Der Club der Rabenschwestern

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 2022
Der Club der Rabenschwestern
Der Club der Rabenschwestern
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Andrea Betschart
58°

Phantastik-Couch Rezension vonMär 2022

Mittelmässiger Hexenzauber

Eine Geschichte über einen Hexenzirkel, getarnt als elitäre Studentinnenverbindung, verpackt in einem Buch mit wunderschönem Raben-Cover. Dazu das Versprechen auf massig Magie, Spannung und Atmosphäre. Kein Wunder, hat es mich da vor Vorfreude auf die Lektüre in den Fingern gejuckt.

Willkommen am Westerly College

Vivi Deveraux kann es kaum erwarten, ihr neues Leben als Studentin am Westerly-College zu beginnen. Endlich kann sie ihr Nomaden-Dasein hinter sich lassen. Die letzten Jahre mit ihrer Mutter waren nämlich vor allem durch spontane Umzüge geprägt. Nächtliches Kofferpacken und das Zuhause Hals über Kopf verlassen, um an einem neuen Ort von vorne anzufangen, kam da durchaus öfters vor. Kein Wunder freut sich die junge Frau auf mehr Stabilität.

Sehr durchorganisiert und geplant präsentiert sich hingegen das Leben von Scarlett Winter. Sie ist Vorzeige-Studentin, Mitglied in der exklusiven Verbindung Kappa Rho Nu und selbstredend mit dem attraktivsten Jungen am Campus liiert. Für das bevorstehende Schuljahr hat sie hauptsächlich ein Ziel: Präsidentin der Schwesternschaft werden. Schliesslich waren schon Scarletts Mutter und Schwester in diesem Amt tätig, und Tradition wird in der Familie Winter großgeschrieben.

Interessante Grundidee

Kurz nach ihrer Ankunft macht Vivi Bekanntschaft mit der Studentinnenverbindung Kappa Rho Nu, deren Mitglieder von allen Seiten bewundert werden. Nur wenige Schülerinnen schaffen es, eine "Rabenschwester" zu werden. Vivi kann es kaum fassen, als sie in den exklusiven Kreis aufgenommen wird und erfährt, dass sie eine Hexe ist. Ihre Partystimmung kippt indes schnell, als jemand droht, die "Rabenschwestern" zu enttarnen.

Die Idee, einen Hexenzirkel als Studentinnenverbindung zu tarnen, fand ich interessant. Leider haben die Autorinnen meiner Meinung nach zu wenig daraus gemacht. Oft geht es um alltägliche Teenagerprobleme wie die erste Liebe, Eifersucht auf Freundinnen oder das Gefühl, von der Familie nicht verstanden zu werden. Das ist ja an und für sich absolut in Ordnung. Wenn der Klappentext allerdings eine "geballte Ladung Magie" verspricht, möchte ich auch entsprechend verzaubert werden. Die neuen Anwärterinnen müssen den richtigen Umgang mit Hexerei erst lernen, sind jedoch nach kurzer Zeit schon in der Lage, die schwierigsten Zauber zu wirken. Über die Hintergründe und Wirkweise der Magie werden wir kaum aufgeklärt. Ebenfalls etwas zweifelhaft erscheint mir der Umstand, dass seit Jahren ein Hexenzirkel unentdeckt mitten auf einem belebten Campus existieren und zaubern kann. Gerade in der heutigen Zeit, wo praktisch überall und jederzeit eine Handykamera lauert, nicht sehr glaubwürdig.

Der Schreibstil tröstet über Schwächen

Die Hauptfiguren des Buches sind Vivi und Scarlett, aus deren Perspektiven wir die Geschichte erzählt bekommen. Einerseits ein kluges und schüchternes Mädchen, welches sich nichts mehr wünscht, als endlich irgendwo "dazu zu gehören". Anderseits die selbstbewusste Scarlett, die nach Aussen immer perfekt wirkt, innerlich aber mit dem Druck und der Erwartungshaltung ihrer Familie zu kämpfen hat. Diese Gegensätze sind spannend und zu Beginn macht es Spass, die beiden verschiedenen jungen Frauen auf ihrem Weg zu begleiten. Doch mit zunehmender Dauer gerät Vivi immer mehr in den Hintergrund, und die Story dreht sich gefühlt nur noch um Scarlett. Für mehr Abwechslung gäbe es genügend Nebenfiguren. Bloss verpassen es die Autorinnen, diesen mehr Tiefe und Präsenz zu verleihen.

Positiv ist mir der Schreibstil aufgefallen. Die Geschichte kommt locker flockig daher und liest sich praktisch in einem Rutsch durch. Dadurch verzeiht man gewisse Längen in der Handlung und die sich oft wiederholenden Worte "Schwester" oder "Schwesternschaft".

Fazit:

Wer keine allzu grossen Ansprüche hat und eher zur jüngeren Leserschaft gehört, findet in "Der Club der Rabenschwestern" ein nettes Buch für Zwischendurch. Der flüssige Schreibstil, gepaart mit simpler Handlung und wenig komplexen Figuren, sorgt für eine flotte Lektüre. Im Zentrum der Geschichte steht ein Hexenzirkel. Dafür kommt mir die ganze Thematik der Hexerei und Magie jedoch zu kurz.

Am 11. Januar 2022 ist mit "The Monarchs" die Fortsetzung und Abschluss der Dilogie auf Englisch erschienen. Für die deutsche Ausgabe ist noch kein Termin bekannt.

Der Club der Rabenschwestern

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