Clown im Maisfeld

  • Festa
  • Erschienen: Juni 2022
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Clown im Maisfeld
Clown im Maisfeld
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Marcel Scharrenbroich
75°1001

Phantastik-Couch Rezension vonApr 2023

Killer-Kaff

Die Neue

Nach dem Tod von Quinns Mutter zieht die Teenagerin mit ihrem Dad in die verschlafene Kleinstadt Kettle Springs, die dicht umringt von Maisfeldern irgendwo im Nirgendwo liegt. Ein dringend benötigter Neustart fernab vom Trubel einer einwohnerreichen Metropole. Quinns Vater, Glenn Maybrook, wird der neue Arzt des Örtchens und ist diesbezüglich schon reichlich nervös. Könnte schwer werden, die alteingesessenen Anwohner von einem neuen Doc zu überzeugen, Gewohnheiten legt man schließlich nicht leicht ab. Doch auch Quinn ist noch unsicher, muss sie schließlich eine neue Schule besuchen und als Fremdkörper aus Philly erstmal in die Kreise bestehender Freundschaften eindringen. Sollte eigentlich klappen, denn kontaktscheu ist sie nicht. Jedoch erweist sich schon der erste Schultag als reinstes Abenteuer…

Quinn wird Augenzeugin, wie live vor ihr im Klassenraum aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird. Und der Elefant im Raum ist eindeutig Cole Hill. Ein Junge, der nicht nur dem Lehrer Mr. Vern ein Dorn im Auge zu sein scheint. Cole gilt als Unruhestifter, hat bereits einiges auf dem Kerbholz. Zuletzt sorgte er dafür, dass die Baypen-Fabrik abgefackelt ist. Kettle Springs größter Exportschlager wurde dort hergestellt… Maissirup, wer hätte das gedacht? Allerdings stand die Fabrik, die auch noch Coles Dad gehörte, bereits länger leer. Keine Entschuldigung, aber zumindest kam niemand zu Schaden. Lediglich der aufgemalte Clown, so etwas wie das Maskottchen von Kettle Springs, wurde ordentlich in Mitleidenschaft gezogen. Quinn wird regelmäßig daran erinnert, denn der Blick aus ihrem Fenster fällt direkt auf Frendos verzerrte Fratze. Um den Bad Boy Cole scharen sich stets Tucker, eine Art Bodyguard mit dem IQ einer lernschwachen Fruchtfliege, Janet, Ronnie und Matt. Im Kern Klischee-Charaktere eines jeden Teenie-Highschool-Films. Und wie in jedem Klischee-Teenie-Highschool-Film eckt die Stadtjugend an, wo es nur geht. Ein respektvolles Miteinander zwischen Jugend und Erwachsenen scheint in Kettle Springs nicht möglich, dafür sorgen beide Seiten. Das erklärt wohl auch die kurze Zündschnur vom Bio-Lehrer Mr. Vern. Ihm - und einem undurchdachten Einwurf von Quinn in ihrer ersten Schulstunde - ist es zu verdanken, dass die gesamte Truppe vom „Gründertag“, dem scheinbar wichtigsten Fest der Stadt, ausgeschlossen wird. Dafür wird schon der einschüchternde Sheriff sorgen… ebenfalls kein Fan von Cole und seiner Clique.

Manege frei!

Wenn auch anders als geplant, hat Quinn so schon mal Anschluss gefunden. Selbstverständlich halten die jungen Leute sich NICHT an das „Gründertags“-Verbot. Vielmehr haben sie dort sogar eine weitere Aktion geplant, die erneut aus dem Ruder läuft. Zwischen feiernden Leuten, Kindern, Erwachsenen und einer Überpräsenz von Frendo-Kostümen kommt es fast zur Katastrophe.

Irgendjemandem in Kettle Springs scheinen die „Scherze“ allerdings derart zum Halse rauszuhängen, dass er… oder sie?... tätig wird. Hinter einer gruselig-grinsenden Frendo-Maske hat jemand einen teuflischen Plan gefasst und geht zur blutigen Gegenoffensive über. Eine nächtliche, selbstverständlich illegale Party im Maisfeld entpuppt sich für fast alle Schülerinnen und Schüler von Kettle Springs als tödliche Falle. Eine lange, brutale Nacht steht Quinn und ihren neuen Freunden bevor, denn sie steht ebenfalls auf der langen Liste des unbarmherzigen Killers.

Schrei, denn ich werde dich zum Lachen bringen?

Nein, ganz bestimmt nicht. Clowns sind nämlich nicht lustig, sondern scheißgruselig. Sie gehören in keine Manege und nicht in die Nähe von Kindern. Idealerweise bewahrt man sie in der Kanalisation auf, wo sie lustige Ballons aufblasen und mit ihresgleichen um die Wette „fliegen“ können. Ein weiser Mann namens Stephen King, der Generationen um ihren wohlverdienten Schlaf beraubte, wusste wie man mit ihnen verfährt. Der hatte übrigens auch ein Faible für Maisfelder. Kinder, die sein arschgruseliger Clown wohl nicht ausreichend abgeschreckt hatte, rotteten sich dort psychisch ordentlich durchgerüttelt zusammen, um Erwachsene nach allen Regeln der Kunst durch den Fleischwolf zu drehen… wortwörtlich. „Clown im Maisfeld“ vereint all das: ausufernde Maisfelder, saftige Kills und saugruselige Clowns. Übernatürlich geht es in Adam Cesares Roman aber nicht zu, denn das Buch ist ein waschechter Teenie-Slasher.

In bester Tradition von „Scream“, Halloween“ oder „Freitag der 13.“ wird feierfreudiges Jungvolk dezimiert was das Zeug hält. Die Idee, maskierte, wortkarge Killer durch die Botanik stampfen zu lassen, ist nicht neu und auch nicht sonderlich kreativ. Dennoch hat „Clown im Maisfeld“ ein paar nette Twists. Der Showdown beginnt eigentlich schon in der Mitte des kurzweiligen Buches, was zur Folge hat, dass man trotz vertraut wirkender Handlung nur schwer mit dem Lesen aufhören kann. Da verzeiht man Cesare auch den offensichtlichen Griff in die Klischee-Kiste, wenn es um die Charaktere aus dem kleinen Slasher-Einmaleins geht. Im Buch selbst wird an einigen Stellen darauf hingewiesen, dass das beschriebene Kleinstadt-Treiben einem einzigen Klischee entspricht. Soll man dem Autor deswegen nun mangelnde Kreativität vorwerfen? Neee…, denn Endlos-Serien wie „Scream“ (aktuell bei Teil 6 angelangt) und „Halloween“ (insgesamt 13 Beiträge, wobei man „Halloween III“ streng genommen nicht mitzählen sollte) beweisen zum Teil seit den 1970ern, dass man das Rad nicht immer zwingend neu erfinden muss, um gut zu unterhalten. Selbst der x-te Aufguss einer - ehrlicherweise von Grund auf - nicht innovativen Story kann unterhalten, wenn er gut gemacht ist. Und das ist „Clown im Maisfeld“, gute Horror-Unterhaltung für ein paar launige Leseabende bei Kerzenlicht und einer schönen Kanne Maissirup.

Fazit:

Klassische Slasher-Kost in einem angenehmen „Riverdale“-Setting. Der Konflikt der Generationen schraubt sich in ungeahnte, sehr blutige Höhen. Schnörkellos, unterhaltsam, nicht unnötig in die Länge gezogen und dazu noch in bester, hochwertiger Aufmachung, wie man es vom FESTA Verlag gewohnt ist. Wer Teenie-Horror mit hohem Bodycount mag, wird nicht enttäuscht. Wo war doch gleich meine Frendo-Maske…?

Clown im Maisfeld

Adam Cesare, Festa

Clown im Maisfeld

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