The Art of THE LAST OF US Teil II

  • Splitter
  • Erschienen: Oktober 2021
The Art of THE LAST OF US Teil II
The Art of THE LAST OF US Teil II
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Marcel Scharrenbroich
95°

Phantastik-Couch Rezension vonJan 2022

Düstere Aussichten

Bis aufs Blut

Fünf Jahre sind vergangen, seit Joel seinen Schützling Ellie aus den Händen der Wissenschaftler rettete, die zweifelsohne ihr Leben beendet hätten. Im Auftrag der Rebellengruppe Fireflies, eskortierte der gebrochene Joel, der noch immer nicht den Verlust seiner Tochter verarbeiten konnte, das Mädchen quer durchs postapokalyptische Land. Ellie ist nämlich immun gegen den tödlichen Cordyceps-Pilz, durch den Menschen zu rasenden Bestien mutieren. Um ein Heilmittel zu entwickeln, wäre der Eingriff für Ellie allerdings tödlich verlaufen…, was Joel nicht zulassen konnte. Das vorlaute Mädchen wuchs ihm während der beschwerlichen Reise immer mehr ans Herz, weswegen er eigensinnig handelte, die Wissenschaftler tötete und Ellie befreite. Mittlerweile ließ Joel die Bombe platzen und Ellie erfuhr, dass sie ihrer Bestimmung beraubt wurde. Das führte zum Bruch zwischen den beiden…

Ab hier folgen beträchtliche Spoiler zum Inhalt des im Sommer 2020 veröffentlichten Spiels „The Last of Us Part II“:

Noch immer wütet die Seuche und die dezimierte Menschheit hat sich in abgeschotteten Bereichen niedergelassen. Joel und die mittlerweile volljährige Ellie haben sich in der Gemeinschaft von Jackson, im Bundesstaat Wyoming, häuslich eingerichtet. Jedoch gehen beide ihrer eigenen Wege. Während Joel noch immer der ewige Junggeselle ist, hat Ellie ein Auge auf Dina geworfen, die sich erst kürzlich von ihrem Freund Jesse trennte. Zwischen den beiden jungen Frauen hat es ordentlich gefunkt, doch viel Zeit für traute Zweisamkeit bleibt nicht. Als Joel und sein Bruder Tommy nicht von einer Patrouille zurückkehren, macht Ellie sich auf, die beiden zu suchen.

Kurz zuvor sind Joel und Tommy auf Abby getroffen. Eine Fremde, die eine ordentliche Horde Infizierter an den Hacken kleben hatte. Die Brüder retteten sie und folgten ihr in ihren Unterschlupf. Ein fataler Fehler. Joel konnte nicht ahnen, dass Abby zur Washington Liberation Front (WLF) gehört und nicht zufällig in der verschneiten Gegend unterwegs war. Sie war mit ihren Wolfs auf der Suche. Auf der Suche nach dem Mann, der ihren Vater vor einer für die Menschheit lebenswichtigen Operation kaltblütig tötete. Nun ist sie fündig geworden. Es war Joel, der Dr. Jerry Anderson bei Ellies Rettung aus dem Saint Mary's Hospital umbrachte. Und Abby sinnt auf Rache.

Im Unterschlupf der Wolfs findet Ellie die vermissten Brüder, wird jedoch von Abbys Entourage überwältigt. Nun muss Ellie mitansehen, wie Abby Joel zur Rechenschaft zieht. Mit tödlichem Ausgang.

Tommy und Ellie wurden verwundet zurückgelassen, doch kaum zurück in Jackson, schwört Ellie Rache für den Tod ihres Ziehvaters zu nehmen. In Begleitung von Dina macht sie sich auf, Abby und die WLF gnadenlos zu jagen…

Kontrovers, kontroverser…

…“The Last of Us Part II“. Immer wieder kommt es vor, dass Videogames und deren Thematiken hitzig diskutiert werden. Sei es aus inhaltlich äußerst fragwürdigen Gründen, wo nicht selten Paradebeispiele wie „Grand Theft Auto“ (kurz: „GTA“) oder diverse Shooter öffentlich durch die Manege geführt werden, oder gar menschenverachtende Titel, auf die hier aus mehreren Gründen nicht tiefer eingegangen werden soll. Gesitteter, aber nicht weniger intensiv, geht es regelmäßig bei den „künstlerisch“ angehauchten Spielen von Hideo Kojima („Metal Gear Solid“-Reihe, „Death Stranding“) zu. Ob das nun Kunst, ausgereiftes Storytelling oder doch eine gehörige Portion Wahnsinn gepaart mit einer lebhaften Fantasie ist, wird fleißig diskutiert. Wie man auch dazu stehen mag, sicher ist, dass es Spiele gibt, die abgesehen von Grafik und Gameplay kräftig durch ihre Geschichten polarisieren. Und da hat in letzter Zeit kaum ein Game derart über sich reden lassen, wie „The Last of Us Part II“.

Dass für manche Nörgler ausgerechnet Ellies Sexualität zum Kritikpunkt wurde, überraschte mich dann doch sehr. Etwas, dass eigentlich in einer toleranten Gesellschaft durchweg akzeptiert werden sollte und müsste, sorgte für Zündstoff und ließ mich wieder mal feststellen, dass der eine oder andere mit einem Buch oder etwas frischer Luft besser bedient wäre, als mit einem fiktiven Spiel, dessen Hauptfigur eben eine lesbische junge Frau ist. Wem das schon für einen Shitstorm reicht, sollte sich von der realen Welt vielleicht ganz fernhalten, bevor die letzten Zellen der Kernschmelze zum Opfer fallen.

Noch eifriger wurde aber folgender Punkt diskutiert, was dann schon eher nachvollziehbar ist: Viele Spielerinnen und Spieler waren entsetzt, als sie plötzlich in die Haut von Abby schlüpfen sollten. Nicht nur sollten, sie wurden förmlich dazu gezwungen, wenn sie weiter im Game voranschreiten wollten. Eine Figur, die man (logischerweise) abgrundtief hasst, da sie kurz zuvor dem mittlerweile liebgewonnenen Joel brutal die Lichter ausgeblasen… bzw. ausgeprügelt hat. Ein durchaus bewusster Move von Entwickler NAUGHTY DOG. Es gibt nämlich immer zwei Seiten einer Medaille, und war es nicht Joel, der in „The Last of Us“ aus eigensinnigen Gründen das Leben einer Person über den Fortbestand der Menschheit stellte? Der dafür über Leichen ging? So hart es klingt, aber diese Seite sollte ebenfalls sorgfältig und mit einer gewissen Neutralität betrachtet werden. „The Last of Us Part II“ machte dies möglich, zwang uns intime Rückblicke mit Abby und ihrem Vater regelrecht auf. Und irgendwie kam man im Laufe der Geschichte nicht drum herum, Abbys Beweggründe nachvollziehen zu können. Strahlende Helden gab es nicht. Auch nicht den „richtigen Weg“. Am Ende kann es nach einer solchen Tour de Force nur Verlierer geben. Und eines der besten Videospiele, die ich jemals spielen durfte.

Waren im ersten Game noch Hoffnung, Freundschaft, Menschlichkeit und die Chance auf Heilung (sowohl von Joels gebrochener Seele, als auch das in Aussicht stehende Heilmittel gegen den Cordyceps-Pilz) zentrale Themen, ist in der Fortsetzung Rache der laut dröhnende Motor. Beide Seiten wollen Blut sehen… und das bekommen sie auch. Die Welt ist ein rauer Platz geworden und das merkt man im Spiel an jeder Ecke. So gehen alle Protagonisten mit äußerster Brutalität vor und als Spieler killt man quasi im Minutentakt. Das nimmt derartige Ausmaße an, dass man des Tötens regelrecht müde wird. Ein wirkungsvoller Kniff, um zu zeigen, dass der Durst nach Rache einen am Ende förmlich ertränken kann. Mit einem Bodycount, der jedes Zählwerk sprengt, bewegt man sich trotz spielerischen Fortschritts im Rückwärtsgang. Um letztendlich einzusehen, dass eine solche Motivation Dinge niemals leichter zu akzeptieren oder gar ungeschehen machen kann.

Ins Herz der Finsternis

„The Last of Us Part II“ ist ein harter, clever erzählter und durch und durch intensiver Meilenstein der Videospielgeschichte, den ich persönlich nicht mehr missen möchte. Während seiner immensen Spielzeit (die mit rund 25 bis 30 Stunden für ein Story-getriebenes Singleplayer-Game überdurchschnittlich hoch ausfällt) geht dem Spiel zu keiner Zeit die Puste aus und es überrascht selbst im letzten Akt mit frischen, detailreichen Settings. Deshalb ist es umso schöner, dass man mit „The Art of THE LAST OF US Teil II“ den gesamten Weg nochmals nachverfolgen kann.

Wie schon im Artbook zum ersten Teil, liefert auch das mit 200 Seiten noch umfangreichere Hardcover-Buch zur Fortsetzung wieder grandiose Artworks. Es gibt erneut Charakter-Entwürfe zu allen wichtigen Figuren. Dabei ist es interessant zu sehen, welche Entwicklungsstadien die Protagonisten aus „The Last of Us“ durchgemacht haben, um die fünf Jahre, die zwischen beiden Handlungen liegen, glaubhaft darzustellen. Diesmal ist der rote Faden deutlich sichtbarer, da kurze Texte die Handlung des Spiels chronologisch nachzeichnen. Selbstverständlich bleiben es aber die Bilder, die im Vordergrund stehen und zahlreich vertreten sind. Die von unterschiedlichen Künstlern entworfenen Konzeptzeichnungen wirken wieder höchst beeindruckend und besitzen nicht selten Foto-Qualität. Zwar kommen die Bilder nicht so farbenprächtig wie im Vorgänger daher, was allerdings dem düsteren Grundton der Story nur gerecht wird. Der Detailgrad ist dennoch enorm hoch und lässt die verwilderte Postapokalypse entsprechend trostlos und bedrohlich erscheinen. Sehr gut gefällt mir das nicht unwesentliche Detail, dass auf jeder Seite die Künstler der entsprechenden Artworks aufgelistet sind. Darunter die Concept-Artists Sebastian Gromann, Hyoung Taek Nam, Art Director John Sweeney (der neben seinem Kollegen Erick Pangilinan und Game-Director Neil Druckmann auch ein Vorwort verfasst hat) und Kael Ngu, der für Comic-Freunde vor allem durch seine exklusiven Variant-Cover für MARVEL, DC und BOOM! STUDIOS kein unbeschriebenes Blatt sein sollte. Alle Künstlerinnen und Künstler aufzuzählen, würde deutlich den Rahmen sprengen, aber es soll gesagt sein, dass wirklich jedes Bild seine Daseinsberechtigung im großformatigen Artbook verdient hat.

Fazit:

Eine aufpolierte Version von „The Last of Us“ ist für die PS5 im Anmarsch und es gibt Gerüchte, dass es einen „Director’s Cut“ und ein eigenständiges Multiplayer-Game zur Fortsetzung geben soll. Wer die Zeit bis dahin „totschlagen“ möchte und nicht mehr selber aktiv zum Pad greifen will, kann sich voll und ganz in den düsteren Bilderwelten der Artbooks aus dem SPLITTER Verlag verlieren. Beide Daddel-Daumen nach oben!

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