Myrk - Die Dunkelwald-Saga

  • Piper
  • Erschienen: September 2022
Myrk - Die Dunkelwald-Saga
Myrk - Die Dunkelwald-Saga
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Lisa Reim-Benke
62°

Phantastik-Couch Rezension vonNov 2022

Es war einmal ein abgeholzter Wald …

Der Wald leidet, er stirbt und warnt die Bewohner Myrks vor einem grauenvollen Schicksal. Dessen ist sich die junge Grid sicher. Zusammen mit ihrer Meisterin, der Waldfrau Hulda, macht sie sich auf den gefahrvollen Weg, den Wald zu retten. Zeitgleich wird der junge Hanz von einer rätselhaften Seuche befallen. Auch er macht sich mit seinem Meister, dem Schmied Mimir, auf die Suche nach einem Heilmittel und reist dafür in das Land der Durgen, aus dem Mimir einst verbannt wurde. Weiter im Norden kämpft Skanna, die Tochter des Häuptlings des Drachenstammes, darum, bei den Schädelreitern aufgenommen zu werden. Doch als Frau ist das gar nicht so einfach, besonders wenn man sich zusätzlich noch mit einigen Intrigen herumschlagen muss. Und als ob das alles nicht schon genug wäre, rüsten sich die beiden Herrscher Kunnart und Marfast für die letzte Konfrontation.

Waldgeister, Hexen und Werwölfe

Viele Handlungsstränge, Erzählperspektiven und Figuren, das alles auch noch eingebettet in ein nordisches Setting, voller Anspielungen auf Mythologie und Märchen – da schlägt das Herz eines jeden Fantasy-Fans höher. Der gestandene Bestseller-Autor Michael Peinkofer, der sich mit seiner Serie um „Die Orks“ schon früh einen Namen machte, erschafft mit Myrk eine überzeugende Welt, in der der Dunkelwald und dessen Geist Aldatru die Hauptrolle spielen. Düster und wild präsentiert sich das Setting, entführt aber auch an gemütliche und mystische Orte, beherrscht von naturverbundener Magie. Getrieben von Gier und Macht dringen die Menschen jedoch immer tiefer in Aldatrus Welt ein und drohen sie zu zerstören, obwohl davon ihr Leben abhängt. Ein kleiner Verweis auf unser reales menschliches Verhalten der Umwelt gegenüber.

Dass Peinkofer sich an Märchen und Sagen orientiert hat, merkt man im Text nicht nur an der bösen Stiefmutter, dem großen bösen Wolf oder an einer besonderen Form des Lebkuchenhauses, sondern auch an der Gestaltung der Atmosphäre. Mal befinden wir uns auf einem beschaulichen Spaziergang durch den Wald, mal spritzt das Blut bis zur Decke, ganz wie man es aus den Märchen der Gebrüder Grimm kennt. Nur auf die absolut unnötige Vergewaltigungsszene hätte man wirklich verzichten können.

Spezielle Abenteurer auf spezieller Mission

Die Handlung selbst kann mit dem großartigen Setting allerdings nur schwer mithalten. Sehr klassisch aufgebaut stößt man nur auf wenige Überraschungen. Auch die eher schablonenhaft wirkenden Charaktere haben einfach nur eine Aufgabe zugewiesen bekommen, die sie zwar tapfer erfüllen, mehr aber auch nicht. Teilweise dürfen sie sogar nicht einmal das. An einigen Stellen müssen sich die Armen krampfhaft verbiegen, damit sich die Handlung in eine bestimmte Richtung weiterentwickeln kann. So überhört ein top ausgebildeter Jäger mit einem sehr scharfen Gehör (was uns immer wieder gezeigt wurde) einen ganzen Trupp sich nähernder Kämpfer, weil es die Dramaturgie nun einmal so vorschreibt. Wenn dann auch noch in jedem der durchschnittlich 5-seitigen Kapitel der Perspektivträger wechselt und die Leser ständig von einem Schauplatz zum nächsten hetzen müssen, kommen sie erst recht nie richtig in der Geschichte an.

Besonders schwer tut man sich mit den jüngeren Helden Hänsel und Gretel … äh … Hanz und Grid. Diese zwei zum Augenrollen naiven Sprösslinge teilen beinahe identische Handlungsstränge. Grid ist dabei noch die aktivere der beiden, wohingegen Hanz ein passiver Patscherl ist, der ohne Aufpasser gar nicht erst aus dem Heimatdorf herausgekommen wäre.

Die Rollen von Gut und Böse sind in „Myrk“ klar verteilt. Das ist auch generell nichts Schlechtes, wenn man dem Bösen das verschlagene Verhalten auch abkaufen würde. Jedoch weiß die antagonistische Kraft nichts Besseres zu tun als höhnisch zu lachen, plump zu intrigieren und vor stereotyper Überheblichkeit triefend den Helden am Ende erst einmal die Hintergründe zu erklären. Ein klassischer Fall von einem Bösewicht, der nur Erfolg hat, weil alle anderen so unfähig sind.

Fazit:

Obwohl Intertextualität zum Konzept von „Myrk“ gehört, verlässt sich die Geschichte bei Handlungsaufbau und Charakteren für meinen Geschmack zu sehr auf verstaubte, geradlinige Märchenstrukturen – Michael Peinkofer kann das eigentlich besser. Seinem souveränen Schreibstil ist er jedoch treugeblieben, sodass „Myrk“ trotz allem eine solide Unterhaltung für zwischendurch ist.

Myrk - Die Dunkelwald-Saga

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