The Electric State: Ein illustrierter Roman

  • Fischer
  • Erschienen: Oktober 2019
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André C. Schmechta
98°

Phantastik-Couch Rezension vonNov 2022

Ein literarisch und vor allem visuell einzigartiges Science-Fiction Erlebnis

Niemand geringeres als Millie Bobby Brown - Star der Netflix-Serie „Stranger Things“ und der Erfolgsfilme „Enola Holmes“, deren zweiten Teil sie sogar mitproduzierte - wird die Hauptrolle in der kommenden Verfilmung von „The Electric State“ übernehmen. Doch bis zur Veröffentlichung müssen wir uns noch ein wenig gedulden, 2023 sollen die Dreharbeiten abgeschlossen sein. Eine gute Gelegenheit aber, sich spätestens jetzt dem bereits 2019 erschienen Werk des schwedischen Ausnahmekünstlers Simon Stålenhag zu widmen.

Eine faszinierende Kurzgeschichte in Wort und Bild

Wie auch das vorliegende „The Electric State“ verstehen sich die Bücher von Simon Stålenhag, der gleich mit „Tales from the Loop“ für Furore sorgte, als illustrierte Romane. Seine einnehmenden Bilder sind dabei keineswegs nur schmückendes Beiwerk zum literarischen Text, sondern essentieller und erzählender Bestandteil.

Ich würde aber auch hier wieder eher von einer illustrierten Kurzgeschichte sprechen. Denn trotz stattlichem Umfang von über 130 Seiten und großzügigem Querformat in hochwertiger Bindung, ist der Anteil des Lesetextes doch sehr überschaubar. Aber ich möchte das gar nicht als Kritik verstanden wissen, stelle das nur bewusst voran, um damit auch zu signalisieren, dass es nicht ganz einfach ist, die Geschichte mit ein paar wenigen Details ohne größere Spoiler einzuleiten. Streng genommen nimmt schon der Klappentext recht viel vorweg.

Eine düstere Reise durch das postapokalyptische Amerika

Nach einem Drohnenkrieg ist die Welt nicht mehr das, was sie einmal war. Die Menschen sind untereinander vernetzt, kontrolliert und verlorenen in einer virtuellen Realität. Die junge Michelle ist hingegen entkoppelt von diesem fremdgesteuerten Dasein und mit ihrem Roboterfreund unterwegs, um ihren Bruder zu finden.

Wenn uns ihre Reise durch das postapokalyptische Amerika führt, durch weite Landschaften mit zerstörten militärischen Luftschiffen, gigantischen zerschossen gelben Entenskulpturen, Roboter mit grinsenden Gesichtern, gestapelten Behausungen, großen sogenannten Neurographentürmen und vor allem Menschen mit länglichen Helmen auf dem Kopf, dazu noch verbunden mit technischen, künstlichen Wesen, dann sind wir gefangen in der surrealen, teils skurril anmutenden Welt von Simon Stålenhag.

Die realistischen digital geschaffenen Bilder strahlen eine ungeheure Faszination aus, sind kraftvoll und einnehmend. Sie schaffen eine düstere, bedrohliche Atmosphäre, in denen nur dezent Motive des romantischen Amerikas durchschimmern, die dann befremdlich in ihrer ehemals bestimmten Umgebung scheinen.

Dass die Bilder ihre ganze Kraft entfalten können und eine enorme Präsenz besitzen, ist auch dem großen Format zu verdanken. Häufig spannen sie sich über eine Doppelseite und es gibt Abschnitte, die nur mit Bildern erzählt werden.

Eine neue Hoffnung

Mag die kurze inhaltliche Zusammenfassung beinahe unspektakulär scheinen, es ist erstaunlich wie kompakt und eindringlich Simon Stålenhag die verschiedenen Ebenen seiner Geschichte ineinander verwebt. Die nicht chronologisch erzählten Ereignisse bringen uns die Umstände näher, die die heutige Welt erschaffen haben. Wir erfahren etwas mehr Details über die Vergangenheit von Michelle und ihren Bruder. Er ist das Ziel ihrer nicht ungefährlichen Reise.

Aber es bleibt noch so vieles unerwähnt oder nur angedeutet und so lässt Simon Stålenhag durchaus Interpretationsspielraum, wenngleich er immer genau so viel erzählt, dass er auch das Unsichtbare mitgestaltet. Unweigerlich müssen wir an unsere eigene globale, vernetzte Welt denken, an die Reizüberflutung die stete Verfügbarkeit digitaler, sich immer weiter entwickelnder Technologie, die den Menschen vereinnahmt und auch kontrolliert. Die Geschichte spielt übrigens in den 1990er Jahren und nicht etwa in der Zukunft.

Mit Michelle schafft Stålenhag eine eigentlich recht unnahbare, gar distanzierte Figur, die aber in ihren klaren Schilderungen dennoch viele emotionale und nachdenklich stimmende Momente schafft. Mit dieser gleichsam starken und zerbrechlichen jungen Frau, die in ihrer persönlichen Suche auch zum Symbol einer neuen Hoffnung wird, spannt Stålenhag am Ende den Bogen möglicherweise auf noch höhere spirituelle Ebenen.

Fazit:

Simon Stålenhag hat mit „The Electric State“ ein literarisch und vor allem visuell einzigartiges Science-Fiction Erlebnis geschaffen. Und ich bin sehr gespannt auf die filmische Umsetzung, der ich Dank Beteiligung der Macher und des Super-Stars von „Stranger Things“ mit überaus freudiger Erwartung entgegensehe.

The Electric State: Ein illustrierter Roman

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