher, obwohl sie in einer winzigen Kabine eingeschlossen sind. Sie werden Gefährten und Freunde, verlassen aber nie die ‚professionelle‘ Ebene.

Zukunft ohne (Talmi-) Glanz

„Der letzte Flug der Xanthus“ erschien in der Reihe der „Ace Doubles“: Der Verlag Ace Books veröffentlichte SF-Romane primär abenteuerlichen Inhalts als Doppelbände, wobei Teilband 1 und 2 um 180° gedreht gebunden waren, das Backcover also zum Titel des zweiten Romans wurde. Man musste den Gesamtband während der Lektüre drehen - ein Gag, der immerhin von 1952 und 1978 (und nicht nur für SF-Beiträge) beibehalten wurde.

Ace Books zahlte moderate Honorare, um es neutral auszudrücken, weshalb ‚große‘ SF hier nicht stattfand. Kurz und knackig waren die hier präsentierten Geschichten. Tucker, der das Genre durch deutlich gehaltvollere Titel bereichert hatte und das später fortsetzte, war sich dessen bewusst und lieferte, was gefordert war - nicht mehr, aber auch nicht weniger, denn ‚gute‘ Autoren waren und sind sich stets bewusst, dass man auch ein simples Garn sauber stricken kann (oder muss): Unterhaltung ist durchaus nicht das Verbrechen, als das es kurzsichtige Kritiker gern brandmarken.

So lohnt sich die Lektüre dieses vergessenen Werks, dass mehr als Flachwitze bietet: den Blick auf eine gar nicht glänzende Zukunft, in der sich der alltägliche Lebenskampf nur verändert hat, aber nicht überwunden wurde. In seinen frühen Vierzigern ist Raumfahrer Webb ein von der Raumstrahlung buchstäblich ausgebranntes, körperliches Wrack. Er steuert einen primitiven Raum-Truck, ist notorisch unterbezahlt, wird ‚von oben‘ gegängelt, übers Ohr gehauen und als „Tramp“ verachtet. Die Außenseiterrolle hat er verinnerlicht und ist zu einem Mann geworden, der stets das Schlimmste voraussetzt - und damit richtig liegt. Die Raumfahrt ist für Webb kein Abenteuer, sondern ein schmutziger, lebensgefährlicher Job. Folgerichtig stellen sich Orte mit klangvollen Namen wie „Jupiter“ oder „Pluto“ als unwirtliche, menschenfeindliche Einöden heraus, an denen jeder Fehler der letzte sein kann. Tucker bleibt dem Grundton treu und lässt seine Geschichte auf eine Weise „happy“ enden, die sich in den gegen den Strich gebürsteten Kontext einfügt.

Fazit:

Eine interplanetare Reise wird zur Abenteuerreise, die einen raubeinigen Raumtramp und eine listige Agentin in ein enges Raumschiff zwingt; die daraus resultierenden, vom Zeitgeist geprägten ‚Probleme‘ prägen ein kurzweiliges SF-Garn, das nicht durchweg unbeholfen Spannung und Humor mischt und eine romantikfrei ‚realistische‘ Sicht auf eine Zukunft ohne „sense of wonder“ bietet.

Der letzte Flug der Xanthus

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