Das Strahlen des Herrn Helios

  • Klett-Cotta
  • Erschienen: Juli 2022
Das Strahlen des Herrn Helios
Das Strahlen des Herrn Helios
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Andrea Betschart
85°

Phantastik-Couch Rezension vonDez 2022

Skarabäus Lampe, ein helles Köpfchen!

Was passiert, wenn man einen klassischen Kriminalfall in einer tierischen Gesellschaft spielen lässt? Das Grundprinzip, nämlich den Täter zu fassen und sein Motiv zu ergründen, bleibt sich gleich. Nur kommen die Protagonisten geringfügig anders daher. Der Detektiv ist ein gewiefter Hase, die Polizei besteht aus einer bunten Mischung verschiedener Hunderassen und bei der Leiche handelt es sich um einen Löwen ohne Mähne.

"Sie sind ein Nagel zu meinem Sarg, Lampe."

Wenn ein Zirkus in die Stadt kommt, herrscht normalerweise helle Aufregung und gespannte Vorfreude. Der Part mit der Aufregung trifft auch auf den Wanderzirkus zu, der vor Überstadt gastiert. Von Vorfreude kann hingegen keine Rede sein. Der Direktor wurde kaltblütig ermordet und hinterlässt ratlose sowie verunsicherte Artisten, die nicht wissen, wie es mit ihnen denn jetzt weitergehen soll. Immerhin ist der Täter bereits gefasst. Die schwer zu übersehenden Indizien führten die Polizei schnurstracks zu Gorilla Dante, der nun im Gefängnis auf seinen Prozess wartet. Zwar hat Dante kein Schuldgeständnis abgegeben, die erdrückende Beweislast reicht Inspektor Sutton jedoch aus, um von der Schuld des Gorillas überzeugt zu sein.

Skarabäus Lampe, seines Zeichens Meisterdetektiv von Überstadt, sieht das Ganze aber (mal wieder) komplett anders. Innerhalb weniger Minuten zerpflückt der clevere Hase die ach so hieb- und stichfeste Beweislage gegen Dante in der Luft. Damit noch nicht genug. Am Ort des Geschehens demonstriert er Sutton, wie stümperhaft sein Team bei der Beweissicherung vorgegangen ist und was bei der Untersuchung des Tatortes alles übersehen wurde. Bei der Befragung der Artisten stellt sich überdies heraus, dass alle ein Motiv gehabt hätten, um den Direktor zu töten. Kurzerhand übernimmt Lampe die kompletten Ermittlungen und setzt seinen genialen Scharfsinn ein, um den wahren Täter zu finden. Wie dicht er dem Mörder bereits auf den Fersen ist, merkt Skarabäus, als sein Ziehsohn Teddy plötzlich spurlos verschwindet...

Wunderbar getroffene Charaktere

Ich habe die Geschichte rund um Langohr Skarabäus Lampe sehr gerne gelesen. Der Detektiv ist ein aufgewecktes Kerlchen, welcher die Figur des Meisterdetektives perfekt verkörpert. Genial, clever, sich seiner überlegenen Intelligenz jederzeit bewusst, hat er von Beginn an meine Sympathien gewonnen. Die Autorin versteht es ausserdem, ihm Ecken und Kanten zu geben. Skarabäus raucht, sammelt in seiner Freizeit Insekten und muss sich mit einer körperlichen Beeinträchtigung arrangieren. Doch nicht nur Lampe ist Stoverock äussert gut gelungen. Die zahlreichen anderen Figuren überzeugen ebenfalls. Egal ob das romanzösische, messerwerfende Stachelschwein Monsieur Couteau mit seiner tragischen Vergangenheit, der reservierte Pfau, welcher sich selbst verachtet oder die charmante Telefonistin eines Anwalts, die uns in Form eines Fingertieres (zugegeben, ich wusste vorher auch nicht, wie ein Fingertier aussieht) begegnet: Jeder Charakter, der in der Geschichte vorkommt, erhält von der Autorin Leben eingehaucht. So ist es als Leser ein leichtes, sich von den Tieren und ihren Besonderheiten begeistern zu lassen.

Weiter macht die Lektüre dieses Buches Spass, da es in einer süffigen und dennoch abwechslungsreichen Sprache daherkommt. In den Dialogen blitzen immer wieder Ironie und Wortwitz auf, was ebenfalls zum Lesevergnügen beiträgt. Lediglich beim World-Building sehe ich noch Luft nach oben. Das Stoverock einen grossen Ideenreichtum besitzt, zeigt sie in der Gestaltung von Überstadt deutlich. Nur schon der Einfall, die Polizei mangels Schusswaffen mit Bananen auszustatten, wunderbar skurril und amüsant! Jedoch muss man vieles, was Überstadt betrifft, als gegeben hinnehmen und bekommt entsprechend wenig Hintergrundinformationen oder Erklärungen. Dies finde ich schade, da mich persönlich noch einiges interessiert hätte. Vielleicht frage ich einfach mal bei Skarabäus Lampe nach...

Fazit:

Meike Stoverock hat eine gelungene Geschichte abgeliefert. Der Mix aus Krimi und Tier-Fantasy funktioniert wunderbar, die Figuren sind liebevoll sowie kreativ gestaltet, punkten mit Charme und Wortwitz. Zudem hat das Buch eine angenehme Länge. Die Story wird nicht unnötig aufgebauscht und liest sich sehr unterhaltsam. Skarabäus Lampe, bitte ermitteln Sie bald wieder!

Das Strahlen des Herrn Helios

, Klett-Cotta

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