Red Hands - Tödliche Berührung

  • Cross Cult
  • Erschienen: Januar 2022
Red Hands - Tödliche Berührung
Red Hands - Tödliche Berührung
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Marcel Scharrenbroich
70°

Phantastik-Couch Rezension vonMär 2022

Wissenschaft, die Leid erschafft

Auf der Flucht

Am 4. Juli feiern die Einwohner der kleinen Stadt Jericho Falls den amerikanischen Unabhängigkeitstag. Wie in jedem Jahr, findet an diesem Datum eine große Parade statt, an der fast alle Einwohner teilnehmen. So auch Maeve Sinclair und ihre Familie. Die friedliche Veranstaltung findet jedoch schnell ein grausames Ende, welches lediglich den Beginn eines noch viel größeren Schreckens darstellt…

Wie aus dem Nichts rast aus heiterem Himmel ein BMW in die Menschenmenge. Zahlreiche Opfer sind zu beklagen und die Menge steht sichtlich unter Schock. Als der schwerverletzte Fahrer aus dem Wrack torkelt, spielen sich unglaubliche Szenen ab. Durch mehrere Schusswunden und den Aufprall sichtlich gezeichnet, stellen sich dem Mann mehrere Augenzeugen in den Weg. Jeden, den er berührt, ereilt anschließend das gleiche Schicksal… der Tod. Eine kurze Berührung des Amokfahrers reicht aus, dass seinen Opfern eine schleimige, schwarzrote Flüssigkeit aus Nase und Augen fließt. Qualvoll brechen sie zusammen und hauchen ihr Leben aus. Geistesgegenwärtig handelt Maeve Sinclair und schlägt mit einem Baseballschläger auf den Angreifer ein. Mehrfach. Bis dieser offensichtlich keine Gefahr mehr darstellt. Doch mit letzter Kraft bekommt er Maeve zu packen. Überraschenderweise bricht die junge Frau jedoch nicht augenblicklich zusammen. Dafür aber Maeves Mutter und ihr Bruder Logan, nachdem sie die beiden nach ihrer Kurzschluss-Tat in die Arme schließt. Sie zeigen die gleichen Symptome wie die mutigen Bürger, die sich dem Fahrer des BMW entgegenstellten… und sterben noch an Ort und Stelle. Völlig überfordert mit der Situation und bis ins Mark erschüttert, ergreift Maeve die Flucht. Sie flüchtet in die angrenzenden Wälder, in Richtung der Berge. Dort kennt sie sich bestens aus und muss in ihrer Panik erstmal realisieren, was da gerade mit ihr geschehen ist. Doch sie ist nicht allein… und die Stimme in ihr, die immer mehr die Kontrolle übernimmt, schreit nach Nahrung.

Zeitgleich sind Einsatzkräfte der Regierung bereits in Jericho Falls eingetroffen und stellen die gesamte Stadt unter Quarantäne. Ben Walker, seines Zeichens Agent und ebenso fähiger Wissenschaftler, wird von einer geheimen Unterorganisation des Verteidigungsministeriums auf den Fall angesetzt und unverzüglich in die Kleinstadt beordert. Er nimmt Kontakt mit Ted Sinclair, Maeves Vater, auf, der selber bei dem Zwischenfall auf der Parade verletzt wurde. Der von Tabletten- und Alkohol-Sucht gezeichnete Ted macht sich Vorwürfe, dass sein Zustand ihn an einer aktiven Suche nach seiner Tochter hindert, doch seine beste und älteste Freundin Rue Crooker lässt ihn nicht hängen und geht ihrerseits einer heißen Spur nach. Außerdem steigen Maeves jüngere Schwester Rose und ihre Freundin Priya aktiv in die Suche ein. Da Rose und Maeve die Gegend um die Wälder des Mount Champney wie ihre Westentasche kennen, hat Rose bereits eine Ahnung, wo ihre Schwester Zuflucht suchen könnte. Walker leiste tatkräftige Unterstützung, betont er doch immer wieder, dass er die sicherste Chance ist, Maeve Sinclair lebend zurückzubringen. Große Worte, denn nicht alle, die sich an Maeves Fersen geheftet haben, sind ihr wohlgesonnen...

Ich wiederhole…

Die Handlung von „Red Hands - Tödliche Berührung“ findet quasi in Echtzeit statt und umfasst weniger als einen Tag. Dabei versteift sich Autor Christopher Golden („Snowblind - Tödlicher Schnee“, Something she lost“, „Sieben Pfeifer“, „Der Fährmann“) nicht nur auf die flüchtige Maeve Sinclair, die gegen ihre inneren Stimmen und den stetig wachsenden Hunger ankämpfen muss, sondern wechselt gekonnt die Perspektiven. Große Anteile fallen auch auf den ermittelnden Ben Walker, den gegen seine inneren Dämonen ankämpfenden Ted Sinclair, dessen zweite Tochter Rose, die mit ihrer Freundin Priya ebenfalls die Spur von Maeve aufnimmt, und Rue Crooker, auf deren Liste die nahegelegene wissenschaftliche Einrichtung steht, in der der Amokfahrer von Jericho Falls beschäftigt war. Des Weiteren offenbart sich Stück für Stück, was es mit der todbringenden Krankheit, die unweigerlich nach Berührung eintritt, auf sich hat.

Das sind - neben der spannenden Ausgangssituation - die wohl positivsten Aspekte des Romans. Ankreiden muss ich, dass dem Buch im Mittelteil gehörig die Puste ausgeht. Hier verliert sich Golden in endlosen Wiederholungen, die uns immer wieder daran erinnern, dass Maeve erst vor wenigen Stunden ungewollt ihre Mutter und ihren Bruder tötete, was mit der Zeit regelrecht nervt. Auch dass eine Person eine andere dauerhaft mit einer Waffe in Schach hält, müsste nicht in jedem dritten Satz extra erwähnt werden. So schlecht ist es um das Kurzzeitgedächtnis der Leserschaft sicherlich nicht bestellt, dass solche ausufernden Brücken gebaut werden müssten. Ein wenig blumiger hätte es in den Ausführungen ebenfalls sein dürfen, womit speziell der Mittelteil etwas hätte gestrafft werden können. Denn für fast 500 Seiten passiert erstaunlich wenig, bevor gegen Ende das Tempo noch mal anzieht. Hier zieht Golden die Horror-Schraube auch etwas an, was der zuvor etwas auf der Strecke gebliebenen Spannung förderlich entgegenkommt.

Fazit:

„Red Hands - Tödliche Berührung“ ist ein regelrechtes Auf und Ab. Nach gelungenem Einstieg folgt eine ganze Weile Leerlauf, der durch ewige Wiederholungen auf der Stelle tritt. Hier hätte einiges gestrafft werden können, um das Tempo hochzuhalten. Die düstere Horror-Atmosphäre in Richtung Showdown entschädigt zumindest halbwegs für die langatmige Streckung im Mittelteil.

Red Hands - Tödliche Berührung

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