Die rote Hexe

  • Pabel
  • Erschienen: November 1979
Die rote Hexe
Die rote Hexe
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Michael Drewniok
80°

Phantastik-Couch Rezension vonSep 2022

Magie, Monster, schöne Frauen: Kothars Welt

Zwei Kurzromane erzählen von den Abenteuern des Barbaren Kothar, der immer wieder in brenzlige Situationen gerät:

- Hugh Walker: Vorwort, S. 7/8

- Tor in eine andere Welt (The Helix from Beyond; 1969), S. 9-72: Kothar, der Barbar aus dem kalten Norden des Planeten Yarth, setzt seine ziellose Odyssee durch fremde Länder fort. Wie so oft ist er pleite, als er in der Hauptstadt des Kaiserreichs Avilonien eintrifft. Normalerweise verdingt er sich als Söldner, aber hier überredet man ihn zu einem riskanten, aber lohnenden Raubzug: Ausgerechnet Kaiser Kyros soll Kothar die magische Helix stehlen, die den Übergang in ein jenseitiges Zauberreich ermöglicht.

Der Raubzug geht schief, aber Kothar kann durch die Helix in die ‚andere‘ Welt flüchten. Dort trifft er die Zauberin Leithe, die ihn überreden kann, dem Kaiser und seinem bösen Hofmagier die Helix zu entreißen, was allerdings die Freisetzung eines rachsüchtigen Dämons erforderlich macht …

- Die rote Lori und die Dämonen (A Plague of Demons; 1969), S. 73-161: In der Stadt Klon Mell hilft Kothar dem Händler Pahk Mah, dem eine fanatische Sekte die Tochter Mahla entführt hat, um sie dem Gott Pulthoom zu opfern. Kothar kann dies verhindern, doch die Dämonin Ahrima fährt in Mahlas Körper und will diesen nur verlassen, wenn Kothar die Rote Lori befreit, die als Hexe am Hofe der Königin Elfa gefangen gehalten wird.

Lori hat ihre Zauberkraft eingebüßt, die sie im fernen Aegyton wiederzuerlangen hofft. Kothar ist für ihre Misere mitverantwortlich, was die Hexe weder vergaß noch vergibt. Deshalb soll Kothar sie nach gelungener Flucht dorthin bringen, bevor Ahrima Mahlas Körper verlässt. Der Weg ist weit und führt durch das Reich der Mongrolier, die sich die Chance auf Beute wie üblich nicht entgehen lassen …

Schamlose Kopie, solange der Rubel rollt

Kothar, der Barbar, ist ein Abklatsch des klassischen Haudraufs Conan, den Robert E. Howard (1906-1936) in den 1930er Jahren ins trivialliterarische Leben rief. Das Konzept war (scheinbar) simpel: Ein nicht unbedingt geistreicher, aber körperstarker und energischer Mann verlässt seine Heimat und bereist seinen Planeten. Ruhelos und stets auf der Suche nach neuen Abenteuern, Gold und schönen Frauen (in dieser Reihenfolge) gerät er immer wieder in brenzlige Situationen.

Da sowohl Conan als auch Kothar in einer Welt leben, in der Urzeit und ‚Mittelalter‘ den Zivilisationsstatus prägen, während außerdem Magie die üblichen Naturgesetze bereichert, ist das Spektrum der Gefahren breit und umfasst Kriege und Intrigen ebenso wie Geister, Dämonen und Monster. Auch Yarths Landkarte ist reich an weißen Flecken. Dort hausen uralte, nicht immer diesseitige Mächte, vergessene Völker oder sogar ‚Götter‘ aus einem Kosmos, der sich nicht mehr ausdehnt, sondern zusammenfällt, denn Kothar lebt in einer weit entfernten Zukunft.

In den späten 1950er Jahren erlebte das Fantasy-Subgenre „Sword & Sorcery“ à la Howard eine Wiedergeburt. Die Conan-Storys wurden mit beachtlichem Erfolg wieder aufgelegt sowie von neuen Autoren fortgesetzt. Der Markt bot daneben Raum für jene, die das Conan-Muster auf ‚eigene‘ Entdecker- und Eroberer-Barbaren übertrugen. Zu den wenigen, die es dabei entwickelten, gehörte Karl Edward Wagner (1945-1994) mit Kane, dem Verfluchten. Doch meist setzte sich die Kopie durch. Lin Carter (1930-1988) ließ Thongor wüten, John Jakes (*1932) Brak - und Gardner Francis Fox (1911-1986) Kothar.

Genug Raum für Barbaren

Die Kritik geht nicht freundlich mit Kothar um. Zum Vorwurf wird Fox das Tempo gemacht, mit dem er den Barbaren in ‚neue‘ Abenteuer verwickelte, die doch stets nach bekanntem Muster abliefen: Die in fünf Bänden gesammelten Kothar-Storys erschienen 1969 und 1970. Fox war ein schneller Autor. So schuf er ein Werk, das weit mehr als 100 Bücher füllte, wobei er sämtliche Populärkultur-Genres abdeckte und auch vor Softporno-‚Thrillern‘ nicht zurückschreckte.

Gerühmt wird Fox dagegen als Szenarist für die „DC“-Comics, wo er ab den späten 1930er Jahren u. a. Figuren wie The Flash, Hawkman oder die Justice Society of America entwickelte. Als Verfasser von Kurzgeschichten und Romanen hatte es Fox deutlich schwerer, was ihm und Kothar nicht wirklich schadete: Fox war ein Vollprofi, der das Schreiben als Handwerk verstand. Er erfand nicht neu, sondern variierte Bekanntes - und dies auf eine Weise, für die man ihm durchaus Anerkennung zollen sollte.

Wenn man sich davon freimacht, dass eine erzählte Geschichte ‚originell‘ sein muss, ist es leicht, sich von Fox unterhalten zu lassen. Ja, die Kothar-Storys sind grob gestrickt, reihen möglichst actionreiche Episoden aneinander und infantil bzw. #MeToo-verdächtig. Die Frauen sind schön, knapp bekleidet und stets von Kothars Herkules-Körper angezogen. Typisch sind Szenen, in denen pralle Maiden nackt vor geilen Königen, Zauberern oder Ungeheuern stehen, die indes nie zum Zug kommen, weil im letzten Moment Kothar erscheint und sie züchtigt; dafür werfen sich ihm besagte Maiden anschließend freiwillig an den muskulösen Hals.

Die Welt als Spielplatz

Das Subgenre „Schwerter & Zauberei“ ist auf Kothar-Niveau ein Sammelbecken für kunterbunte Trivial-Unterhaltung - eine Bezeichnung, die eben nicht ein Synonym für Minderwertigkeit ist, sondern das naive, unbekümmerte Spiel mit grellen, effektstarken Geschichten kennzeichnet, die auf alte und junge Mythen zurückgreifen und sie möglichst einfallsreich verwirbeln. Der rote Faden, der Kothar durch seine Welt führt, ist dünn. Die Rote Lori sitzt ihm im Nacken sorgt für einen gewissen Oberton, aber eigentlich lässt sich Kothar treiben und reagiert auf Herausforderungen, die oft nur er als solche definiert.

Die ewige Queste treibt ihn voran - das Abenteuer an sich ist sein Motiv, während es ein Ziel nicht gibt. Dies kennzeichnet die Erzählstruktur: Reicht die Zahl der Seiten bis zum gesteckten Endziel noch nicht aus, unterbricht Fox die ohnehin lockere Story und lässt ein Monster, feindselige Wilde oder ähnliche Unholde auftauchen, denen Kothar das Lebenslicht ausblasen muss, was ausführlich beschrieben wird.

Dabei fliegen Körperteile und Köpfe, brechen Genicke wie Streichhölzer oder werden Bäuche und Brustkörbe bis zum Schwertknauf durchstoßen: Kothar ist der Repräsentant einer Welt, die ‚einfache‘ Problemlösungen bevorzugt. Gewalt wird nicht verurteilt, sondern gilt als selbstverständlich. Auch damit spielt diese Fantasy einer Kritik in die Hände, die außerdem „Weltflucht“ moniert. Vor gar nicht so langer Zeit war dies ein tatsächlich vieldiskutiertes Argument ernsthafter, aber eben auch spaßbefreiter und in ihrer Voreingenommenheit gefangener ‚Fachleute‘. Auch Kothar hat keine Schar enthemmter Totschläger hervorgebracht; die kriechen aus einem Sumpf, der ganz sicher nicht von trivialer Fantasy gespeist wird.

Fazit:

Zwei Kurzromane erzählen Abenteuerliches aus einer fremden und doch vertrauten Fantasy-Welt. Zwar sind Kothar und seine Welt eine deckungsgleiche Kopie des Conan-Universums, doch unverfälschte, naive Freude an wüsten Kämpfen, finsterer Magie oder blutrünstigen Monstren sorgt ohne schlechtes Gewissen für Lektürespaß.

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