Die Wahrhaftige (Die sieben Königreiche 4)

  • Carlsen
  • Erschienen: Juni 2022
Die Wahrhaftige (Die sieben Königreiche 4)
Die Wahrhaftige (Die sieben Königreiche 4)
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Carola Krauße-Reim
70°

Phantastik-Couch Rezension vonSep 2022

Viel Romantik in einer dünnen Geschichte

Ursprünglich waren die Geschichten rund um Katsa, Fire und Bitterblue wohl als Trilogie geplant, doch der große Erfolg verleitete Autorin Kristin Cashore scheinbar zu einer Fortsetzung. Und das Leben und Lieben in den Sieben Königreichen geht sogar noch weiter, denn im November wird bereits der nächste Band in englischer Originalausgabe erscheinen.

Bitterblue besucht Winterburg

Bitterblue, Königin von Monsea, ist fasziniert von Winterburg. Der Staat jenseits des Frostigen Meeres hat Luftschiffe, geheimnisvolle Tiere mit magischen Fähigkeiten und eine florierende Wissenschaft. Doch als ihre Gesandten auf mysteriöse Weise ertrinken und der Verdacht nahe liegt, dass die mächtigsten Familien aus Winterburg Bitterblue betrogen haben, macht die sich auf den beschwerlichen Weg über das Meer. Aber die Reise scheint in einer Katastrophe zu enden, die vor allem Hava und Giddon, der Bitterblue schon lange unausgesprochen liebt, schwer trifft. Gleichzeitig kämpft die junge Winterburgerin Lovisa für ihre Zukunft, ihre Brüder und Gerechtigkeit.

Die Geschichte tritt in den Hintergrund

Die ersten drei Bände der Reihe wiesen eine noch spannende und halbwegs plausible Handlung auf, die im Vordergrund stand. Die diversen Romanzen der Protagonistinnen liefen mehr oder weniger parallel ab. Doch im vorliegenden Band vertauschen sich die Rollen. Scheinbar legte Cashore wesentlich mehr Wert auf die Probleme in Sachen Liebe als auf einen logischen und ausgereiften Plot. Dieser macht daher den Eindruck, nur als fadenscheiniges Gerüst für diverse Sexabenteuer von Lovisa, dem Liebesschmerz von Giddon und den Bemühungen von Bitterblue einen passenden Ehemann zu erschlafen zu dienen und lässt dazu noch ziemlich viele Fragen offen. Die Geschichte beginnt zwar relativ spannend, aus der ungewöhnlichen Perspektive einer riesigen Meereskreatur, rutscht dann aber schnell ins Belanglose und oft auch völlig Unlogische ab. Lediglich der teilweise aufblitzende Humor hilft hier noch etwas, die unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten von Bitterblue, Giddon, Lovisa und sogar einem blauen Fuchs mit ungewöhnlichen Fähigkeiten, reißen hier nichts mehr.

Figurenzeichnung ist nicht ausreichend

Während Kenner*innen der Reihe Bitterblue, Giddon, Hava und die anderen aus Monsea schon kennen, muss man mit den Winterburgern erst einmal warm werden. Lange Strecken des Geschehens begleiten wir Lovisa, Tochter aus bestem Haus, die so ihre Probleme hat. Vor allem ihre Familie scheint mehr als ein Geheimnis und mehr als eine Leiche im Keller zu haben. Hier wäre ein so richtig tiefer Griff in die Psychokiste zur Charakterisierung von Lovisa, ihrer herrschsüchtigen Mutter und ihres wenig durchschaubaren Vaters möglich gewesen. Doch Cashore fischt nur an der Oberfläche. Andeutung folgt auf Andeutung und zum Schluss hat sich die Leserschaft mehr zusammengereimt, als die Autorin geschildert hat. Der honigsüße Schluss passt dann zum Rest der liebeslastigen Story, versüßt das Lesevergnügen aber dennoch nicht.

Der Steampunk-Staat

Was allerdings so richtigen Spaß beim Lesen bringt, ist die Schilderung von Winterburg. Luftschiffe, die über herrschaftliche Anwesen mit hohen Mauern schweben; Menschen mit Pelzmänteln trotzen der Kälte und bewegen sich in der viktorianisch anmutenden Hauptstadt Ledra mit ihren Passagen; Kaminfeuer und Gaslampen tun den Rest zur Gemütlichkeit und die Akademie vermittelt Wissen im Stil der englischen Colleges. Das alles entführt in eine Welt, die an die Anfänge der Industrialisierung erinnert und immer Bilder eines Englands zu Zeiten Queen Viktorias heraufbeschwört. Dieser geheimnisvolle, von der Suche nach Wissen und neuen Technologien bestimmte Staat ist der Autorin gut gelungen. Die, wenn auch vielleicht ungewollten, Parallelen zu den politischen Problemen im heutigen England sind dann das absolute I-Tüpfelchen. Enttäuschend ist in diesem Zusammenhang die mitgelieferte Landkarte von Torla und dem Königskontinent. Hier hätte sich Designer Ian Schoenherr wirklich etwas mehr Mühe geben können, denn die Karte in Schwarz-Weiß speist uns mit wenigen Details ab und wirkt fast schon lieblos dahingemalt.

Fazit:

Der schwächste Band der Sieben-Königreiche-Serie. Die amourösen Abenteuer stehen zu sehr im Vordergrund, die teilweise sehr unlogische Handlung scheint nur das Gerüst für Herzschmerz und Sex zu sein. Lediglich die Schilderung von Winterburg ist der Autorin gut gelungen. Bleibt zu hoffen, dass der nächste Band wieder mehr tragfähige Handlung aufweist, denn dann dürfen wir Hava, der Halbschwester und Spion Bitterblues, folgen.

Die Wahrhaftige (Die sieben Königreiche 4)

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