Dark and Shallow Lies

  • Panini
  • Erschienen: April 2022
Dark and Shallow Lies
Dark and Shallow Lies
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Marcel Scharrenbroich
48°

Phantastik-Couch Rezension von Marcel Scharrenbroich Jun 2022

Gefühls-Wechselbad im Bayou

Vergangenheitsbewältigung(en)

Wie in jedem Sommer kehrt sie siebzehnjährige Greycie auch in diesem Jahr in ihre zweite Heimat zurück: nach La Cachette im sumpfigen Louisiana. Ein klitzekleines Städtchen im Bayou, wo es dafür aber reichlich übersinnlich zugeht. Dort wohnt sie während der Ferien bei ihrer Großmutter Honey, die einen Buchladen betreibt, in dem es auch reichlich spirituellen Krimskrams für die zahlreichen Touristen zu finden gibt. Fast jeder Einwohner in La Cachette verfügt über spezielle Fähigkeiten. So auch Grey und die anderen sogenannten Sommerkinder. Sie alle wurden im selben Jahr zwischen der Frühlings-Tagundnachtgleiche und der Herbst-Tagundnachtgleiche geboren, was sie unweigerlich miteinander verbindet. Mit Grey waren sie einst zu zehnt. Eine magische Zahl der Vollkommenheit. Diese Zeiten sind aber schon lange vorbei, nachdem die Zwillingsmädchen Ember und Orli vor dreizehn Jahren entführt und leblos im Wasser treibend in der Nähe des Hauses eines Anwohners gefunden wurden, um den sich heute noch düstere Legenden ranken. So blieben noch acht Sommerkinder. Bis vor wenigen Monaten…, denn da verschwand das Mädchen Elora spurlos. Greys beste Freundin. Ihre Zwillingsflamme. Geboren in exakt der gleichen Minute, herrschte so von Anfang an ein unsichtbares aber extrem mächtiges Band zwischen den beiden.

Für Grey ist das Wiedersehen mit den anderen zwar von freudiger Natur, jedoch zerreißt es ihr fast das Herz, dass Elora nicht wie gewohnt Teil ihrer Gemeinschaft ist. Was mit ihr geschah, kann niemand so genau sagen. Tagelang war die ganze Stadt auf den Beinen, um nicht nur das überschaubare Örtchen, sondern das komplette angrenzende Sumpfgebiet zu durchkämmen. Erfolglos… Elora blieb verschwunden. Grey hat einen schrecklichen Verdacht, weigert sich jedoch zu akzeptieren, dass ihre Zwillingsflamme tot ist. Fest entschlossen, Eloras mysteriöses Verschwinden aufzuklären, stößt sie innerhalb der Gemeinschaft auf Geheimnisse, Widersprüche und dunkle Kapitel aus der Vergangenheit. Und plötzlich taucht ein Fremder auf, der Elora sehr gut gekannt zu haben scheint…

Ich kann es nicht mehr hö…!!!

Erzählt wird die etwas tranig in die Gänge kommende Geschichte komplett aus der Sicht von Grey. Hätten wir eine Story aus der Erzähler-Perspektive, wären wir womöglich mit weniger Schwärmereien ausgekommen, die nicht nur gefährlich nahe am Kitsch sind, sondern sich voll und ganz darin suhlen. Wenn Grey in einer Tour vom mysteriösen Bengel mit den „feurigen Eisaugen“ säuselt, tropft der lauwarme Schmalz regelrecht von den Seiten. Einerseits will Grey energisch herausfinden, was mit ihrer besten Freundin geschah, lässt sich auf der anderen Seite aber auf naivste Weise aus dem Tritt bringen, was immer wieder in Schulmädchen-Schwärmereien gipfelt, die Leserinnen und Leser schallend mit der flachen Hand vor die Stirn schlagen lassen. Der „coole“ Bad Boy raucht mehr, als es ein Hochofen im Dauerbetrieb je könnte, während der feurig-eisige Love-Interest sich möglichst geheimnisvoll gibt. Das ist dann derart schablonenhaft geraten, dass es fast schon lächerlich ist. In dieser Hinsicht ist „Dark and Shallow Lies“ herzlich uninspiriert und bietet nichts Neues, was die romantischen Ergüsse angeht. Dass auf gefühlt jeder Seite erwähnt werden muss, dass das Windspiel am Nachbarhaus hörbar bimmelt, verursacht mehr einen Phantom-Tinnitus, als dass dessen Geläut mit einer Erklärung einen sinnvollen Aha-Effekt bietet. Erwartbar gibt es diesen zwar, doch gestaltet er sich unspektakulärer als erhofft.

Je näher wir dem Finale rücken, desto turbulenter wird die Handlung. Ein paar nette Twists sorgen für einige spannende Momente und man kann Ginny Myers Sain nicht vorwerfen, dass sie sich nicht ausreichend Gedanken über ihren Plot gemacht hätte. Das hat sie…, allerdings rettet das „Dark and Shallow Lies“ nicht vollends vor einem Kitsch-Overkill mit Augenroll-Faktor. Dafür sind die meisten Charaktere einfach zu schablonenhaft. Bei vielen Figuren wird außerdem lediglich an der Oberfläche gekratzt, was recht schade ist, da die „magische“ Verbundenheit der Kids durchaus mehr Potential gehabt hätte.

Fazit:

In dieser Geschichte eines Sommers geschieht erstaunlich wenig dafür, dass wir es gleich mehrfach mit vermeintlichem Mord, düsteren Geheimnissen, Naturkatastrophen und tragischen Familiengeschichten zu tun haben. Wir bewegen uns lediglich auf einem abgesteckten Terrain, lesen ständige Wiederholungen und ducken uns weg, wenn uns mal wieder ein Anflug von Teenager-Romantik um die Ohren fliegt. Das letzte Drittel reißt das Ruder dank höherem Tempo und überraschenden Wendungen noch einmal auf einen korrigierten Kurs. Unterm Strich bleibt aber generische Young Adult-Fantasy in einem zugegebenermaßen frischen Mississippi-Setting.

Dark and Shallow Lies

Ginny Myers Sain, Panini

Dark and Shallow Lies

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