Die Legende des Zauberers

Erschienen: Juli 2021

Couch-Wertung:

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Lisa Reim-Benke
Die Legende des Mannes, der auszog, das Nekromantieren zu lernen

Buch-Rezension von Lisa Reim-Benke Sep 2021

Der Zauberer Corcoran Gray verfolgt eine gefährliche Mission: Er will seinen Großvater aus den Fängen der Inquisition befreien. Diese macht Jagd auf Magier, die sich nicht an die Regeln der strengen Gilde halten wollen. Unterwegs trifft Gray auf die Sklavin Brix und andere von der Gilde geplagte Zeitgenossen, die sich ihm anschließen. Während Gray auf seinem Weg versuchen muss, hinter die Geheimnisse der verbotenen Nekromantie zu gelangen, verfolgen seine Weggefährten ihre eigenen Ziele – doch die sind nicht unbedingt kompatibel mit Grays Rettungsaktion.

Fantasy zum Basic-Tarif

Die Handlung ist recht einfach gestrickt und verläuft ohne Umwege. Im Gegensatz zu aktuellen High-Fantasy-Titeln konzentriert sich diese Geschichte auf Einzelschicksale und nicht so sehr auf die Rettung einer ganzen Welt. Außerdem gibt es nur eine Erzählperspektive, wenige Figuren und einen klar definierten Bösewicht – sehr entspanntes Lesen also, das keine Konzentration erfordert. Für Spannung sorgen wohl platzierte Wendungen, die zwar unterhaltsam sind, aber niemanden von den Socken hauen werden. In erster Linie handelt es sich um eine Abenteuergeschichte in einem leicht zugänglichen Fantasy-Setting. Eingefleischte Fans des Genres sollten also nicht zu viel erwarten.

High Fantasy wird von treuen Lesern hauptsächlich dafür geliebt, dass man in fremde Welten eintauchen kann. Wer dieses Bedürfnis hat, ist bei „Die Legende des Zauberers“ nur bedingt gut aufgehoben. Die Welt bleibt blass, man erfährt keine Details, nicht einmal über die grundlegenden Dinge wie Länder, Kulturen, Sprache, Umgangsformen, Regierungssysteme … Die Handlung steht an erster Stelle und verdrängt die Fantasy-Kulisse in den Hintergrund.

Positiv hervorzuheben ist jedoch das originelle Magiesystem. Um Zauber zu wirken, müssen Sigillen geschrieben und ausgesprochen werden. Doch das ist teilweise mit enormen Nebenwirkungen verbunden; dass man sich nach einem Zauber übergeben muss, ist da noch harmlos. Und wenn es mal schnell gehen muss, trägt man die Zauber gleich auf der Haut mit sich herum – wobei diese sich jedoch in die Haut ätzen könnten.

Auch die Ausarbeitung der Figuren folgt dem Motto der Autorin: So viel wie nötig so wenig wie möglich. Den Charakteren kann man relativ gut durch die Geschichte folgen, ihr Schicksal ist einem immerhin nicht vollkommen egal. Durch etwas Besonderes zeichnen sie sich dennoch nicht aus, weshalb man sie nach dem Lesen schnell wieder vergessen wird.

Hinter jedem Charakter steckt ein Drama

Breanna Teintze liefert einen recht oberflächlichen Auftakt ihrer Buchreihe ab, der trotzdem ganz gut funktioniert. Die Probleme beginnen dann, sobald versucht wird, Tiefe zu suggerieren, was jedoch aufgrund der mangelhaften Vorarbeit zum Scheitern verurteilt ist. Wenn also plötzlich eine Liebesgeschichte ins Spiel kommt und die Figuren abgrundtiefen Herzschmerz leiden, der womöglich sogar die Handlung beeinflussen könnte, fragt man sich unweigerlich: Wo kommt das denn jetzt plötzlich her? Denn von einer Anziehung, gegenseitiger Sympathie oder gar Liebe war nie etwas zu spüren. Ähnlich verhält es sich, wenn Figuren von einer herzzerreißenden Hintergrundgeschichte erzählen, die ihnen mehr Tiefgang verleihen und ihre Motivationen begründen soll. Wenn diese 2-3 Seiten jedoch vorbei sind, ist das alles schon wieder vergessen. Gute Charakterentwicklung funktioniert anders.

Fazit:

„Die Legende des Zauberers“ ist sehr leichte Kost. Für anspruchsvolle Leser vermutlich zu leicht. Im Grunde handelt es sich um die perfekte Urlaubslektüre: Man hat ein sehr überschaubares Figurenensemble, eine geradlinige Handlung und ein schlichtes Worldbuilding. Für zwischendurch oder für Genre-Einsteiger sicherlich brauchbar, auch wenn das Buch gut 500 Seiten lang ist.

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