Wilder Girls

  • Piper
  • Erschienen: September 2022
Wilder Girls
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Julian Hübecker
57°

Phantastik-Couch Rezension vonOkt 2022

Leider nur ein gruseliges Hintergrundrauschen

Ein mutierendes Virus isoliert Raxter Island vom Rest der Welt. Die Schülerinnen vom hiesigen Internat müssen hilflos die schmerzhaften Mutationen über sich ergehen lassen. Wer überlebt, der ist von nun an schwer gezeichnet. Hetty will überleben – und stellt sich daher ihrem Schicksal und dem Virus. Doch dieses ist nicht die einzige Bedrohung, die auf die Mädchen wartet …

„Es ist das Schlimmste, was ich je gehört habe. Ihre Stimme klingt wie Metall auf Metall, wie eine Million Menschen auf einmal, wie ein Schrei und ein Flüstern und alles dazwischen, und es tut weh.“

Auf Raxter Island geht ein Virus um. Hier, wo eigentlich nur ein Mädcheninternat und ein kleiner, dichter Wald zu finden sind, wütet eine Krankheit, die Mensch und Natur verändert. Erst sind es nur die Lehrerinnen, die eine nach der anderen sterben, bis bloß noch eine Lehrerin und die Schulleiterin am Leben sind; dann trifft es die Schülerinnen. Aber diese sterben nicht einfach so, sondern erleben schmerzhafte Ausbrüche der Krankheit, die sie mutieren lassen. Manche entwickeln Kiemen, andere eine zweite Wirbelsäule oder Schuppen. Einige Mädchen sterben an den Veränderungen, manche überleben – für letztere folgt aber ein qualvolles, unbeständiges Dasein, denn es kann jederzeit zu einem erneuten Ausbruch kommen.

Eines dieser Mädchen ist Hetty: Sie büßt eines ihrer Augen ein, verliert aber dennoch nie die Hoffnung auf Heilung. Halt und Zuversicht geben ihr ihre Freundinnen Reese und Byatt, obwohl das Leben zum Kampf geworden ist. Das wenige Essen, das sie vom Festland bekommen, reicht gerade so, um nicht zu verhungern. Und im Wald lauern Bären, Füchse und Luchse, die doppelt so groß sind, wie sie eigentlich sein dürften. Die Mädchen müssen sich verteidigen und Wache schieben – und selbst dann ist ein Überleben nicht sicher.

Als Hetty das erste Mal eines der drei erwählten Mädchen ist, das auf die andere Seite der Insel muss, um die Rationen abzuholen, erfährt sie etwas, das sie einiges hinterfragen lässt: Welche Rolle spielt das Virus wirklich? Wer weiß davon? Und was passiert mit den Mädchen, die sterben? Als Byatt einen heftigen Anfall hat und zur Krankenstation gebracht wird, versteht Hetty mit einem Mal: Nicht jeder ist auf ihrer Seite.

Die Grundstimmung stimmt

Ein Virus, das mutieren lässt – eigentlich nichts Neues. Doch das Perfide am sogenannten Tox ist, dass man nicht so wirklich versteht, woher es kommt und was es bewirkt. Die Mutationen unterscheiden sich stark voneinander. Sie betreffen nicht nur Tiere und Pflanzen; das Virus scheint auch einzig auf die Insel beschränkt zu sein. Man weiß als gespannter Leser also nur, dass es da ist und für massive körperliche Veränderungen sorgt, die zum Tod führen können. Tatsächlich bleibt diese geheimnisvolle Aura über die gesamte Geschichte bestehen; auf Antworten wartet man vergeblich. Stattdessen geht es vordergründig um die Stimmung, die das Horrorfeeling verbreiten soll.

Das grundlegende Horrorsetting stimmt auf jeden Fall: Eine abgelegene Insel, ein isoliertes Internat, der undurchdringliche Wald mit blutrünstigen Tieren sowie ekelerregende Mutationen, die einem den Magen umdrehen. Vor allem diese Veränderungen werden von der Autorin sehr bildlich beschrieben und bescheren eine Gänsehaut nach der anderen. Viel zu sehr beschränkt sie sich aber auf diese Stimmung und verpasst es, der Geschichte einen Kern zu geben. Wohin soll sich die Story entwickeln? Diese Frage stellt man sich allzu oft.

Erzählt wird abwechselnd aus Hettys und Byatts Sicht. Dennoch trägt am ehesten Hetty die Geschichte, weil Byatt sehr verworren und stark subjektiv berichtet (was am Handlungsverlauf liegt, worauf hier aber nicht näher eingegangen werden soll). Hetty ist nicht gerade unsympathisch, man wird mit ihr aber auch nicht warm. Einerseits scheint sie sich um die Mädchen zu sorgen, dann wiederum handelt sie sehr egoistisch, was schließlich zu mehreren Entscheidungen führt, die tödliche Folgen nach sich ziehen. An dieser Stelle bekommt man nochmal den Eindruck, dass die Autorin selbst nicht wusste, wo sie mit Plot und Charakteren hinwollte.

Fazit:

Eine Geschichte, auf die man sich anfangs gerne einlässt, die nach und nach aber immer mehr Schwächen offenbart. Schade, denn das Horrorszenario ist allgegenwärtig.

Wilder Girls

, Piper

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